Interview mit Dr. Mohammad Daud Miraki

EF: Dr. Miraki, es freut mich, dass wir dieses Interview führen können. Fangen wir gleich mit der ersten Frage an: Sie haben einst davon geträumt, Afghanistan zu führen. Viele Afghanen sind der Meinung, dass ein Ultra-Nationalist wie Sie niemals ein Land wie Afghanistan führen könnte. Manche beschuldigen Sie auch, rassistisch zu sein. Was sagen Sie dazu?

Miraki: Die Paschtunen sind die Gründer Afghanistans. Demnach ist es auch ihre Aufgabe, das Land und dessen Kultur zu repräsentieren, ein dementsprechender Anteil an politischer Macht ist ebenfalls wichtig. Die Paschtunen haben sich stets um das Land gekümmert und haben nie die Rechte der Minderheiten Afghanistans verletzt. Es wäre rassistisch zu sagen, dass andere ethnische Gruppen in Afghanistan nicht leben dürften. Ich will aber, dass die Rechte der Minderheiten genauso geschützt werden und dass sie ihre Kultur auch weiterhin fortführen können.

EF: Sie sagen, dass die Paschtunen circa 65% der Gesamtbevölkerung Afghanistans ausmachen. Wie kommen Sie auf solch eine Zahl?

Miraki: Die norwegische Waak-Foundation hat in über vier Jahren ermittelt, dass 62,7% der Bevölkerung aus Paschtunen besteht. Das kommt schon sehr nahe an die 65% heran. Wenn wir noch andere Studien und Statistiken in Betracht ziehen, kann man im Gesamten schon auf 65% kommen.

EF: Die Waak-Foundation sagt mir jetzt nichts. Das sogenannte, umstrittene Ethnien-Buch, welches von der „Academy of Uluum“ veröffentlicht wurde, nennt ebenfalls die Zahl 65. Abgesehen davon steht darin, dass Menschen aus der Ethnie der Hazara „von Natur aus Lügner seien“ und Ähnliches. Was halten Sie denn davon?

Miraki: Ich spreche ebenfalls von diesem Buch, da sie einige Quellen aus der Waak-Foundation bezogen hat. Nichtsdestotrotz ist dieses Buch eine Quelle. Der Satz bezüglich den Hazara wurde völlig aus dem Kontext gerissen.

EF: Viele Menschen nehmen dieses Buch nicht ernst. Sie bezeichnen es als „rassistisch“ und „faschistisch“ aufgrund solcher Aussagen. Solche unhaltbaren Theorien spalten doch das afghanische Volk, finden Sie nicht auch?

Miraki: Das stimmt, aber das sollte man sie (Anmerkung: Die „Academy of Uluum) diesbezüglich fragen. Allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass diese ethnografischen Studien keine Erfindung sind. Die Waak-Foundation ist eine seriöse Institution, die von der norwegischen Regierung gefördert wird. Man kann über das Buch sagen was man will, aber an diesen Zahlen kann man nicht rütteln, da es sich um eine seriöse und ernstzunehmende Studie handelt.

EF: Was halten Sie eigentlich von der gegenwärtigen Regierung?

Miraki: Die gegenwärtige Regierung ist ein Marionettenregime.

EF: Die USA wollen 2014 abziehen, außerdem sollen die Afghanen in diesem Jahr wählen. Wie stehen Sie dazu?

Miraki: Aufgrund des Partnerschaftsabkommens, welches von Afghanistan und den USA unterzeichnet wurde, werden die fremden Streitkräfte auch nach 2014 in Afghanistan präsent sein. Bezüglich den Wahlen: Das ist wohl nur ein Trick von Karzai, damit einer seiner Handlanger seinen Platz einnimmt.

EF: Sie denken also, dass der nächste Präsident jemand sein wird, der Karzai nahesteht oder ein Handlanger der USA wie zum Beispiel der US-Sonderbeauftragter für Afghanistan Zalmay Khalilzad?

Miraki: Menschen wie Khalilzad haben das Blut zahlreicher unschuldiger Menschen aus dem Nahen Osten an ihren Händen. (Anmerkung: Khalilzad war einst auch US-Sonderbeauftragter für den Irak) Mich würde es nicht wundern, wenn so eine Person an die Macht kommt. Im Grunde genommen ist auch er nur ein Handlanger der westlichen Streitkräfte, so wie viele andere.

