Menschen bei Maischberger – Schon wieder

Zum dritten Mal schreibe ich nun über eine „Islam-Runde“, die bei Sandra Maischberger im ARD stattfand. Dieses Mal war es zwar ein wenig erholsam, dass kein „islamophober Möchtegern-Islam-Kenner“, wie es oft in der Vergangenheit der Fall war, anwesend war, trotzdem konnte man mehr als eine Stunde lang den Kopf schütteln und sich wundern, warum die gleichen Personen immer wieder über das gleiche Thema diskutieren und am Ende zu keinem Schluss kommen. Wie erwartet ging es diesmal um den Anti-Islam-Film „Innocence of Muslims“, der weltweit Proteste ausgelöst hat.

                           

Der allseits bekannte Nahost-Experte Peter Scholl-Latour bewies wieder einmal, dass er in solchen Diskussionen der Einzige ist, der den Islam und die Kultur der islamischen Länder wirklich kennt. Scholl-Latour schmiss die Fakten auf den Tisch und nannte die wahren Probleme beim Namen. Das passte so einigen in der Runde nicht, einschließlich der Moderatorin. Er betonte außerdem, wie ich schon in meinem vorherigen Artikel erwähnt hatte, dass die Muslime gegen eine Beleidigung Jesus‘ oder Moses‘ auf die gleiche Art und Weise protestiert hätten. Die Menschen im Westen müssten endlich verstehen, dass der Orient ein komplett anderes Verhältnis zur Religion hat. Diese religiösen Gefühle müssen respektiert werden. Er selbst sieht sich nicht als äußerst frommer Katholik und solange „nur“ der Papst von den Medien lächerlich gemacht wird, hat er kein Probleme. Die Zusammenarbeit Deutschlands mit dem wahhabitischen Saudi-Arabien kritisierte Scholl-Latour zurecht.

Die Feministin Alice Schwarzer gab das übliche Gerede von sich und meinte ausdrücklich, dass sie sich nicht mit dem Islam beschäftige, sondern „nur mit dem Islamismus“, sprich, mit dem politischen Islam. Frau Schwarzer hat auch dieses Mal bewiesen, dass sie keinerlei Ahnung von der Materie hat und dazu neigt, sich wichtig zu machen, indem sie immer wieder über die Rolle der Frau im Islam spricht. Abgesehen davon ist sie der Meinung, dass die meisten islamischen Verbände in Deutschland ohnehin schon „islamistisch geprägt“ seien. Damit trägt sie wieder einmal absolut nichts zu einem Dialog bei.

Der „Ex-Islamist“, so nennt ihn das ARD, Barino Barsoum war vor einigen Jahren noch ein „radikaler Muslim“, also einer, den die Medien als „Salafisten“ bezeichnen. Nach einigen Minuten hat man schnell erkennt, dass Herr Barsoum zwar die Seiten gewechselt hat, doch trotzdem immer noch radikal geblieben ist. Anstatt handfeste Argumente zu liefern, zitiert Barsoum verschiedene Hadithe und Koran-Verse, die angeblich Gewalt rechtfertigen sollen. Außerdem hat er bei seinen ehemaligen Glaubensbrüdern wohl nicht einmal gelernt, was das Wort „Dschihad“ bedeutet.

Die zum Islam konvertierte Khola Maryam Hübsch, die schon bei der letzten „Maischberger-Islam-Runde“ zu Gast war, trat dieses Mal wesentlich schlagfertiger auf. Vielleicht kam das einem auch nur so vor, weil kein islamophober Hetzer wie Matthias Matussek oder Udo Ulfkotte anwesend war. Hübsch meinte, dass jeder gläubige Muslim sich durch „Innocence of Muslims“ beleidigt fühle. Abgesehen davon schüre der Film nur Hass und Gewalt, wie man ja gegenwärtig sehen kann. Zuvor meinte schon Scholl-Latour, dass der koptische Filmmacher mehr als nur unverantwortlich gehandelt hat, denn mit seinem Film gefährde er das Leben der Kopten in Ägypten.

