Zielscheibe Ahmadinejad

Es war wieder einmal so weit. Vor der UN-Vollversammlung hielt Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad seine vorerst letzte Rede. Schon im Vorhinein haben sich Politik und Medien vor Ahmadinejads Auftritt regelrecht gefürchtet. Dementsprechend fand auch wieder einmal eine mediale Hetzkampagne statt. Ein neuer Versuch, die Realität zu verdrehen.

Spiegel-Online und andere Medien haben schon im Vorfeld alles Mögliche über Ahmadinejad verbreitet. Dieser nutze die UN-Bühne jährlich, um seine Verschwörungstheorien zu verbreiten und um Israel und die USA zu beleidigen. Mittlerweile sei dies eine Art jährliche Prozedur geworden. Währenddessen protestiert in Manhatten die Gruppe „United Against Nuclear Iran“. Die Aktivisten haben ebenfalls ein Zimmer im Hotel „Warwick“ und laufen mit Anti-Ahmadinejad-Shirts herum. Ich frage mich, was los wäre, wenn es eine Gruppe namens „United Against Nuclear Israel“ gäbe, die mit Anti-Netanjahu-Shirts durch die Ney Yorker Main Street laufen würde.

In seiner Rede ging Ahmadinejad auf Israel ein, auf die „unzivilisierten Zionisten“, wie man auf zahlreichen Nachrichtenseiten schon lesen kann. Über diesen Ausdruck sind natürlich alle empört, allen voran der Westen. Diese „Unzivilisierten“ bedrohen sein Land, den Iran, sagte der Präsident. Warum sollte man sich darüber empören, wenn dies eine Tatsache ist? Ist es nach westlichen Maßstab „zivilisiert“, wenn ein Staat, der zahlreiche Atombomben in seinem Waffenarsenal hat, einen anderen Staat mit Krieg bedroht? Wohl gemerkt, bei diesem anderen Staat, sprich, beim Iran, wurde bis jetzt noch nicht einmal die Existenz einer einzigen Atombombe bewiesen.

Neben Gerechtigkeit, den negativen Zügen des Kapitalismus und der weltweiten Armut waren auch Menschenrechte ein Thema, worum es bei Ahmadinejads Rede ging. Dem werten Herrn Präsidenten kann ich in dieser Hinsicht nur eines empfehlen. Er sollte das Thema Menschenrechte beiseite lassen, denn solange im Iran Minderheiten wie Afghanen und Belutschen auf das Schärfste diskriminiert werden, sollte man weder die Rechte der Palästinenser, noch die irgendwelcher anderen Menschen verlangen. Des Weiteren bin ich mir nicht sicher, ob es professionell ist, vom Imam Mahdi vor einem multikonfessionellen Publikum zu sprechen.

Wie dem auch sei, die US-Delegation hatte schon vorher angekündigt, die Rede Ahmadinejads zu boykottieren. Kein Wunder, denn dieser beschwert sich immer über die imperialistische Politik der Vereinigten Staaten. So war es auch dieses Jahr und man muss sagen, dass dies auch zu Recht ist. Am Dienstag hielt Barack Obama seine Rede, währenddessen wurden erneut paschtunische Zivilisten an der afghanisch-pakistanischen Grenze durch Drohnen ermordet. Die Drohnenpolitik des Friedensnobelpreisträgers gerät immer mehr unter Kritik, auch seitens amerikanischer Experten. Das scheint ihn allerdings nicht zu interessieren. Stattdessen meinte Obama, dass sich in den „neuen Demokratien im Nahen Ostens“ die Meinungsfreiheit etablieren muss. Eine sehr lächerliche Ansage von jemandem, dessen Regierung Julian Assange über den ganzen Globus jagt.

Des Weiteren fügte Obama hinzu, dass der Angriff auf die amerikanische Botschaft in Benghazi ein Angriff auf die amerikanische Nation gewesen sei. Dass der Angriff von jenen durchgeführt wurde, die er selbst gemeinsam mit seinen Verbündeten unterstützt hat, hat er jedoch nicht erwähnt. Wäre ja auch peinlich. Wie lange soll das denn noch weitergehen, dass sich alle Staaten der Welt dem Diktat der USA zu unterwerfen haben? Vor allem kleine Staaten sind dadurch betroffen und eignen sich als Schachfiguren der Supermacht. Das ist aber nichts Neues.