EF: Abdul Rashid Dostum, Ahmad Zia Massoud und Mohammad Mohaqiq haben sich vereint unter ihrer „Nationalen Allianz“. 2014 werden auch sie nach der Macht greifen und sich mit ihrer Partei für die Präsidentschaftswahlen aufstellen lassen. Denken Sie, dass sie erfolgreich sein werden?

Miraki: Nein, ich glaube nicht. Meiner Meinung nach gehören all diese Kriegsverbrecher vor ein Gericht gestellt.

EF: Am 09.09. 2001 wurde Ahmad Shah Massoud ermordet. Nun wird sich bald sein Todestag jähren. Viele Menschen feiern Massoud bis heute als Helden. Was halten Sie davon und von der Heldenverehrung in Afghanistan im Allgemeinen?

Miraki: Ahmad Shah Massoud war ein Landesverräter. In den 80ern hat er mit den Russen einen Vertrag unterzeichnet, damit diese ihn und seine Truppen verschonen. Gleichzeitig hat er damit all die anderen Afghanen ans Messer geliefert. Es liegt in der Kultur von Feiglingen, solche Persönlichkeiten bis heute zu feiern. Sein einstiger Schützling Fahim spielt ja gegenwärtig das gleiche Spiel mit den Amerikanern.

EF: In der Vergangenheit haben Sie oft über den Gebraucht von Uranmunition im Irak und in Afghanistan gesprochen und auch viel darüber geschrieben. Können Sie kurz erklären, mit was wir es hier zu tun haben und wie gefährlich das Ganze ist?

Miraki: In Afghanistan wurden 1500 Tonnen Uranmunition hauptsächlich von den USA verschossen. Dieses Uran verliert erst in 4,5 Milliarden Jahren seine Strahlung. Afghanistan ist damit für immer verdammt.

EF: Nun zur letzten Frage, Dr. Miraki. Denken Sie, dass intelligente und friedfertige Menschen wie Dr. Ashraf Ghani Ahmadzai oder Dr. Ramazan Bashardost in Afghanistan etwas bewirken und das Land führen könnten? Haben Sie vielleicht selber noch Ambitionen, nach Afghanistan zurückzukehren, um sich für die Wahl 2014 aufstellen zu lassen?

Miraki: Meiner Meinung nach wird sich an der Lage Afghanistans nichts ändern, solange dort die fremden Mächte präsent sind. Daran können auch Politiker wie Bashardost oder Ashraf Ghani nichts ändern, selbst wenn sie gewählt werden. Ich werde an den nächsten Wahlen nicht teilnehmen, da 2014 die Fäden immer noch von den Amerikanern gezogen werden. Ich nahm 2009 nur an den Präsidentschaftswahlen teil, um die Stimme der Paschtunen zu erheben, ihre Rechte zu verteidigen und um den Genozid am afghanischen Volk zu verurteilen. Letztendlich zog ich jedoch meinen Namen aus Protest gegen die fremde Besatzung und Unterdrückung zurück.

Mohammad Daud Miraki ist afghanischer Aktivist, Autor und Politiker. Er wurde 1967 in Kabul geboren und zog 1984 mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten. Im Mai 1996 verlieh ihm die Hochschule für Sozialwissenschaften der Universität Chicago den Magister Artium für Studien des Mittleren Ostens. Im Juli 2000 promovierte er zum Ph.D. der Analytik des öffentlichen Rechts in der Stadtplanung und der Rechtsordnung im Hinblick auf die sozioökonomische und internationale Entwicklung. Seine Dissertation behandelt die Fragen der Unterentwicklung in Afghanistan. Miraki ist für seine nationalistische Haltung bekannt und ein strikter Gegner der Durrand-Linie, die Afghanistan von Pakistan.

*Das Interview wurde aus dem Englischen übersetzt

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32 Gedanken zu „Interview mit Dr. Mohammad Daud Miraki

  1. Hm,

    Einige Kritikpunkte:

    Miraki: “ Die Paschtunen sind die Gründer Afghanistans. Demnach ist es auch ihre Aufgabe, das Land und dessen Kultur zu repräsentieren….“

    FALSCH! Es ist die Aufgabe ALLER AFGHANEN das Land und dessen Kultur zu repräsentieren. Jeder -egal ob Pashtune, Hazara, Tajike oder sonst etwas- der dazu beitragen kann, das Land und dessen Kultur zu bereichern soll das auch können dürfen -ohne Behinderung aufgrund seiner ethnischen oder konfessionellen Zugehörigkeit!

