Die USA und die Barbaren

In den USA sorgt ein neues, anti-islamisches Plakat für Furore. „In any war between the civilized man and the savage, support the civilized man. Support Israel – Defeat Jihad“ Damit haben die Muslime in den USA einen neuen Status erreicht. Einen Status, den weder die indigenen Völker Amerikas, noch die Afroamerikaner und Latinos bis heute überwunden haben.

Im Laufe der Geschichte wurden in Nordamerika Indianer und Afrikaner unterdrückt und wie Vieh behandelt. Man verjagte und ermordete sie und zerstörte ihre Kultur. Dasselbe geschah in Südamerika mit den Inka, Maya und Azteken. Die Nachkommen dieser Völker leben bis heute unter keinen guten Bedingungen. Nur weil ein Afroamerikaner, der unter anderem eine entfernte Verwandtschaft mit Brad Pitt und George Bush aufweist, Präsident der Vereinigten Staaten ist, heißt es noch lange nicht, dass sich die Lage der Afroamerikaner im Allgemeinen verbessert hat. Immer noch werden sie als kriminell und faul abgestempelt, immer noch lebt ein Großteil von ihnen in Arbeitslosigkeit und Armut und immer noch kommt es zu rassistischen Übergriffen.

Das gleiche gilt für die Latinos. Am liebsten hat man es natürlich, wenn diese erst gar nicht ins Land kommen. Viele von ihnen leben illegal in den USA und das liegt nur daran, dass sie in ihren Heimatländern keine Arbeit finden und sich den „American Dream“ erhoffen. Dieser Wunschtraum wurde allerdings schon längst zerstört, als sich die USA gemeinsam mit skrupellosen Großkonzernen in die Innenpolitik der südamerikanischen Staaten einmischten. Es wurde gezielt manipuliert, Propaganda gemacht und Unruhe gestiftet.

Seit 9/11 haben die Konservativen in den USA einen neunen Sündenbock gefunden, auf den sie all ihre Probleme wälzen konnten: Die Muslime. Sie befürworteten den Krieg im Irak und in Afghanistan, weil es dort wieder einmal „Wilde“ zu bekämpfen gäbe. „Wilde“, die im Gegensatz zu den USA eine jahrtausendealte Kultur haben, geprägt von einzigartiger Wissenschaft und Kunst. Diese „Wilden“ hatten eine Geschichte, von der ein Land wie die USA nur träumen konnte. Trotzdem wurde alles rücksichtslos zerstört. Dem engstirnigen „0815-Republikaner“ interessierte das aber herzlich wenig. Bis heute liefern „Demokratie“ und „Menschenrechte“ einen geeigneten Vorwand, um in fremde Länder einzumarschieren. Man beutet das jeweilige Volk aus und bedient sich der Rohstoffe des Landes.

Des Weiteren ließ man sich leicht von anderen Kräften instrumentalisieren. Während man im Irak und in Afghanistan die „wilden und zurückgebliebenen Muslime“ bombardierte, half man den Zionisten in Israel, dort ein ganzes Volk von der Außenwelt abzuschotten und sie ihrer Kultur zu berauben. Die zionistischen Kräfte Israels unterscheiden sich praktisch in keinster Weise von den amerikanischen Hardlinern, die schon gegen Schwarze, Indianer und Latinos wetterten. Auch sie kamen aus aller Welt, um dort ein anderes Volk zu verjagen, zu unterdrücken und sie ihrer Rechte zu entledigen.

Es wird aber viel zu selten erwähnt, dass die zionistische Ideologie in den USA verbreiteter ist als in Israel selbst. Die sogenannte „Israel-Lobby“ leistet ihren entsprechenden Beitrag dazu. Wer an die Existenz dieser Lobby nicht glaubt und sie immer noch als „Verschwörungstheorie“ abstempelt, sollte dringend das Buch „The Israel Lobby and U.S. Foreign Policiy“ von John Mearsheimer und Stephen Walt lesen. Die Autoren machen mit ihrem auf Fakten basierenden Werk eindeutig klar, dass die vorbehaltlose Unterstützung Israels nicht nur die USA selbst schade, sondern auch Israel.