Nichtsdestotrotz hat Ahmadinejad weder gehetzt, noch geflucht. Demnach gibt es dieses Mal auch nichts, was man absichtlich falsch übersetzen könnte, wie es in den vergangenen Jahren der Fall war. Es gibt aber noch etwas, was durch Ahmadinejads Rede jährlich zum Vorschein kommt. Und zwar die Doppelmoral der westlichen Politiker. Deutschlands Außenminister Westerwelle nahm an der Rede des iranischen Präsidenten ebenfalls aus Protest nicht teil. Ich denke nicht, dass er selbiges bei der kommenden Rede von Israels Premierminister Netanjahu machen wird. Der Emir von Qatar, Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani forderte eine Intervention der arabischen Staaten im Syrien-Krieg. Der Scheich, der als Tyrann in seinem Land absolutistisch regiert, wurde nicht boykottiert, da es sich um einen Verbündeten der USA und des Westens handelt.

Bei diesem Verbündeten, der gemeinsam mit Saudi-Arabien die Drecksarbeit des Westens in Syrien macht, steht niemand auf. Bei Benjamin Netanjahu, der permanent mit Krieg droht und noch nebenbei die Rechte der Palästinenser verletzt, steht ebenfalls niemand auf. Bei Barack Obama, dem Friedensnobelpreisträger, der per Unterschrift mordet, steht erst recht niemand auf. Demnach können wir nur einen Schluss ziehen: Die UN-Vollversammlung ist eine Ansammlung der heuchlerischen Polit-Elite dieser Welt, die absolut keinen Wert auf Frieden und Menschenrechte legt. Es geht letztendlich immer nur um die eigenen Interessen. Und diese sind zum jetzigen Zeitpunkt gegen den Iran gerichtet.

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5 Gedanken zu „Zielscheibe Ahmadinejad

  1. Des Weiteren fügte Obama hinzu, dass der Angriff auf die amerikanische Botschaft in Benghazi ein Angriff auf die amerikanische Nation gewesen sei.
    Und das geschah „rein zufällig“ am 11. September. Die USA Strategen müssen wirklich denken, die Menschen auf der Erde sind alle vollkommen verblödet.

    In der Zwischenzeit wird ziemlich unisono in den Medien und auch verschiedenen Blogs verkündet, der Iran denke angeblich über einen Präventivschlag gegen USA oder Israel nach – und hier haben wir die Antwort, warum diese Kriegsporpaganda so notwendig ist:

    http://marialourdesblog.com/washington-institute-fordert-anschlag-unter-falscher-flagge-um-krieg-mit-dem-iran-um-zu-beginnen/

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  2. Lieber Emran Feroz,

    ich möchte Ihnen wirklich nicht zu nahe treten, aber auch dieser Artikel kann mich nicht wirklich überzeugen. Gemessen an anderer Kost, die Sie Ihren Lesern schon geboten haben. Gemessen erst Recht an der Kost, die Ihnen Solveigh Calderin erst mit leidenschaftlicher Verve serviert hatte (wenn auch der Kontext etwas unglücklich war).

    Haben Sie Kreide gefressen? Ich vermisse Ihre Schärfe, das gnadenlose Aufdecken des Drecks, den chirurgischen Cut. Vielleicht ist die Vermutung ja richtig, dass Sie nunmehr für ein Publikum schreiben wollen, das erst sanft an die Wahrheiten herangeführt werden muss? Ihr Artikel über Herrn Broder ließ diese Vermutung ja entstehen. Hat Ihr Blog dieses Publikum überhaupt? Andererseits stellt sich natürlich immer auch die Frage, welchen Sinn und Mehrwert es generiere, wenn sich Blogger und LeserInnen in kuscheliger Einmütigkeit ständig streicheln und sich wechselseitig nur noch immer neu bestätigen, dass sie zur Elite der Oberdurchblicker gehören?