    Miraki: “ Der Satz bezüglich den Hazara wurde völlig aus dem Kontext gerissen.“

    Hier beleibt uns Herr Miraki eine Antwort schuldig….keine Antwort kann auch eine Antwort sein.
    Eigentlich hätte der Interviewer etwas mehr nachhaken müssen.
    Was war denn genau der „Zusammenhang“ einer solch rassistischen Äußerung?
    Und was denkt Herr Miraki selbst über die Hazaras?

    Fazit: Solange es in Afghanistan Menschen gibt, in deren Köpfe ethnische und konfessionelle Grenzen herrschen (davon gibt es leider Gottes sehr viele und hierzu gehört wohl auch Herr Miraki) und die die Macht und Chancen in Afghanistan nach Konfession und Volkszugehörigkeit verteilen wollen anstatt nach Qualifikation, wird Afghanistan auch in den nächsten Jahrzehnten dort bleiben, wo er zur Zeit ist: im Mittelalter!

    Sehr traurig….

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  2. Zum einen ist es ein Interview welche eine Meinung von einer Person zu einigen Fragen representieren soll. Und ich find es Ehrenvoll seine Linie True zu bleiben als, das zu sagen was alle hören wollen.
    Was für ein Ehrenmann dieser Miraki =)

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    • Naja, ich jedenfalls finde es nicht ehrenvoll eine rassistische Meinung zu haben und dazu zu stehen.

      Ehrenvoll wäre es eine Meinung zu haben, die andere Ethnien/Völker nicht beleidigt oder diskriminiert…

      Aber das mit der „Ehre“ ist halt immer Ansichtssache…

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      • verstehe nicht, welche aussage hier rassistisch sein soll. könntest du das erklären? der herr ist offensichtlich nationalistisch und steht auch dazu aber er sagt kein einziges mal etwas schlechtes über eine andere ethnie. manche menschen sehen hier eher etwas was sie selber gerne sehen wollen. das nennt man vorurteil.

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      • Von einem Mann, der die Geschicke eines Landes lenken will, erwarte ich bei der Frage, was er von der (rassistischen!) Äußerung „Hazaras sind von Natur aus Lügner“ hält, eine DEUTLICHE und KLARE Ablehnung solcher Äußerungen und nicht lapidar die Umgehung einer Antwort mit: „Diese Aussage wurde aus dem Kontext gerissen“.
        Seine Äußerung, dass Pashtunen Afghanistan gegründet haben und deswegen das Land und dessen Kultur prägen sollen, schließt zwangsläufig andere Afghanen von der Macht aus. Seine rassitische Grundaussage ist „Afghanistan gehört den Pashtunen“. Das jedoch ist falsch. Wie der Name schon sagt: Afghanistan gehört den AFGHANEN.

        Er spricht zwar vom Schutz der Minderheiten in Afghanistan. Von RECHTEN der Minderheiten aber nicht. Wird man also der Minderheit diesen Schutz entziehen, wenn auch sie ihr Land und dessen Kultur prägen wollen?

        Nein, Rassimus sehe ich nicht gerne und genau deswegen werde ich etwas hellhörig, wenn etwas nach Rassimus stinkt!

        Das einzige was man Herrn Miraki zu Gute halten muss ist, dass er auf seinem Stück Kuchen verzichtet hat, weil er sah, dass er als afghanischer Politiker nur als Marionette fungieren darf!

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      • lol welche geschicke will der denn lenken? er sagt doch dass er nicht mehr präsident werden will. das hast ja auch du gemerkt inzwischen. es ist doch wohl deutlich, dass er auch die rechte von minderheiten meint wenn er von deren schutz spricht.

        und das mit den „afghanen“ ist ne ganz andere sache. die paschtunen sehen sich ethnisch gesehen als afghanen. die tajiken nennen die dann „awoghan“, nennen sie wild und zurückgeblieben und was weiß ich noch alles. ist das etwa nicht rassistisch? am meisten nerven die dann mit ihren ariana/khorassan geschwafel und reden dann immer von der teilung afghanistan. solche typen wollen gar nicht als „afghane“ bezeichnet werden und das ist auch gut so, denn sie schaden nur dem land. rassisten sind so oder so unerwünscht.