Tarek Al-Wazir, Fraktionsvorsitzender der Grünen, war der Meinung, dass der Film rechten Gruppierungen (persönliche Anmerkung: wie Pro NRW), die er nicht beim Namen nennen wolle, gewissermaßen in die Hände spiele. Diese warten regelrecht auf solche Demonstrationen und Gewaltausbrüche, um die Situation für sich auszunutzen. In diesem Fall wollen sie den radikal-christlichen US-Hassprediger Terry Jones nach Deutschland einladen. Dieses Vorhaben wird aber wahrscheinlich scheitern, da die deutschen Behörden endlich mal beschlossen haben, auch gegen die Art von Hasspredigern vorzugehen. Außerdem meinte Al-Wazir, dass der Arabische Frühling damals von jungen Leuten, die möglicherweise rationale und westliche Ideale anstreben, ausging. Allerding vergaß er zu erwähnen, dass dieser Arabische Frühling in ein „Arabisches Chaos“ umschlug und schnell von anderen Mächten instrumentalsiert wurde, um Profit daraus zu ziehen.

Uwe Schünemann, CDU-Mitglied und Niedersachsens Innenminister meinte, dass dem niveaulosen Film viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt werde. Dann wechselte er indirekt das Thema und fing an von „islamistischen Terrorismus“ zu sprechen. Schünemann meinte, dass dieser Terror stets eine Gefahr darstelle und Deutschland gefährde. Als Scholl-Latour ihm sagte, dass dies eine Übertreibung sei, stellte sich Schünemann taub. Anstatt permanent islamische Vereine zu überwachen, sollten sich Politiker wie Schünemann lieber auf rechtsextreme Umtriebe konzentrieren und endlich einmal zugeben, dass die deutschen Behörden und der Verfassungsschutz in dieser Hinsicht auf ganzer Linie versagt haben.

Im Großen und Ganzen brachte die Sendung wahrscheinlich wieder einmal hervorragende Einschaltquoten. Es ist immer das gleiche Theater und eigentlich will man gar nicht einschalten, denn es wird immer unerträglicher. Am Ende sitzt man dann trotzdem vor dem Fernseher. Immer wieder wurde gesagt, dass die Demonstranten und Gewalttäter nur ein kleiner Teil der islamischen Welt sind. Tatsächlich sind es nur zwei Prozent der muslimischen Gesellschaft. Zahlen lügen eben nie, daran kann auch Sandra Maischberger nichts ändern.

Das dürfte ihr aber sowieso ziemlich egal sein. Hauptsache die Leute haben eingeschaltet. Wen interessieren dann schon Zahlen und Fakten?

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11 Gedanken zu „Menschen bei Maischberger – Schon wieder

    • alice schwarzer kommt anfangs noch versöhnlich daher, redet davon, dass muslime ja auch respektvoll behandelt werden müssten, dann später redet sie der milli görüs die radikalisierung und abkehr von integration und sogar bei der ditib sieht sie diese tendenz. diese frau ist wirklich, wirklich gefährlich. sie schadet dem gesellschaftlichen frieden.

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  1. Am meisten hat mich Herr Barino Barsoum erstaunt.

    Man kann nicht davon ausgehen, dass er eine schwere Kindheit mit Misshandlungen durch seine Eltern hatte (oder?).
    Er ist hier zur Schule gegangen, er studiert und ist auf dem ersten Blick nicht geistesgestört.

    Und so einer wird mal für ein Paar Jahre „Moslem“.
    In dieser „Moschee“ lernt er : „die vier sunnitischen Rechtsschulen sind sich darin einig, dass Gewalt ein legitimes Mittel zur Durchsetzung bestimmter Ziele ist“.

    Hm, also da lehrt mir jemand, dass ich schlagen und töten darf um ein Ziel zu erreichen und dies einhellige Meinung aller (zumindest sunnitischer) Muslime sei.

    Als einigermaßen normal tickender Mensch würde ich so etwas ungeheuerlich finden und mir die Mühe machen, ob es denn tatsächlich so ist.
    Es wäre nun wohl wirklich nicht schwer gewesen in eine andere Moschee reinzulaufen und zu fragen, ob das denn so richtig ist.
    Ein bißchen -oberflächliche- Recherche im Internet hätte da auch für Klärung oder zumindest Zweifeln sorgen können -wenn denn der Wille da gewesen wäre-.

    Und nun -nach seiner kleinen muslimischen Eskapade- ist er wieder ein gläubiger und geläuterter Christ.
    Er tingelt von Talkshow zur Talkshow und erzählt das, was er in seiner Sekte gelernt hat, ist der Islam schlechthin.

