Pro-Broder oder Antisemit

Spiegel-Kolumnist Jakob Augstein machte mit seinem Artikel zu den jüngsten Protesten in der islamischen Welt auf sich aufmerksam. Vor allem eine Person schenkte ihm sehr viel Aufmerksamkeit, nämlich Henryk M. Broder, seines Zeichens Publizist und Autor. Er ließ sich über seinen Blog verbal über Augstein aus und bewies wieder einmal, wie gerne er mit der Antisemitismus-Keule schwingt.

Die Nörgeleien Broders ist man schon aus der Vergangenheit gewohnt. Sei es in Talk-Shows oder im Internet, der paranoide Herr Broder wittert immer und überall Antisemitismus. Um auch genug Aufmerksamkeit zu bekommen, macht er auch gerne vor vulgärer Sprache nicht halt. Auch dieses Mal ist dies der Fall. Auf Broders Blog konnte man lesen, wie er Augstein als „antisemitische Drecksschleuder“ bezeichnet. Außerdem vermutet er, dass Augstein eine gute Karriere unter den Nazis gemacht hätte, wenn er nicht später auf die Welt gekommen wäre.

Nun fragt man sich, was genau an Augsteins Aussage antisemitisch war. In seinem Artikel erwähnte er unter anderem, dass aus den gegenwärtigen Unruhen hauptsächlich die Republikaner und die israelische Regierung einen Vorteil für sich ziehen können. Des Weiteren behauptete er, dass die wütenden Demonstranten, die man immer in den Nachrichten sieht, nur Opfer seien. Das einzelne Gewalttäter an sich keine Opfer sein können, kann man nicht bestreiten. Das Antisemitische für Broder war jedoch, dass man sich hier die USA und Israel als Täter heraus suchte. Es liegt auf der Hand, dass durch die gegenwärtigen Proteste und durch die Fokussierung der Medien geschickt vom Syrien-Krieg, aber auch vom Afghanistan-Krieg abgelenkt wird. Der Israel-Iran-Thematik wird ebenfalls zum jetzigen Zeitpunkt nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Wer davon seine Vorteile zieht, sollte wohl klar sein.

Broder wird wohl weiter toben und polarisieren. So wie er es in der Vergangenheit schon oftmals getan hat. Immerhin ist er derjenige, der Antisemitismus mit Antizionismus gleichstellt und damit jene beschimpft, die sich für die Rechte der Palästinenser einsetzen. Er ist derjenige, der sich auch schon einen Kampf vor Gericht mit Evelyn Hecht-Galinski geliefert hat. Für Broder ist auch sie, die Tochter des ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, nichts weiter als eine Antisemitin, eine „selbsthassende Jüdin“.

Man darf auch nicht vergessen, dass Broder einer derjenigen war, der die mediale Hetzkampagne gegen Günter Grass und dessen Gedicht angeführt hat. Ihn bezeichnete er unter anderem als „nicht ganz dicht“ und als „modernen Antisemiten“.

Broder beschwert sich über so ziemlich alles. Nur nicht über die Politik Israels und über andere Themen, die eigentlich von Belang sein sollten. Über die deutschen U-Boote, die Israel als Geschenk erhielt, hat er sich zum Beispiel nie aufgeregt. Auch nicht über die gegenwärtigen Kriege, die von den westlichen Staaten hier und da geführt werden. Stattdessen bezeichnet er andere Personen als heuchlerisch oder doppelmoralisch. Und nicht zu vergessen sind eine Milliarde Muslime, über die er sich auch ständig aufregt. In seinem Buch „Hurra, wir kapitulieren!“ schreibt Broder, dass diese „chronisch zum Beleidigtsein und zu unvorhersehbaren Reaktionen neigen“.

Was Broder da seit Jahren betreibt, ist im Grunde genommen ein gefährliches und sehr provokantes Spiel. Das Wort „Antisemit“ wird von Broder nicht nur zu oft verwendet. Nein, er gebraucht es auch für nahezu jeden, der nicht seiner Meinung ist. Er bestimmt nahezu schon, wer ein Antisemit ist und wer nicht. Personen wie Broder meinen, dass sie manche Wörter für sich in Anspruch nehmen und deren Bedeutung verdrehen können. Das Gleiche gilt übrigens für den Begriff „Holocaust“, der im Laufe der Geschichte schon hundertfach missbraucht wurde, um die eigenen Interessen umzusetzen. Interessen, die im Grunde genommen nichts mit den Opfern des Holocausts zu tun haben.

Genaueres dazu schrieb Norman Finkelstein in seinem Buch „Die Holocaust-Industrie“. Als Folge darauf wird er bis heute als „selbsthassender Jude“ und als „verrückt“ bezeichnet. Abgesehen davon hat er seine Stelle an der DePaul University verloren und ihm ist es nicht mehr gestattet nach Israel zu reisen. Dass er einen Großteil seiner Familie während des Holocausts verlor, interessierte auch niemanden mehr. Am wenigsten den Herrschaften in Israel.