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      • Er hat an der Präsidentschaftswahl 2009 teilgenommen. Da liegt der Schluss nahe, dass er die Geschicke des Landes lenken wollte, meinst du nicht auch?

        Ich will mich mit dir jetzt auch gar nicht auf dieses kindische Spielchen einlassen, ob Afghanistan mir als Tajikin oder dir als Pashtune „gehört“….das würde wohl jeder Afghane, der sich gerade mitten im Elend des Landes befindet, als höhnisch empfinden, Herr „watanparast“ (aus Deutschland).

        Meine Intention lag vielmehr darin zu verdeutlichen, dass Afghanistan sich nicht entwickeln wird, wenn jeder in den Kategorien „Tajike“/Pashtune“ oder „Shiit“/“Sunnit“ denkt und jeweils dem anderen ein Bein stellt (oder in die Luft jagt).

        Aber davon abgesehen: Wer in Afghanistan „unerwünscht“ ist bestimmst nicht du aus deinem kuschelig warmen Kinderzimmer in Deutschland heraus. Leider zeigen deine Worte mehr als deutlich, welch Geistes Kind du bist….

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      • er will es aber diesmal nicht werden. du versuchst doch nur etwas zu suchen, was gar nicht vorhanden ist. warum siehst du denn nur in paschtunen wie miraki einen gewissen rassismus und in tajiken und anderen volksgruppen keinen? das liest man bei dir nämlich zwischen den zeilen raus wenn man deine kommentare hier und bei anderen artikeln auf dieses blog liest.

        ich bin also aus deutschland?? wo steht das denn? ich kann gerade überall auf der welt sein und nur weil ich die deutsche sprache beherrsche, solltest du nicht daraus gleich einen schluss ziehen, wo ich mich befinde. einfach nur mehr lächerlich.

        leute wie ich haben sicherlich kein recht zu sagen, wem afg. gehört. das recht hat niemand. aber leute wie du haben auch kein recht, über mich, miraki oder sonst wen dermaßen zu urteilen und die ganze zeit vorurteile rauszulassen.

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      • So und nun regen wir uns alle wieder ab…tieeeef durchatmen…

        Wäre dir dankbar, wenn du mir meine anderen „rassistischen“ Kommentare -oder die, die mit einem solchen „Unterton“, mal zeigen würdest…für Kritik bin ich aufgeschlossen und rassistisch will ich auch nicht sein!
        (Die pauschale Feststellung, dass Tajike dem Land schaden und unerwünscht seien, stammt übrigens von Dir….)

        Und wenn ich sage, dass ich gegen Rassimus bin, dann umfasst das selbstverständlich auch Rassimus ggü. Paschtunen! NATÜRLICH! Sonst wäre ich nur eine Heuchelerin! Aber du bist so sehr damit beschäftigt wild um dich zu hauen, dass du das gar nicht bemerkst!

        Ich habe die Äußerung Herr Mirakis kritisiert -gelobt sei die Meinungsfreiheit!- . Dass er Paschtune ist spielt für mich keine Rolle -er hätte genauso gut Tajike oder sonst etwas sein können!
        Und du stellst dich mit einem gewetzten Messer vor mir, weil ich einen Paschtunen kritisiere!

        In Afghanistan hat sich wohl kaum einer nicht die Hände schmutzig gemacht. Es kam/kommt darauf an, wo die jeweiligen Ethnien die Mehrheit stellen.

        Dostum ist eines der größten Kriegsverbrecher. Und auch Rabbani der „Friedensbotschafter“ hat so einige Massengräber ausgraben lassen. Überhaupt sitzen so einige im afghanischen Parlament, die eigentlich vor dem ICC in Den Haag gehören.