    (Hoffe man hat seine Akten schon im Voraus gut geschreddert)

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  2. wir wollen christen unter christen sein moslems sollen unter moslems bleiben (ohne christliche/westliche Produkte und Konsumgüter
    eure islamvertreter sind unverschämt..was sagte diese Hübsch der islam sei der beste weg aller religionen..danach ist die schwarz erst emotional geworden..verständlich aber moslems sehen nur sich und sehen

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    • sammle erst mal deine gedanken und dann versuche doch bitte bitte die dinge nicht aus dem kontext zu reißen und zu verdrehen. frau hübsch hat nie etwas davon gesagt, dass der islam der beste weg aller religionen sei. übrigens spricht deine eingangs gemacht aussage nicht unbedingt für deine weltoffenheit.

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  3. Zunächst einmal: außer für Theologen und eine bestimmte Art von „Gläubigen“ macht es ebenso wenig Sinn von „dem“ Islam zu sprechen, wie von „dem“ Christentum, Hinduismus oder was auch immer. Wenn man in den religiösen Quellen (im Fall des Islams z.B. dem Koran, den Hadithen etc.) stöbert, wird man für alle möglichen Auffassungen Begründungen finden. Relevanter scheint mir die Frage, wer wann diese Quellen für welche persönlichen und vorallem gesellschaftlichen Interessengenutzt hat und nutzt. Das, was uns historisch als „Islam“, „Christentum“ etc. entgegentritt, ist im Wesentlichen eine Widerspiegelung des Entwicklungsstandes der verschiedenen Teile der Gesellschaften, in denen diese Religionen jeweils präsent sind. Wenn z.B. in Westafrika der Islam traditionell eher „gemäßigt“ bzw. „verinnerlicht“ in Sufi-Orden organisiert auftritt und so auch nach wie vor vorherrschend ist, wir heute aber den Eindruck gewinnen, er sei dort von jihadistischen Salafisten geprägt, dann hat das zum Einen mit der Konzentration der internationalen Medien auf Gewalttaten zu tun, die ja auch eine viel größere Auswirkung auf die wirtschaftlichen und politischen Interessen interessierter Kreise im Wesen haben, zum Anderen aber mit den sozioökonomischen (und folglich politischen) Entwicklungen der betroffenen afrikanischen Gesellschaften/Staaten in den letzten 10-20 Jahren. Ähnliche Spielarten von kriminellen Aktivitäten bewaffneter Banden findet man in anderen Teilen Afrikas auch ohne islamische Begründung (z.B. die „christlich-fundamentalistische“ LRA aus Uganda, die Aktivitäten von „Rebellenarmeen“ im Osten des Kongos). Kurzum: es macht überhaupt keinen Sinn, von „dem“ Islam zu sprechen. Stand „der“ Islam im Mittelalter jahrhundertelang an der Spitze der Zivilisation gegenüber etwa den barbarischen Zuständen im Frankenreich, steht er heute in dieser Hinsicht recht weit hinten an. Offensichtlich nicht, weil er grundsätzlich nicht anders denkbar wäre, sondern, weil er die – nicht nur aber auch durch den europäischen Kolonialismus erzwungene oder perpetuierte – Rückständigkeit der Gesellschaften, in denen er vorherrscht, widerspiegelt und bekräftigt (gerade z.B. auch deren ausgeprägten Patriarchalismus).
    Dass ein Großteil der Muslime auf Provokationen wie etwa die „Beleidigung“ Allahs oder des Propheten Muhammad so reagiert wie sie es tun, ist Ausdruck einerseits dieser rückständigen kulturellen Gegebenheiten (im christlichen Abendland wäre das vor nicht einmal allzu langer Zeit kaum anders gewesen) und andererseits natürlich auch Ausdruck der tiefen Verletzungen, die ihnen seit der Niedergang ihrer Kultur und Macht und spätestens seit Kolonialisierung und der fortgesetzten imperialistischen Vergewaltigung (mit Hilfe ihrer eigenen herrschenden Klassen, wohlbemerkt) zugefügt werden. Ein Verbot all dessen, durch das sich „Gläubige“ oder „Ungläubige“ jedwelchen Couleur beleidigt fühlen könnten, kann jedoch damit nicht gerechtfertigt werden. Vielmehr sollte dafür gestritten werden, dass auch diejenigen, die sich jetzt beleidigt fühlen, in die Lage kommen, eine rationalere Position einzunehmen. Fanatismus jedwelcher Art, der definitionsmäßig immer blind ist, verbaut jeden Weg zu einem erfolgreichen Kampf für eine bessere Welt für Alle.

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