Finkelstein und anderen passiert so etwas, weil es Menschen gibt wie Broder. Menschen, die auf allem herum treten, was ihnen nicht in den Kragen passt. In seinem neuesten Artikel vergleicht Broder die Demonstranten aus der islamischen Welt mit Kleinkindern, die auf sich aufmerksam machen wollen und unerzogen sind. Broder vergisst allerdings, dass kleine Kinder auch gerne meckern, nörgeln und nicht wissen, wie sie sich auszudrücken haben.

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16 Gedanken zu „Pro-Broder oder Antisemit

  1. Kritik von Menschen, die nicht zur Selbstkritik fähig sind, nehme ich nicht ernst und halte es für intellektuell unredlich. Herr Broder mag sehr intelligent sein, aber ich vermisse die Vernunft. Ich werde nie aufhören Menschen zu kritisieren, die sich einbilden etwas besseres zu sein, ohne es zu sein. Wer sich selber unbeliebt macht, darf sich nicht wundern, wenn er nicht geliebt wird und man es ihm auch sagt.

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  2. Um Himmels Willen, welche Bühne gönnen Sie Herrn Broder durch Ihren Artikel!?! Sich mit Herrn Broder überhaupt auseinanderzusetzen, finde ich schon ein ungeheuerliches Unterfangen und es vermittelt das beunruhigende Gefühl, dass Sie sich augenscheinlich tatsächlich mit dem gestörten Weltbild dieses armen Mannes beschäftigen. Mehr noch: Sie heben die Person Broder und seine Thesen auf eine diskussionsfähige Ebene. Ich kann das in keiner Weise nachvollziehen. Und ich meine das keineswegs undemokratisch à la ‚als Demokrat müsse man doch mit jedem oder zumindest über jeden reden können müssen‘. Klares Nein! Es gibt nun einmal im Privaten wie im Öffentlichen und Politischen Menschen, mit denen man einfach nicht reden kann bzw. auch nicht über sie reden sollte. Weil es entweder keinen Mehrwert hat, nach hinten losgeht, es sich um jemanden Kranken oder anderweitig zu Schützenden usw. usw. handelt. Oder einfach auch nur aus hygienischen Gründen.

    Sie müssen doch wissen, dass vor allem Herr Broder in seinem unendlichen Narzissmus solche Artikel wie den Ihren mit größtem Lustgewinn goutiert und Sie ihm damit garantiert eine große Freude gemacht haben. Für einen solchen Narzissten ist allein Nichtbeachtung die Höchststrafe, aber jede noch so heftige Kritik ein Labsal. Broder gehört nun einmal zu jener Spezies, die erst aus der in der Psychologie so genannten „negativen Zuwendung“ Lebensqualität und Selbstbewusstsein, also seine Identität schöpft. Jede Abarbeitung und vernichtende Kritik mehr lässt Herrn Broders Brust noch breiter anschwellen und bleibt schließlich als Bestätigung seines Weltbildes in ihm hängen. Muss man das wirklich unterstützen?

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  3. Wann werde ich endlich in einer intelligenten Welt (IQ > 200) leben ohne diesen jahrtausendealten messianisch-beschnitten-traumatisierten Terror überall, d.h. ohne diesen jüdisch-christlich-muslimisch-kapitalistisch-kommunistisch-faschistisch-nationalsozialistisch-hypersozial-hypermedialen Schwachsinn überall?

    Durchbrecht endlich diesen jahrtausendealten Teufelskreis und seid nicht mehr die Sklaven dieser dummen „jüdischen Tradition“ („Juden“ > „Christen“ > „Marxisten“ > „Nazis“ etc. …).

    Darum hatte Nietzsche recht mit seiner „Verjüdelung und Pöbelisierung“ überall – kein einziger selbstsicherer und stolzer Mensch weltweit…

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    • kein einziger selbstsicherer und stolzer Mensch weltweit…
      Wie kommst Du zu dieser verallgemeinernden und alle Menschen auf unserer Erde (dich natürlich ausgenommen!) diffamierenden Aussage?
      Ist das nicht genau das alle andere ausschließende Verhalten, das Du hier so vollmundig anprangerst?
      Armselig!

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  4. Reyes Carrillo, wenn solche Persönlichkeiten durch hießige Medienlandschaft als gern gesehener Gast eingeladen werden und dessen Wort scheinbar gewichtig erscheint, muss man indem Fall Gegenreagieren. Er ist ein Hetzer und nutzt die gunst des Rampenlichts um seine Ideologie an die Massen zu verbreiten. Ich als Deutscher mit Migrationshintergrund schäme mich dafür, dass man ihn so viel aufmerksam schenkt und wir uns immer noch für das Verbrechen des dritten Reiches von solchen Geister vorwerfen lassen müssen, der mit seiner gezielten Hasss derzeit nichts anderes macht.
    Daher finde ich Emrans Artikel sehr gut und unterstütze sein Engagement für sein Gegenwehr.

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    • Ich verstehe deine Meinung dazu völlig! Dieser Meinung war ich früher, vor vielleicht zehn Jahren auch. Inzwischen ist Broder ideologisch auf so unterirdischer Ebene angekommen, dass ich ihm ohne zu Zögern einen Wahn von klinischer Dimension attestiere. So jemanden KANN man nicht ernst nehmen und sich mit ihm auseinandersetzen, so als wäre er ein Gegner auf gleicher Augenhöhe.