        GENAU DAS das ist doch unser Problem: Der Tajike schützt seinen tajikischen Kriegsverbrecher und der Paschtune seinen paschtunischen anstatt zu sagen „Wir sind Afghanen und sortieren jetzt erst mal die Verbrecher unter uns aus!“

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      • ich habe nicht behauptet, dass du rassistisch bist. allerdings habe ich persönlich durch deine kommentare eine gewisse abneigung herauslesen können. falls dies nicht der fall war, tut es mir leid. ich bin nicht gegenüber tajiken rassistisch. aber jene fanatischen tajiken, diese rabbani-fans und massudisten schaden afghanistan genauso wie es die taliban usw. tun, findest du das nicht auch?

        ich glaube dir mal, dass du eine tajikin und stolze afghanin bist, denn man hört es leider viel zu selten dass tajiken auch über verbrecher wie rabbani usw. urteilen können. das mit den paschtunen verstehe ich jetzt nicht ganz denn ich verteidige vielleicht mehr oder weniger miraki, doch der ist kein kriegsverbrecher. tajiken halten meistens zu massud und rabbani, usbeken zu dostum und hazara zu mazari. paschtunen wissen dass hekmatyar, bacha khan zadran oder mullah omar verbrecher sind. ich kenne keinen einzigen der sie in schutz nimmt. paschtunen wissen auch dass karzai korrupt ist oder dass sogar dr. najib als ehemalige khad-chef ein verbrecher war (die meisten von ihnen zumindest!)

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    • Gut, die Missverständnisse hätten wir ja dann geklärt 🙂

      Meine Abneigung gilt uneingeschränkt den Taliban. Denn ihr Wahhabismus und ihre perverse Art jedem eine Ideologie gewaltsam aufzuzwingen und Frauen (und auch Männer) wie Tiere zu behandeln gehört nicht zu uns nach Afghanistan!
      Dies bedeutet allerdings nicht, dass ich für die Warlords bin, die wahrscheinlich allesamt Massenmörder sind und in erster Linie damit beschäftigt waren/sind den eigenen Machtbereich auszuweiten und in die eigene Tasche zu wirtschaften.

      Im Grunde ist eine lückenlose und neutrale Aufklärung der Kriegsverbrechen im Interesse aller Afghanen. Denn nur so werden ihnen die Augen geöffnet. Nur so sehen sie, dass jede ethnische Gruppierung jede Menge unschuldige Opfer und jede Menge brutale Täter aufzuweisen hat. Nur dann setzt sich d. Erkenntnis durch, dass das gegenseitige Abschlachten ein Ende haben muss.

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  3. Ich persönlich als pashtune, halte Miraki als keine große Persönlichkeit was politisches denken angeht.Aus anderen Interview wie zB seiner Jirga in Herat kam seine plumbe und leicht „dusselige“ Art und Denkweise zum vorschein. Eine beleldigung nach dem anderen und das während seiner Kampagne. Natürlich reden die älteren alle so untereinander, doch er als „Politiker“ und Mensch der Öffentlichkeit sollte auf seine Ausdrucksweise achten.

    Seine politischen sichten haben weder Hand und Fuß, jeder Politiker spricht gegen Durrandlinie, doch bevor man sich an solchen Kleinigkeiten macht, sollte man sein eigenes Land in den griff bekommen und die Probleme von innen heraus lösen und sich nach außen verarbeiten. Genau an dem Punkt hat schon mal keine Ansätze. Ich konzentriere mich deshalb nur auf seine Berichte über Uran Munition, aber als Politiker taugt er nichts. Ich nehme jhm auch nicht ernst.

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  4. Der ein oder andere Leser mag es nun ersichtlich sein, warum die Tragödie Afghanistans seit nunmehr 30 Jahren andauert. Diese Tragödie spielt sich auch weit ab vom Hindukusch in der Diaspora ab, sogar unter Kindern und Kindeskindern afghanischer Exilanten.

    Ob Religion oder Ethnie: Brennholz ist für die heißen Gemüter immer vorhanden. Und so wird gestritten und debattiert, unterstellt und verleumdet. Aus Differenzen entsteht Streit, aus Streit Hass. Am Ende ist es die Keule, die entscheidet, wer Recht und wer Unrecht hat. Und der Besserwisser bleibt dem Geschehen auch nicht fern, der glaubt eine Analyse vom Geschehenen abzugeben, ohne seine eigenen Fehler zu durchleuchten. Doch wir Menschen neigen dazu von unseren eigenen Fehlern abzusehen und mit dem Finger auf andere zu zeigen. Menschen afghanischer Herkunft scheinen in dieser Hinsicht ein ganz großes Stück vom Kuchen abbekommen zu haben (steh zu deinen Schwächen!).

