Ein paranoider Kriegstreiber

Gestern hielt Israels Bibi Netanjahu eine einzigartige Ansprache vor der UN-Vollversammlung. Sie war einzigartig in ihrer Lächerlichkeit. Den Saal verlassen hat trotzdem niemand.

„Es ist meine Pflicht, die Wahrheit auszusprechen“, sagte Benjamin Netanjahu vor den Diplomaten aus aller Welt. Ob man darüber lachen soll oder nicht, ist eine andere Frage. Politiker nehmen es generell nicht so ernst mit der Wahrheit. Dass jedoch Radikale wie Netanjahu dieses Wort überhaupt in den Mund nehmen dürfen, ist schon eine Dreistigkeit an sich.

Dann kam es zum lächerlichen Höhepunkt der Rede. Bibi Netanjahu, wie er in Israel genannt wird, zog einen Pappkarton heraus, auf dem eine comicartige Bombe gedruckt war. Er nahm sich einen roten Edding zur Hand und malte einen roten Strich. Diese rote Linie ist Netanjahu zufolge ein klares Zeichen. Sie soll die Grenze für den Iran darstellen. In den nächsten Monaten werde der Iran diese Grenze überschreiten und hätte damit genug Uran für eine Atombombe angereichert.

Netanjahu hat hiermit nicht nur seine malerischen Fertigkeiten unter Beweis gestellt, sondern auch gezeigt, dass er sehr viel Fantasie besitzt. Fantasie, die mit der Wahrheit, von der er sprach, nicht das Geringste zu tun hat. Während Israel ein ganzes Arsenal voller Atomwaffen hat, ist Netanjahu der Meinung, dass der Iran die größte Gefahr für den Weltfrieden darstelle. Der Iran hat in der Vergangenheit immer wieder betont, dass er die Atomenergie nur für friedliche Zwecke benutzt und nicht danach strebt, eine Atombombe zu konstruieren. Aufgrund der gegenwärtigen Lage wird der Iran jedoch von den westlichen Staaten regelrecht dazu genötigt, eine eigene Bombe zu haben. Wenn man sich die permanente Kriegshetze gegen den Iran seitens Israel anschaut, braucht man sich nicht wundern, wenn sich die Iraner am Ende doch noch dazu entschließen, eine Atombombe zu bauen. Das Land ist zum jetzigen Zeitpunkt von US-Militärstützpunkten, die unter anderem in Staaten wie dem Irak, Saudi-Arabien, Afghanistan, Pakistan und der Türkei liegen, eingekreist.

Die Palästina-Frage war ein weiteres Thema, auf das Netanjahu folgendermaßen einging:“Wir werden unsere Konflikt nicht mit einseitigen Ausrufungen eines Staates lösen. Wir brauchen dazu einen gegenseitigen Kompromiss, in dem ein entmilitarisierter palästinensischer Staat den einzigen wahren jüdischen Staat anerkennt.“ Einfacher ausgedrückt: Man nimmt den Palästinensern alle Waffen weg, damit es das israelische Militär in Zukunft leichter hat, diese zu unterdrücken. Vor einigen Wochen kamen zahlreiche Berichte von israelischen Soldaten ans Licht. Berichte, die beweisen, dass Diskriminierung und Gewaltanwendung an palästinensischen Zivilisten, allen voran Kinder und Frauen, an der Tagesordnung der Armee stehen. Das interessiert „Bibi“ aber herzlich wenig.

Stattdessen präsentiert er der Welt seine Form der Wahrheit, indem er eine nichtssagende Skizze hervorbringt und den Iran mit „Al-Qaida“ vergleicht, also jener Gruppierung, die die USA und Israel gegenwärtig im Syrien-Krieg unterstützen. Nach all diesen Äußerungen hätte jeder klar denkende Mensch den Saal verlassen müssen, doch das war natürlich nicht der Fall. Die einzige Regierung, die gegenwärtig den „Weltfrieden“, der sowieso nicht existiert, gefährdet, ist die israelische. Sie unterdrückt das palästinensische Volk, indem sie das größte Gefängnis der Welt, den Gaza-Streifen, errichtet hat. Sie ist es, die den sogenannten Arabischen Frühling für sich ausnutzt und vor allem den Krieg in Syrien fördert. Sie ist es, die permanent den Iran bedroht und dazu noch im Besitz von zahlreichen Atombomben ist.