Darauf wird aber anscheinend immer noch keinen Wert mehr gelegt, wie die neueste Kampagne beweist. Die USA und Israel scheinen sich für aufgeklärt und zivilisiert halten, während sie andere Menschen als Barbaren bezeichnen. Die Zielgruppe dieses Plakates ist eindeutig. Man will vor allem die Anhänger der radikalen Tea-Party-Bewegung und jene der Israel-Lobby erreichen. Das Ziel ist es, eine islamophobe Stimmung zu machen. Die Menschen sollen manipuliert werden, damit sie einem Krieg gegen den Iran zustimmen.

Für diesen Krieg wird von den radikalen Zionisten, zu denen unter anderem auch Premierminister Benjamin Netanjahu zählt, schon jahrelang geworben. Wer die letzte UN-Rede Netanjahus gesehen hat, sollte wissen, dass der Mann seit mittlerweile zwanzig Jahren versucht, dem Iran eine Atombombe anzuhängen. Einst behauptete er, dass es 2005 so weit sein wird. Nun ist es also 2013. Umso unerhörter ist es, wenn man Netanjahu von „Frieden“ sprechen hört.

Benjamin Netanjahu gilt als Hardliner. Jedoch wissen nicht viele, dass dies auch mit seiner Erziehung und mit seinem Elternhaus zu tun hat. Als Sohn von Benzion Netanjahu, der zu Lebzeiten eine zionistische Führungsfigur in den USA war, wird man auch mit der entsprechenden Ideologie indoktriniert. Benzion wurde sogar von Menachem Begin als „ultrarecht“ bezeichnet. Deshalb blieb ihm, wohlgemerkt, zum Glück eine politische Karriere verwehrt.

Um von anderen Problemen abzulenken, warnt Netanjahu Junior auch immer wieder vor den „bösen Islamisten“, die angeblich neben den Iran die ganze Welt gefährden. Den Rassismus in Israel spricht er deshalb erst gar nicht an, vom illegalen Siedlungsbau radikaler Zionisten ganz zu schweigen. Währenddessen leistet die republikanische Tea-Party-Bewegung ihren Beitrag, um Hass zu schüren und die Lage noch mehr eskalieren zu lassen.

Erst vor Kurzem verlangte die christlich-fundamentalistische US-Politikerin Michelle Bachmann, dass „Falafel und andere jihadistische Speisen“ aus den Menüs von US-Schulen verbannt werden müssen. Als Bachmann gefragt wurde, was sie denn gegen Falafel habe, antwortete sie, dass es mit „Falafel anfinge und die Schulkinder irgendwann Schawarma wollen“. Irgendwann würden die amerikanischen Kinder den Koran lesen, „islamische Musik“ hören und gegen die eigene Heimat Anschläge planen. „Terrorkuchen und islamistisches Essen müssen verboten werden“, so Bachmann. Damit hat eine republikanische Politikerin wieder einmal bewiesen, dass die Dummheit mancher Menschen wohl tatsächlich keine Grenzen kennt.

Ob ihr mal jemand gesagt hat, dass Falafel möglicherweise vor Jahrhunderten von christlichen Kopten im Orient kreiert wurde? Wohl eher nicht, denn das waren wohl auch alles nur Barbaren.

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10 Gedanken zu „Die USA und die Barbaren