    Ich fange bei mir an, der Esel nennt sich immer zuerst. Ich kenne Miraki nicht und die Passage mit den Hazara ist nach wie vor fragwürdig. Wohlgemerkt handelt es sich um ein übersetztes Interview, Fehler können nicht ausgeschlossen werden. Und ich kenne auch nicht die entsprechende Lektüre, aus welchem der Satz aus dem Kontext gerissen worden sei. Ja, ich habe (auch) mongolische Vorfahren. Ob es Scham ist, wenn ich behaupte, ich weise keine mongolischen Gesichtszüge auf? Oder ob ich mich oder andere mich damit (damit, als sei es eine Krankheit) identifiziert habe? Nein, ich denke nicht. Der Grund ist einfach der, mir ist es egal. Das ist vielleicht auch der Grund, warum ich manchmal das Selbstverständnis der Pashtunen als Stämme nicht verstehen kann. Aber nur vielleicht. Ja, ich kenne also Miraki nicht und glaube, es werden auf beiden Seiten Vorurteile und Stereotypen angewandt. Vielleicht ist Miraki ein toller Kerl, mit guten Absichten. Doch weil ich ihn nicht richtig kannte, und er mich nicht, konnten wir uns nicht verstehen. Weil wir nicht richtig kommuniziert haben, weil wir von uns auf uns gegenseitig geschlossen haben.

    Warum ist es so schwer, über eigene Schwächen und Fehler offen zu diskutieren?

    Afghanistan wurde von den Afghanen gegründet. Deshalb heißt Afghanistan Afghanistan. Denn Afghane bedeutete bis in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts nichts anderes als Paschtune. Die Pashtunen sind ein stolzes Volk, sie haben schon ihre Lebensweise betrieben, bevor es ein Afghanistan gab. Und bevor es auch dieses Afghanistan gab, gab es das Perserreich und die nachfolgenden Reiche. Zwischen den großen Kulturen des Perserreichs und des indischen Subkontinentes, ja dort, lebten diese Pashtunen. Und sie tun es heute noch, teilweise in Pakistan. Es ist verständlich, wenn ein so stolzes und ehrenhaftes Volk darunter leidet, wenn von fremden und feindlich gesinnten Menschen willkürliche Grenzen gezogen werden. Doch wer behauptet, dass Hazara und Usbeke von Nebenan nicht mitleidet? Wer behauptet, der Tajike hätte keine Ehre, kein Mitgefühl? Wer behauptet, dass keiner die Fähigkeit dazu besitzt, andere zu respektieren. Die Elemente eines Mosaiks unterscheiden sich – und das ist auch gut so. So auch Afghanistan, es ist zahlreich an Herkunft, Sitten, Bräuche, Sprachen und Dialekte …, vom einen etwas mehr als das andere. Afghanistan ist ein Mosaik, es hat Form und Farbe. Jedes Element versteht sich als Teil des Mosaiks, als Teil Afghanistans. Afghanistan könnte ein Vorbild für die Welt sein, wenn die Elemente den Mut hätten, offen und ehrlich miteinander zu kommunizieren.

    Ein Ausverkauf religiöser Werte und ethnischen Selbstverständnisses hat in Afghanistan längst stattgefunden. Hier weniger als dort. In Afghanistan geht es schon lange nicht mehr um Religion oder Ethnien, höchstens nur als Vorwand. Nein, in Afghanistan macht es auch vor Familie nicht halt. In Afghanistan können Eltern ihren Kindern, Brüder ihren eigenen Brüdern nicht trauen. Dieser Missstand hat vor keiner Religionsgemeinschaft, vor keinem Volk in Afghanistan Halt gemacht: Fressen oder gefressen werden – in Afghanistan haben Triebe gegen den Verstand gesiegt. Ohne Zweifel profitieren außerhalb Afghanistans viele Menschen davon. Es ist auch richtig diese Menschen anzuklagen, doch sollten wir nicht erst einmal vor unserem eigenen Teppich kehren? Wenn wir selbst nicht dazu beigetragen hätten, wäre es niemals so weit gekommen. Afghanistan braucht entweder eine Revolution oder eine massive Selbsterziehung, beides ist im Prinzip dieselbe Chose. Natürlich bedarf es Führungskräfte, die sich keines Verbrechens schuldig gemacht haben. Spätestens seit dem Bürgerkrieg haben alle Bevölkerungsgruppen Blut an den Händen kleben.
    Afghanistan bedarf es an einen Führer, der gebildet, aber auch gleichzeitig demütig ist. Er muss Befugnisse haben, muss souverän sein, Korruption nicht dulden. Er muss sein Leben der Gesellschaft widmen und auch Rückschläge verkraften. Er muss mutig, aber auch geduldig sein. Er muss die Sprache seines Landes sprechen. Ich meine dabei nicht Pashto oder Dari, nein, hier geht es um die Stimme des Volkes. Er muss ein Ohr haben und die Probleme angehen, wo sie ihren Ursprung haben, nicht ihre Symptome behandeln. Er soll fordern, ohne fordernd zu wirken, er soll belehren, ohne belehrend zu wirken, er soll ein Vorbild sein, ohne eitel zu werden. Er darf nicht am Weltlichen hängen und möglichst schlicht leben, wie die Ärmsten der Gesellschaft. Ein solcher Führer belebt in all seiner Bescheidenheit das Gewissen, was der afghanischen Gesellschaft verkommen ist. Schluss endlich bekommt jedes Volk die Regierung, die sie verdient …, manchmal muss es auch andersherum sein. Wunschdenken? Nein, alles ist möglich.

