100 000 Dollar für den Kopf des Filmemachers

Pakistans Eisenbahnminister Ghulam Ahmad Bilour setzte ein Kopfgeld in Höhe von 100 000 Dollar auf den Kopf von Nakoula Basseley Nakoula, jenem koptischen Christen, der in den USA den Anti-Islam-Film produzierte. Damit zeigt Pakistan wieder einmal, wie sehr es Extremisten und anderen Personen, die daraus ihren Nutzen ziehen könnten, in die Hände spielt.

Während in Pakistan in den vergangenen Tagen die Proteste gegen den Film eskalierten und mehrere Menschen dabei ums Leben kamen, will ein pakistanischer Politiker auf sich aufmerksam machen, indem er die Lage noch mehr aus dem Ruder laufen lässt. Außerdem rief der Mann die Taliban und jene Gruppierung namens „Al-Qaida“ auf, diese „Mission“ zu unterstützen. Jene Gruppen, die vor allem in Afghanistan ihren Terror verbreiten, sollen wieder einmal für einen der besten Verbündeten der USA tätig werden.

Pakistans Regierung hat sich von Bilour distanziert, doch im Grunde genommen kann sie das gar nicht. Der Mann ist Mitglied der pakistanischen Regierung und diese muss demnach dafür gerade stehen. Deshalb müsste er mit sofortiger Wirkung von seinem Amt enthoben werden, doch so etwas wird nicht passieren. Abgesehen davon hat Bilour auch das Ansehen seiner Partei, der hauptsächlich paschtunischen Awami National Party (ANP) beschmutzt und damit anti-paschtunischen Kräften in die Hände gespielt. Bilour selbst ist kein ethnischer Paschtune.

Während die paschtunische Minderheit in Pakistan seit Jahren unterdrückt wird, sei es von der Regierung oder von ISI-Handlangern wie den Taliban, will sich dieser Mann ins Rampenlicht rücken, indem er vorgibt, den Kopf des Filmemachers zu wollen. Ghulam Ahmad Bilour ist kein Einzelfall in Pakistans Regierung. Während Politiker immer wieder harte Strafen für Blasphemie verlangen und sich als „streng islamisch“ verkaufen wollen, unterdrücken sie andere muslimische Minderheiten im Land und fördern teilweise den Krieg in Afghanistan.

In Karatschi, der gefährlichsten Stadt der Welt, spielten sich in den letzten Tagen die meisten Krawalle ab. Dort herrscht schon seit einigen Jahren eine Art Bandenkrieg zwischen den Anhängern der schon erwähnten Awami National Party und jenen der Muttahida Qaumi Movement (MQM). Die Anhänger der MQM sind größenteils Nachfahren indischer Migranten. Solche Gruppierungen lassen sich leicht von derartigen Äußerungen beeinflussen und nutzen sie aus, um ihre eigenen Interessen mit Gewalt umzusetzen. Mich würde es nicht wundern, wenn schon in den vergangenen Tagen die Proteste gegen den Film dafür ausgenutzt wurden. Die pakistanische Regierung sieht wie gewohnt zu und unternimmt nichts dagegen.

Abgesehen davon gibt es Gerüchte, die besagen, dass Bilour Besitzer mehrerer Kinos in Peschawar sei. Einige davon wurden in den letzten Tagen in Brand gesteckt. Angeblich befand sich unter diesen auch ein „Porno-Kino“. Dieser Verlust ließ hat wohl das Fass des „strenggläubigen“ Ministers zum überlaufen gebracht.

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