Fragwürdige Kriegshelden

 Die Erinnerung an Ahmad Shah Massoud ist noch immer stark verklärt, andere Milizenführer des Bürgerkrieges der 1990er Jahre bekleiden heute hohe Posten – ein Persilschein für die Menschenrechtsverbrechen der afghanischen Warlords.

Ahmad Schah Massoud

Am 9. September 2001 wurde in Takhar, Afghanistan, der gefeierte Führer der Nordallianz, Ahmad Shah Massoud, von zwei arabischen Selbstmordattentätern, getarnt als Journalisten, ermordet. Bis heute ranken sich um Massoud, auch »Löwe von Panjshir« genannt, zahlreiche Legenden, die ihn als »charismatischen Krieger« und »gottesfürchtigen Muslim« beschreiben. Europa hat einen großen Anteil an der »Heldenpropaganda« um Massoud. Während des Kalten Krieges war Massoud ein Held, insbesondere für den Westen. Er war derjenige, der seine Heimatprovinz Panjshir jahrelang erfolgreich gegen die Sowjets, sprich, gegen die »gottlosen Kommunisten« verteidigen konnte. Ein wahrer »Mudschahid«, ein tapferer und edler Krieger, so wie es sich für einen wahren Afghanen gehört.

Der russische Afghanistan-Veteran und ehemalige General Boris Gromov, der den sowjetischen Abzug vom Hindukusch leitete, dagegen erinnert sich ganz anders an den »Löwen von Panjshir«. Er beschreibt Massoud in seinem Buch »Limited Contingent« als »Agenten der Sowjets«. Demnach soll Massoud die Sowjets nicht bekämpft, sondern mit ihnen in enger Verbindung gestanden haben. Nach Gromov kam es unter anderem 1982 zu einem Abkommen, in dem Massoud den Sowjets versicherte, dass seine Truppen keine sowjetischen Militärkonvois, die den von ihm kontrollierten südlichen Pass von Salang passieren, angreifen werden.

Massoud konzentrierte sich darauf, seinen Erzrivalen Gulbuddin Hekmatyar auszuschalten. Dieses Vorgehen lag auch im Interesse der Sowjets, da der Paschtune Hekmatyar massiv von Seiten der USA und Pakistan unterstützt wurde. Für ausländische Kamerateams aus Europa stellte sich Massoud zur Schau, indem er vorgab, gegen die Rote Armee zu kämpfen. Der Afghanistan-Veteran Yuri Korbert, der zu diesem Zeitpunkt in Panjshir stationiert war, bestätigte dies während eines späteren Interviews und behauptete, dass in all den Jahren kein einziger Kampf gegen Massoud stattfand. Er fügte außerdem hinzu, dass es im Falle einer Konfrontation mit Massoud kein Problem gewesen wäre, ihn und seine Kämpfer zu besiegen. Dies wäre nicht verwunderlich, denn Massoud und seinen Truppen fehlte es an Waffen sowie an logistischen Mitteln, um gegen die Rote Armee dauerhaft erfolgreich bestehen zu können.

Massoud war ein Kriegsverbrecher – so wie die anderen afghanischen Warlords auch

Nichtsdestotrotz wird der Kommandant aus Panjshir, dessen Großvater ursprünglich aus Tadschikistan emigrierte, von zahlreichen westlichen Historikern als »brillanter Guerilla-Taktiker« in einer Reihe mit Ché Guevara oder Ho Chi Minh genannt. Das Wall Street Journal widmete Massoud sogar ein Titelblatt und nannte ihn »den Afghanen, der den Kalten Krieg gewann«. Der amerikanische Journalist Eric Margolis wiederum behauptet in seinem Buch »American Raj, Liberation or Domination, Resolving the Conflict between the West and the Muslim World«, dass Massoud die Regierung in Moskau überzeugen wollte, den damaligen afghanischen Präsidenten  Mohammad Najibullah zu stürzen, damit er dessen Platz einnehmen könne.

1993, vier Jahre nach dem sowjetischen Abzug aus Afghanistan, kam es im Kabuler Stadtteil Afschar zu einem folgenschweren Massaker, dem hauptsächlich Angehörige der Hazara, einer schiitischen Minderheit, zum Opfer fielen. Die Haupttäter dieses Massakers waren der damalige Ministerpräsident und Massouds ideologischer Ziehvater Burhanuddin Rabbani, der islamistische Warlord Abdul Rasul Sayyaf sowie Ahmad Shah Massoud, der damals Verteidigungsminister war. Etwa 750 Menschen wurden getötet oder verschleppt. Auch die Soldaten Massouds beteiligten sich an Morden, Plünderungen und Vergewaltigungen.

In der Erinnerung vieler Tadschiken spielen die Gräueltaten von Massouds Milizen dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Sie gedenken eher der vergleichsweise sicheren und stabilen Lage ihrer Bevölkerungsgruppe unter der Führung Massouds. Zudem wird ihm zugute gehalten, noch eine Allianz gegen die Taliban auf Beine gestellt zu haben, als diese Mitte der 1990er Jahre den Großteil Afghanistans unter ihre Kontrolle gebracht hatten – und sich auch im Westen die meisten Regierungen mit der Taliban-Herrschaft abgefunden hatten.

Die Kabuler Regierung sowie der Westen schweigen immer noch zum Massaker von Afschar. 2001 wurde Massoud offiziell von Karzai zum »Helden der afghanischen Nation« erklärt. 2002 nominierten ihn die Franzosen für den Friedensnobelpreis. So wie alle anderen afghanischen Warlords während des Bürgerkriegs der 1990er Jahre kann man Ahmad Shah Massoud aber mit Fug und Recht als Kriegsverbrecher bezeichnen.