    Vielleicht ist es pessimistisch, wenn ich behaupte, dass wir für Afghanistan auf herkömmlicherweise wenig machen können. Wir sind sowohl dort als auch hier Ausländer. Erst unsere Nachkommen werden irgendwann Teil einer Gesellschaft hier oder dort werden. Wir müssen unsere Nachkommen dahin erziehen, ein potentieller Führer zu sein und zeitgleich unseren Teil zu unserer Zeit beizutragen, dass wir der Gesellschaft hier oder dort eine Stütze sind.

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    • Sehr schön geschrieben.

      Insbesondere der Teil mit dem Präsidenten gefällt mir. Aber auch ein solch perfekter Präsident hätte in Afghanistan nur dann eine Chance etwas zu bewegen, wenn wir -das afghanische Volk (auch ich zähle mich dazu, obwohl hier aufgewachsen)- die Grenzen in unseren Köpfen überwinden würden und ihn nicht bei allem, was er macht danach beurteilen würden, ob er nun als Präsident der Paschtunen/Tajiken/Shiiten/Sunniten etc. gehandelt hat!

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      • Ein solcher Präsident wüsste, wie er mit solchen Situationen umgehen sollte. Das ist eine schwierige Kunst, alle gleichermaßen zufrieden zu stellen. Wir müssen uns vielmehr bewusst werden, dass das Glück meines Nachbarn nicht mein Unglück ist. Wir müssen lernen, unsere Volkszugehörigkeit nicht überzubewerten. Ich möchte damit keinesfalls an stolze Paschtunen anspielen, sondern um den Begriff „Afghane“. Wer behauptet schon gegenüber einem Ausländer, ein Hazara, Tajike oder Paschtune zu sein? Die Antwort kommt schnell: Man ist ein Afghane. Der liebe Gott hat uns unterschiedlich geschaffen, aber nicht, um uneins zu sein.
        Was war die erste Sünde? Rassismus: Der Teufel dachte, er sei dem Menschen überlegen.

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    • Lieber Herr Ammar,

      ich freue mich wieder einmal über Ihren besonders aufmerksamen Kommentar. Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass ich das Interview wortwörtlich und richtig übersetzt habe. Immerhin habe ich es geführt und weiß, was er gesagt hat.

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      • Mit „uns“ meine ich Ihre Leserschaft. Ich meinte, ob Sie Klarheit schaffen könnten, was die Aussagen Dr. Mirakis angeht. Könnten Sie vielleicht mehr auf seine Positionen in dieser Hinsicht eingehen? Er selbst ist dem dem Anschein nach ausgewichen.

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      • Ich sage kurz und knapp:

        Miraki ist kein falscher Mensch und hat gute Absichten. Einige Aussagen von ihm darf man aber nicht ernst nehmen. Bezüglich der Hazara-Aussage ist er mir immer wieder ausgewichen und ich konnte keine klare Aussage erzwingen. Seine Arbeit bzgl. der Uranmunition sollte man anerkennen und schätzen, denn das ist sehr wichtig. Seine allzu nationalistische Haltung und sein Temperament werden ihn aber immer wieder Steine in den Weg legen.

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  5. Miraki ist leider ein echter Faschist: erst beleidigt er hazarah und dann noch shahid massoud!