    Aber: Müssen es wirklich solche Plattitüden sein, wie, ich zitiere: „Wie lange soll das denn noch weitergehen, dass sich alle Staaten der Welt dem Diktat der USA zu unterwerfen haben? Vor allem kleine Staaten sind dadurch betroffen und eignen sich als Schachfiguren der Supermacht.“ Oder auch: „Die UN-Vollversammlung ist eine Ansammlung der heuchlerischen Polit-Elite dieser Welt, die absolut keinen Wert auf Frieden und Menschenrechte legt. Es geht letztendlich immer nur um die eigenen Interessen.“
    Da fühle ich mich, ehrlich gesagt, als Ihre Leserin irgendwie wie ins Basisseminar „Internationale Politik – erste Grundbegriffe linker Positionen“ versetzt.

    Natürlich, was hätten Sie angesichts des Themas so ganz anderes schreiben können? Vielleicht sind es auch nur diese Allgemeinplätze, die mich so verwirren? Immer wieder wichtig und lesenswert sind und bleiben aber Ihre intimen Kenntnisse den arabischen/islamischen Raum betreffend inklusive Ihrer konstanten Hinweise auf die Menschenrechtsverletzungen seitens des Iran an Afghanen und Belutschen – und eben nicht nur Oppositionelle betreffend, wie von westlicher Seite natürlich immer gerne suggeriert.

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    • Liebe Reyes Carrilo,

      erst einmal möchte ich mich bei Ihnen bedanken, dass Sie eine solch fleißige Leserin von mir sind.

      Dieser Artikel sollte viel mehr eine Art Zusammenfassung darstellen, denn der Inhalt ist nichts Neues. Ich habe ihn viel mehr aufgrund des Anlasses geschrieben, demnach gab es auch nicht den „chirurgischen Cut“, wie Sie es nennen.

      Sie haben richtig vermutet. In letzter Zeit haben sich jene Leser stark vermehrt, die Bildungslücken bezüglich gewisser Hintergründe aufweisen. Deshalb versuche ich auch, es für jene Leser klar darzustellen.

      Da Sie jedoch über diesen Durchblick verfügen, kann ich es verstehen, wenn der Artikel Sie nicht sehr anspricht. Ich freue mich dennoch, dass Sie ihn gelesen haben. Genauso sehr freue ich mich über Ihr Feedback.

      Ich hoffe, dass ich Sie weiterhin zu meiner Leserschaft lesen darf. Ich werde mich demnächst bemühen, auch Ihren Ansprüchen wieder gerecht zu werden.

      Grüße,
      EF

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      • Vielen Dank für Ihre freundliche Erwiderung, lieber Emran Feroz!

        So, wie Sie die Dinge erklären sind nun freilich die Nebel gelüftet, in die – in meiner Wahrnehmung – Ihre letzten Artikel gehüllt waren.

        Nachdem ich es vergleichsweise natürlich wesentlich wichtiger finde, dass vor allem auch Leser zu Ihnen finden, die mit Ihren Themen und deren Bearbeitung nicht so vertraut sind, als nur für die inzüchtige Hardcore-Fraktion zu schreiben, möchte ich Ihre Softcore-Versionen natürlich unterstützen!

        Ab und an ein scharfes Leckerli für die Genießer würzigerer Lektüre – und schon ist alles gut! 🙂 Denn das können Sie ja wunderbar!

        Abschließend hoffe ich, mit meiner Kritik nicht den Eindruck hinterlassen zu haben, ich würde mich zu irgendeiner Spezies von besonders begabten Durchblickern zählen. Die Linke (in generalisierender Sicht) ist ja bekanntlich voll von solchen wundersamen Tausendsassas).

        Ich lese wirklich sehr gerne in Ihrem Blog, da es durch Ihre Wissensschwerpunkte für mich sehr interessant ist, Sie im Großen und Ganzen meine Überzeugungen widerspiegeln – und auch ganz einfach deshalb, weil Sie gut schreiben können.