    • Sorry, war schon abeschickt…
      Auf die selbe Art und Weise wurden übrigens auch die europäischen Ureinwohner vor ca. 1.000 Jahren vernichtet und ihrer Kultur, Sprache, Tradition und Geschichte beraubt. Auch diese Völker wurden als „Barbaren“ – tierähnlich – dargestellt.
      Nur 500 Jahre später folgte der amerikanische Kontinent mit dem Vernichten hunderter Völker, die dort lebten.
      Die uralte Schriftsprache der europäischen Ureinwohner wird in der Zwischenzeit als faschistisch verteufelt und verboten.
      Die Christen erzählen uns eine Geschichte, die maximal 3.500 Jahre alt ist. Alles andere davor waren Barbaren, die mehr Tieren als Menschen ähnelten, ausgenommen einige wenige Zivilisationen vorher (die natürlich alle den selben Aufbau wie die heutigen „westlichen“ hatten) und als „Vorstufen“ zu der heutigen (westlichen, christlich dominierten) Zivilisation betrachtet werden sollen.
      Dabei haben die Völker dieser Erde bereits vor 15.000 Jahren erdumspannenden Handel miteinander betrieben – über ALLE Kontinente hinweg. Es war ALLGEMEINES WISSEN, dass unsere Erde eine Kugel im Weltraum ist.
      Das alles ist uns als Menschheit insgesamt geraubt worden, damit die auf dem jüdischen Glauben basierenden Religionen – und hier besonders die jüdische selbst und die christliche – die „Macht auf der Erde“ übernehmen konnten. Es ist eine Geschichte der Kriege, des Blutes, des Todes, des Raubs, der Vergewaltigung, kurz eine Geschichte des blanken Terrors!
      Ich finde, es ist nun mehr als genug!

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      • Ich finde Ihren Abriss ueber die Jahrtausende so mutig wie auch sehr verkuerzend. Ach, wenn nur alles so einfach waere! Verkuerzend meint hier freilich nicht, dass der Raum, in dem Sie Ihre Thesen unterbringen natuerlich nicht fuer eine komplexere Betrachtung ausreicht, sondern die Thesen in ihrer einseitigen Herleitung selbst. Fuer die ich spontan natuerlich viel Sympathie habe, vor allem was die Epoche seit der Entstehung und Verbreitung des jüdisch-christlichen Glaubens betrifft (immer wieder sei auch an Karlheinz Deschner erinnert!). „Spiral Dynamics“ (ohne Link, da es zu viele Eintraege dazu gibt und ich eigentlich keinen davon befriedigend finde) zeigt ein – fuer mich – hochinteressantes Entwicklungsmodell des menschlichen Bewusstseins, das verblueffende Erkenntnisse generieren kann, wenn man sich etwas – zunaechst vorzueglich vorurteilsfrei einlassend – mit ihm beschaeftigt. Bei aller Kritik natuerlich, da sich die Nutzung dieses Modells geradezu klassisch unter der Rubrik „Kapitalismus: systemkritisch>systemerhaltend“ subsumieren laesst. Das Modell selbst (nach Graves) ist wie gesagt hoechst bestechend.

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  1. Hervorragend! Sie sagen das, was zu sagen ist und stellen die Verknuepfungen der Dinge klar. Vielen Dank! (Sie sind ja wieder ganz der „Alte“ 🙂 )

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  2. @Ryes Carillo
    Ich muss verkürzend und vereinfachend sein, damit der Kern sichtbar wird, nämlich dass die heutige Entwicklung nicht neu, sondern alt ist und im Grunde eine logische Fortsetzung der Geschichte der letzten 6.000 Jahre darstellt.

    Mein Anliegen ist hier nicht, Lösungen zu präsentieren, sondern zum Denken aufzufordern.

    „Nur wer seine Geschichte mindestens 5.000 Jahre zurück kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.“ Goethe.

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  3. Es ging auch nicht um Loesungen. So sehr ich ja Ihre immer interessanten Beitraege schaetze, wie Sie wissen, kann ich das so nicht stehen lassen, denn Ihre Thesen locken – meiner bescheidenen Meinung nach – auf eine zu monokausale Faehrte und werden damit dem von Ihnen erweiterten Thema nicht gerecht. Ich sagte es bereits: Wenn alles nur so einfach waere!

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  4. Araber, die oft als Synonym für Muslime gelten, werden seit Jahrhunderten als wild und barbarisch dargestellt. Sogar im Film und Zeichentrick, wird dem Araber List, Temperament und eine Vorliebe für Kamele unterstellt.

    Bei den Arabern wächst nichts, und wo nichts ist, ist auch nichts im Kopf. Schwarz-weiß-Denken ist schließlich einfacher, als sich mit Themen differenziert auseinander zu setzen.

    Allahu Akbar, Sind Sie auch ein Bombenleger?

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  5. Pingback: Christenhass in Israel | Emran Feroz's Blog

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