    Die angebliche summe von 65% pashtunen ist weit übertrieben, geheimdienste und unnabhängige volkszählungen gehen nämlich von etwa 40 bis 45% pashtunen und mindestens 30-35 % farsiwan (tajik) aus! 10% usbak, 10% hazarah, der rest ist baluchen, ajmak, turkeman, pachai, hindik, barhawi, nuristani, qizilbash, … (nachzulesen unter anderem in world factbook)

    außerdem war Massoud wie jeder weiß ein großartiger Held und ist Shahid geworden!

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    • sorry aber so einen schwachsinn liest man ja echt selten!

      miraki hat keinen hazara in während dieses interviews beleidigt. wo hast du das denn gelesen??

      ‚geheimdienste und unabhängige volkszählungen`? es gab bis jetzt keine volkszählungen in afghanistan oder denkst du, da gehen die beamten von kabul bis in die berge von kunar oder wie stellst du dir das vor? ‚geheimdienste‘ – meinst du etwas sowas: https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/af.html

      die CIA ist also ‚unabhängig‘? angenommen, das würde mal stimmen. da steht, tajik 27 %, warum redest du dann von mindestens ’30-35%‘??

      zu massoud: informier dich mal über deinen „shahid“ aka kriegsverbrecher bevor du solche sachen schreibst. hast ja keine historischen kenntnisse, sonst würdest du so nen warlord nicht so verteidigen.

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      • Und selbst wenn 90% Paschtunen und 10% Tajiken sind, oder anders herum.
        Ja und??
        Selbst wenn ich zu den 10% gehöre (oder auch nur 1%), als AFGHANE/IN nehme ich für mich das Recht in Anspruch GLEICHBERECHTIGT zu sein und nicht diskriminiert zu werden!!

        Bzgl. Massoud: Die westliche Presse schreibt durch die Bank positiv über Massud. Allerdings ist mir auch klar, dass Medien in der Lage sind den Teufel als einen Engel und den Engel als einen Teufel zu verkaufen…
        Eigentlich gehörte er auch für mich zu einem Helden (irgendeinen, der gut war muss es doch gegeben haben, oder?).
        Das erste mal wurde ich stutzig als ich die Rede von Frau Malalai Joya (die ich SEHR bewundere) vor der Loya Jirga auf YouTube hörte, wo sie vor einer Horde von Männern eine Untersuchung der Kriegsverbrechen (auch die von Massoud) forderte und daraufhin entfernt werden musste…

        Watanparast evtl. könntest du mir irgendwelche Quellen nennen, die deine Sicht auf Massoud belegen?

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      • als ob ich gesagt habe, dass tajiken oder andere gruppen nicht gleichberechtigt sein müssen. dreh bitte keine wörter hier rum, shabo.

        zu massoud: ich dachte, du seist objektiv und hast eine gute meinung aufgrund deiner anderen kommentare hier und dann kommt sowas. massoud – ein held?? tut mir leid, da hab ich dich wohl komplett falsch eingeschätzt.

        ich hab ne runde gegoogelt und es gibt sehr wohl seriöse berichte über die untaten dieses pseudohelden:

        http://www.zenithonline.de/deutsch/politik//artikel/fragwuerdige-kriegshelden-003233/

        dann hier noch auf diesem blog vom selben autor: https://pakhtunkhwa911.wordpress.com/2012/07/08/ahmad-shah-massoud-ein-fragwurdiger-held/

        da sind sogar quellen aufgelistet.

        und hier noch was: http://www.rawa.org/massoud_ussr.htm

        und hier: http://www.youtube.com/watch?v=C0AJPdvXxjY

        man wird immer fündig, denn verbrechen kann man nicht so einfach verstecken. denkst du etwa, malalay joya hat das aus spaß gesagt? deine haltung „einen helden muss es ja geben“ ist mehr als nur naiv.

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      • Wie gesagt: er GEHÖRTE für mich zu den Volkshelden, weil das so propagiert wurde/wird und ich erst durch Frau Joya eine andere Sicht der Dinge kennenlernte!

        Der Wunsch nach einem Helden entspringt meinem Glauben an das Gute in den Menschen bzw. dem Glauben, dass es auch Menschen gibt, die wahrhaftig gut sind…ob das naiv ist weiß ich nicht!

        Jedenfalls danke für die Quellen

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