Im Falle eines Angriffs auf den Iran würde es zu einem schwerwiegenden Flächenbrand im Nahen Osten kommen. Man kann diesen Krieg dann auch den „Dritten Weltkrieg“ nennen, denn die USA werden sich auf der Seite Israels schlagen, während China und Russland mit den Iranern mitmischen werden. Die arabisch-absolutistischen Monarchien würden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden, da sie jahrelang die Politik der USA, Israels und des Westens im Allgemeinen unterstützt haben. Jenen Ländern, die sowieso schon verwüstet worden sind, wie der Irak und Afghanistan, würde ein neuer Krieg eindeutig zuviel werden.

Hauptsache, der paranoide Netanjahu weiß, wer der „Feind der Menschheit“ ist. Vorerst wird der Iran trotzdem nicht angegriffen. Netanjahu hat wohl eingesehen, dass er seine Kriegspläne für die Zeit nach dem US-Wahlkampf verschieben muss. Der brasilianische Karikaturist Carlos Latuff hatte auf Bibis Rede schnell die passende Antwort parat. Und wie sagt man so schön, ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

 

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9 Gedanken zu „Ein paranoider Kriegstreiber

  1. Pingback: Ein paranoider Kriegstreiber | Schnanky

    • Wahnsinn, Solveigh! Ich habe mir gerade alles angehört und bin einfach – positiv – platt. Um das mal so platt zu sagen. Ich muss das auch erst mal verarbeiten. Danke, dass Sie das eingestellt haben!

      Jetzt geht’s jedenfalls los: Ich werde mal sehen, was ich so alles über Ahmadinedschad zusammentragen kann via Lüders, Meyer, Todenhöfer, unseren Freund Emran usw. usw. und möchte an dieser Stelle Sie und alle anderen, die das lesen bitten, evtl. (bitte deutschsprachige!) Links zu Seiten einzustellen, die ohne ideologische/religiöse Scheuklappen egal in welche Richtung Wissenswertes über diesen Iraner bereitstellen können.

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      • Ein interessanter Artikel mit hoch interessanter Diskussion zu diesem Thema im Zusammenhang mit seiner Rede vor der UNO im vorigen Jahr. Im Text gibt es einen Link zu dieser (kompletten) Rede mit deutschen Untertiteln, die in den deutschen Medien ja zwar auch zerrissen, aber nicht gesendet wurde.
        Der Titel des Artikels:
        „Ist Iran der böse Bube oder sind Demokraten an sich nicht wirklich dialogbereit.“

        http://faszinationmensch.wordpress.com/2012/01/08/ist-iran-der-bose-bube-oder-sind-demokraten-an-sich-nicht-wirklich-dialogbereit/

        Ja, 169 Kommentar zu diesem Artikel sind viel aber sie lohnen sich, insbesondere, da sie sich vom Erscheinen des Artikels bis zum 20. September 2012 – ohne die neue Rede – erstrecken.

        Es geht zwar weniger um die Person Ahmadinedshads als um die Politik im Zusammenhang mit dem Iran (und den anderen arabischen Ländern), aber das tut dem Artikel m.E. keinen Abbruch.

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  2. Oh ja, Emran, das war wahrhaft ein denkwürdiger Auftritt gestern von diesem Mann! Das war Realsatire pur. Nur gab es leider nichts zu lachen angesichts des Umstandes, dass da der gefährlichste Kriegstreiber der Gegenwart sprach und für die Analphabeten im Saal Skizzen malte. Diese Bombe – wie aus der Comic-Welt der Panzerknacker – und der live gemalte rote Strich, das schuf ein solch derart bizarres Szenario, dass man kaum glauben konnte, was man da sah. Und plötzlich war es da! Das Bild davon, wie wahrscheinlich Kriege entstehen, welche komplexen Prozesse in den allermeisten Fällen der Entscheidungsfindung dem Waffengang vorausgehen: Da sitzen ältere Männer an großen, polierten Tischen zusammen, jeder ein Zeichenblatt vor sich und zwei Filzstifte in den Farben schwarz und rot… Na ja, und die, die sich am simpelsten nachzeichnen lässt gewinnt. Die hatte gestern Netanjahu dabei. Danke für den Artikel!

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