Die heuchlerischen Spiele

Die olympischen Sommerspiele 2012 haben letzte Nacht mit einem enormen „Medien-Tamm-Tamm“ in London begonnen. Im Vorhinein gab es schon Wirbel darüber, welche Staatsgäste nicht erwünscht seien. Das „ehemalige British Empire“ und das Internationale Olympische Komitee stehen natürlich zu Menschenrechten und Demokratie, mit Diktatoren wollen sie nichts am Hut haben. Selbstverständlich gibt es den „bösen Diktator“ und den „guten Diktator“, das bleibt aber meistens unerwähnt und so konnte man trotzdem genug Despoten auf der Gästeliste finden.

Während der „letzte Dikator Europas“, Weißrusslands Alexander Lukaschenko und Simbabwes größenwahnsinniger Greis, Robert Mugabe, weltweit bekannte Tyrannen sind, die auf der Londoner Blacklist stehen, kennen nicht gerade viele Menschen die anderen unerwünschten Persönlichkeiten. So zum Beispiel Frank Bainimarama, jener General, der sich 2006 auf den Fidschi-Inseln an die Macht putschte oder Antonio Injai, der im April 2012 den Militär-Coup in Guinea-Bissau anführte. Dem syrischen General Muwaffak Dschuma wurde ebenfalls die Einreise nach London verweigert.

Wladimir Putin, Mahmud Ahmadinejad und Nordkoreas Kim Jong Un bleiben übrigens freiwillig daheim. Ginge es nur nach dem IOC, so würden deutlich mehr Personen auf der Blacklist stehen. Die Londoner Regierung machte dem einen Strich durch die Rechnung und lud trotzdem Herrschaften wie den bahrainischen Prinzen Nasser bin Ahmad Al Khalifa ein. Die Einladung Nassers wurde heftig kritisiert, denn er war einer der Hauptverantwortlichen, der die angehenden Revolten in seinem Land eiskalt niederschlug. Der Tyrann wollte keinen Arabischen Frühling in Bahrain und ging blutig gegen die Demonstranten vor. Gefangene wurden persönlich von ihm gefoltert und mit Tritten traktiert. Angeblich stehen die Athleten aus Bahrain unter Druck und dürfen sich in keinster Weise gegen Nasser und dessen Politik äußeren. In Bahrain wurden in den letzten Monaten willkürlich über 150 Sportler, Trainer und Schiedsrichter gefangen genommen und unter anderem mit Elektroschockern gefoltert. Auch an der Folter der Athleten war Nasser beteiligt. Angeblich machte er Pausen und trank Wasser, um danach wieder weiterzumachen.

Während der britische Unterhausabgeordnete George Galloway ankündigte, im Falle einer Anreise Nassers gegen diesen vorzugehen, indem er eine „Bürgerverhaftung“ vornehmen werde, verteidigte die britische Regierung ihre Entscheidung und meinte, dass eine derartige Person normalerweise nicht eingeladen werde, wenn die entsprechenden Beweise vorliegen würden. Natürlich liegt es auf der Hand, dass Großbritannien nicht einen wichtigen Verbündeten des Westens mit solch einer Aktion verärgern wollte. Während die Revolten in den anderen arabischen Ländern maßgeblich von den westlichen Staaten unterstützt wurden, wurde in Bahrain kein Finger gerührt.

Bei Saudi-Arabien ist übrigens Ähnliches der Fall. Während das absolutistische Al Saud-Regime höchstwahrscheinlich deutsche Panzer gegen Demonstranten eingesetzt werden, sind die saudischen Scheichs, die ihren Frauen das Autofahren verbieten, gern gesehene Gäste in London. Manche Saudis besitzen noch die Unverfrorenheit, ihre Sportlerinnen als „Prostituierte“ zu bezeichnen, während der Sextourismus in einigen armen Ländern vor allem wegen den doppelmoralischen, saudi-arabischen Männern blüht.

Der Schwager von Husni Mubarak, der ägyptische General Mounir Sabet und ein weiterer General aus Ägypten, Mahmoud Ali Ahmed sind ebenfalls eingeladen worden. Sabet ist bekannt dafür, sich während der Diktatur seines Schwagers durch Vetternwirtschaft und andere fragwürdige Geschäfte persönlich bereichert zu haben. Ahmed versuchte die damaligen Proteste am Tahrir-Platz in Kairo gewaltsam zu beenden und ist ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt.

Die israelische Regierung wollte, dass eine Schweigeminute für die Opfer von München abgehalten wird. Die Thematik der blutigen Geiselnahme während der Sommerspiele von München 1972 wird immer wieder von den Israelis aufgerollt. Abgesehen davon, dass dieses Ereignis nun schon vierzig Jahre her ist, die Drahtzieher allesamt von Mossad in einer Racheaktion ermordet wurden und es in der Vergangenheit schon viele Schweigeminuten gab, wurde auch dieses Mal Israels Forderung von der amerikanischen Israel-Lobby um Barack Obama, Deutschland, Italien und anderen westlichen Staaten unterstützt. Der IOC wies die Forderung ab und meinte, dass es schon genug Gelegenheiten dafür gab. Auf die Idee, eine Schweigeminute für die Opfer des Irak- oder Afghanistan-Kriegs zu halten, kommt natürlich niemand. Auch auf die aktuelle Menschenrechtsverbrechen in Burma wollte niemand aufmerksam machen.

So begannen dieses Jahr die olympischen Spiele und der olympische Frieden wurde der Welt wieder einmal vorgeheuchelt. Der offizielle Sponsor der Spiele ist übrigens McDonald’s. Das ist ungefähr so, als ob Bier die offizielle Medizin gegen Leberkrebs wäre.

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2 Gedanken zu „Die heuchlerischen Spiele

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