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  3. Um ehrlich zu sein, denken die wirklich sie seien intelligent.
    Ok, die Intelligenz stelle ich außer Frage, aber klug ist nur wer vernünftig umgeht, alles andere ist unmenschlich, unmoralisch und ziemlich dumm und oft ziemlich bescheuert!
    Aber vor der Justiz gilt: Unwissenheit schützt nicht, und auch Politiker sind nur Menschen!

    Wenigstens 80% der Weltbevölkerung ist es vollkommen egal was diese Extrem-Eliten noch so alles anstellen und machen. Nur spätestens bei den nächsten Kriegen, sollten alle darauf aufpassen, dass sie nicht ihren eigenen Waffen und deren Zerstörungspotential begegnen.

    Aber um ehrlich zu sein, verhalten sich viele noch wie zu Zeiten des Dritten Reiches bzw. des kalten Krieges. Denn solange die Mauern und Blockaden, als auch die Ideologien, nicht aus deren Köpfen verschwinden, so lange wird man uns alle als Bauernopfer betrachten, und selbst der hiesigen Regierung ist es offensichtlich egal, was sie den arbeitenden Menschen antut, die tagtäglich deren Handeln finanzieren und für diese ungehobelten Menschen täglich mit ihrem eigenen Leben gerade stehen.

    Jeden Tag sehe ich nur an sich ängstliche Leute in den Nachrichten, die entweder sehr unsicher sind, Angst davor haben, dass man sie entlarvt, oder Angst davor haben, dass sie ihre Position durch Maulwürfe aus ihren eigenen Reihen verlieren, weil sie sich sogar gegenseitig ans Bein pinkeln.

    Das Ganze hat für mich nichts mehr mit Mensch sein zu tun. Denn ein Mensch nutzt seinen Verstand und ist aufrichtig, transparent und ehrlich, weil er nichts zu verstecken braucht. Würde man diese als Tiere bezeichnen, so wäre der Collateralschaden, also diejenigen die sich wie Tiere benehmen, nur ein harmloser Sachschaden, der ein bisschen Geld kostet und oft sehr grotesk und pervers wirkt.
    Außerdem sind wir in allen digitalen Vorgängen sowieso schon unter totaler staatlicher Kontrolle dank der Implementierung von bewussten Hintertürchen durch die NSA (siehe Echelon) oder jeder Firewall bzw. jedem Virenscanner, jeder Location-App, … (unendliche Liste).
    Da stellt sogar der Bundestrojaner eine willkommene Abwechslung dar 😉 ich hab den sogar mal mit Freunden ausgehebelt und gegen die Anwender zum „Hello World!“ schreiben genutzt. Nur denke ich, dass dies nur sehr ungerne gesagt wird. Ich bin zwar kein Hacker, aber Physikingenieur und handle nur nach dem elementarsten Grundgesetz der Physik: actio = reactio !!

    Wer denkt er hätte noch Privatsphäre auf dieser Welt, befindet sich dann ausnahmsweise im Urwald und wurde noch nicht entdeckt.
    Manchmal beneide ich Nomaden und urvöler sehr. Aber den Spaß hier darf ich mir dennoch nicht entgehen lassen, denn man braucht mal Abwechslung im Leben 🙂

    Und wer denkt, dass junge Akademiker viel verdienen, der irrt sich bei Weitem! Außer man hat viel Erfahrung und kennt sich mit den meisten Tricks und legalen, aber selten legitimen, Vorgängen in dieser Gesellschaft aus.

    Nun denn … wir werden Sehen wer der nächste gefallene im Regierungsstab wird, und wer denjenigen angeschwärzt hat, um ihn zu stürzen.
    Auch die Medien sind heute fast nur noch ganz lustige Klatsch und Tratschblätter, gerade weil ich schon seit 19 Jahren dadurch immer wieder aufgebaut werde. Sarkasmus und Zynismus, gepaart mit makaberen inhalten ist eine Lebensaufgabe, die man selten verliert 😉 Außer man ist lieb zu einem 😉

    LG NeoCortex

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