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  5. Diese Tatsache ist sowohl mir bekannt als auch Ihnen Reyes Carrillo, dass der Mann einen leichten hang zu Übertreibung und Respektlosigkeit gegenüber bestimmte Gruppen und Personen an den Tag legt.
    Nur muss einem auch klar sein, dass sehr viele Zuschauer mit der Thematik nicht vertraut sind, um seine Absichten zu erkennen, wodurch diese zum Opfer seiner Ideologie werden.

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    • Damit haben Sie natürlich schon Recht. Dass Herrn Broder immer wieder Bühnen in irgendwelchen Talkshows gebaut werden, auf denen er seine roten Talkshowschuhe in die Kameras halten und seinen Pathologien frönen kann, finde ich unglaublich, aber andererseits geradezu konsequent in diesem Land. Aber ob sich ausgerechnet auf Emran Feroz‘ Blog so viele Unaufgeklärte herumtreiben, die über Broder aufzuklären notwendig wäre, ist ja die andere Frage. Wir haben diesbezüglich nun einmal unterschiedliche Auffassungen. Was ja nun wirklich nicht schlimm ist, so lange wir uns über Broder einig sind. Und das sind wir ja.

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  6. Nachtrag:

    Sie schreiben: „…, dass der Mann (Broder) einen leichten hang zu Übertreibung und Respektlosigkeit gegenüber bestimmte Gruppen und Personen an den Tag legt.“

    Diesen krass verharmlosenden Satz haben Sie bestimmt mit einem satirischen Augenzwinkern und dem berühmten Schalk im Nacken geschrieben, nicht wahr? So betrachtet ist er fast ein Schenkelklopfer.

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  7. Jeder Körper, der den Mund aufmacht und sagt, es gebe so etwas wie „wir Juden“, ist wohl ein Dummkopf. Denn: es gibt zunächst einmal nur individuelle Körper − von denen die meisten zwar vielleicht sprechen, aber darüber hinaus wohl nicht einmal denken können…

    „Ich habe schon genug mit meinem Menschsein zu tun. Warum muss ich denn auch noch Franzose und Calvinist (etc.) sein?“ (Michel de Montaigne). Wenn also jemand behauptet,
    er sei „Jude“ oder „Deutscher“ (etc.), so ist er letztlich „selber schuld“ (Immanuel Kant, 18.Jh.) − oder noch schlimmer: hat einfach den Montaigne (16.Jh.) nicht gelesen…

    Tja, überall nur noch jüdische „Meme“, die mir meine Welt versauen (=> Christen => Protestanten => Kapitalisten => Kommunisten-Marxisten => Nazis => jüd. Hollywood => …) — und keiner merkt was, weil sie alle schon fest im Griff „jüdischer Meme“ (PI) sind!

    PS: „Verjüdelung“ stammt nicht von mir — das war ein Zitat!

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  8. Das erfolgreichste Mem („Ideologie“) aller Zeiten war vermutlich die „jüdische Kultur“, denn von ihr hängen alle modernen Kulturen ab: Christen, Muslime, Protestanten, Kapitalisten, Kommunisten, Marxisten, Faschisten, Nazis, Hollywood, etc. etc. — und keiner merkt, dass er ein Sklave dieser 2000jährigen dummen jüdischen Tradition ist, weil alle „Menschen“ schon fest in diesem Griff „jüdischer Meme“ (political correctness) stecken! (Sogar das Wort „Mem“ wurde vermutlich von einem Juden erfunden!)

    Darum:
    Durchbrecht endlich diesen jahrtausendealten Teufelskreis und seid nicht mehr die Sklaven dieser dummen „jüdischen Tradition“ („Juden“ > „Christen“ > „Marxisten“ > „Nazis“ etc. …).

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  9. Der erste „Mensch“, der eine willkürliche Grenze zwischen den Menschen gezogen hat („ich Jude — Du Muslim!“), hat ein noch schlimmeres Verbrechen begangen als jener Rousseausche „Mensch“, der zum Zwecke seines Landbesitzes einen Pflock in den Erdboden gerammt hat…

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  10. Mit der Verschriftlichung von Religion („Schriftreligion“, „Schriftgläubigkeit“) und dem Ende jeglicher Dialoge und Dialektik (und Gedächtnisse…) fing wohl der ganze Blödsinn an… (also spätestens mit den „Juden“ => „Christen“ => „Muslime“ => „Protestanten“ => „Kapitalisten“ => „Kommunisten-Marxisten“ => Nazis („Mein Kampf“) => etc etc etc.)
    Und:
    Glaubt ihr wirklich, Broder sei der End- und Höhepunkt jeglicher deutscher (!) Satire?
    Da habt ihr euch aber gewaltig geirrt — und Broder auch.

    Denn: die WIRKLICHE Satire hat schon längst begonnen (Apocalypse2012) — und zur Zeit bin ich perfekt im Zeitplan….

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  11. Pingback: Hier Antisemitismus, dort Antisemitismus | Emran Feroz's Blog

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