Verdrängte Massaker und unantastbare Milizenführer

Doch auch viele der (über)lebenden Warlords neben Massoud genießen in Afghanistan immer noch einen Status, der sie unantastbar macht. Anstatt im Gefängnis oder vor dem Menschenrechtsgerichtshof in Den Haag sitzen die meisten von ihnen im afghanischen Parlament oder bekleiden hohe Ämter, etwa als Provinzgouverneure. Dabei sind die Kriegsverbrechen etwa des usbekischen Milizenführers Abdul Rashid Dostum ausführlich dokumentiert. Dennoch genießt er in der usbekischen Minderheit immer noch einen Helden- und Führerstatus.

Zweifelhafte Berühmtheit erlangte Dostum durch besonders grausame Hinrichtungsmethoden, mit denen er seine Autorität zu untermauern suchte, so etwa das Überrollen Gefangener – oder als illoyal vermuteter Kämpfer – mit Panzern. In den späten 1990ern machten seine Dschunbesch-Milizen in Mazar-e Sharif und den umherliegenden Gebieten regelrecht Jagd auf Paschtunen. das gleiche geschah in der Provinz Baghlan und in Kabul. Die Zahl der Getöteten geht in den dreistelligen Bereich. Meist handelte es sich bei diesen Paschtunen nicht etwa um feindliche Taliban sondern um Zivilisten.

Die verhassten Taliban folterte Dostum auf eine andere Art und Weise, sobald sie in die Gefangenschaft seiner Miliz gerieten. Dostum beteiligte sich oftmals an den Misshandlungen und richtete viele der Gefangenen selber hin. Besonders abscheulich war jenes Massaker im November 2001, als eine größere Gruppe von Taliban-Kämpfern von Dostum und seinen Milizen gefangen genommen und in mehrere Container gesperrt wurde. Diese Container fuhr man mitten in die Wüste und ließ sie einige Tage dort stehen. Von außen schossen die Milizen immer wieder Löcher in die Container. Die Gefangenen ließ man qualvoll in der Hitzen verdursten.

Unter den Gefangenen befanden sich nicht nur paschtunische Taliban-Kämpfer, sondern auch viele Männer aus Tschetschenien, Pakistan und sogar aus Usbekistan. Als die Container nach einigen Tagen geöffnet wurde, entwich, so beschreiben es anwesende Journalisten, bestialischer Gestank, eine Mischung aus Verwesung, Blut, Urin und Kot. Von den etwa 220 Männer pro Container überlebten durchschnittlich jeweils sechs Männer die Tortur. Die wenigen Überlebenden wurden danach allerdings umgehend hingerichtet, die Leichen verscharrte man in Massengräbern.

Die Warlords rüsten sich für den nächsten Bürgerkrieg

Der pakistanische Journalist Ahmed Rashid, bekannt für seinen Bestseller »Taliban«, bezeichnete das Massaker als das schlimmste und brutalste Menschenrechtsverbrechen des Afghanistan-Krieges. 2002 drehte der irische Dokumentarfilmer Jamie Daron gemeinsam mit dem afghanischen Journalisten Najibullah Quraishi den Film »Afghan massacre: The Convoy of Death«. Die Dokumentation zeigt Massengräber und rekonstruiert den Tathergang des Massakers.

Durch die Operation »Enduring Freedom« der USA nach dem 11. September 2001 wurden die Taliban zwar vorerst vertrieben – doch um den Preis einer strategischen Allianz mit blutrünstigen Warlords à la Dostum. Nun werden die Folgen deutlich sichtbar. Während man in Afghanistan nicht gerne über die Toten des Bürgerkriegs spricht und damit die Taten Ahmad Shah Massouds in Kabul, Mazar-e Sharif oder Panjshir gar nicht in Frage gestellt werden, haben sich Abdul Rashid Dostum, Ahmad Zia Massoud, der jüngere Bruder Ahmad Shahs, und Hajji Mohammad Mohaqiq, ein weiterer Warlord aus der Minderheit der Hazara, in einem Bündnis zusammengeschlossen.

Gemeinsam haben sie die sogenannte »Nationale Allianz« gegründet, um gegen die Rückkehr der Taliban zu kämpfen. Für die Präsidentenwahlen 2014 will die Gruppierung mit einem eigenen Präsidentschaftskandidaten antreten. Wer auch immer das sein wird, eine Person aus einem Bündnis von Kriegsverbrechern, das das Land in den nächsten Bürgerkrieg stürzen will, kann nichts Gutes für Afghanistan bedeuten.

13 Gedanken zu „Fragwürdige Kriegshelden

  1. Humbug.
    Gromov und seine Armee wurden Dutzende Male von massoud vernichtend geschlagen.
    Die sowjetische Seite bot Massoud einen Waffenstillstand an, er widersprach jedes mal aufs neue. ( sie Youtube , Primärquelle unteranderem Statements von Amir Massoud selbst.)

    Als Hekmatyar Kabul angreifen wollte, stellte sich Massoud wieder zwischen die Fronten und versuchte ihn davon abzuhalten ( Quelle: HRW, Amnesty, Youtube Aufzeichnung zwischen Hekmatyar und Amir Massoud)

    Selbst HRW, welche jahrelang behaupteten, Massoud sei verantwortlich für die Massaker in Kabul, haben nach Aufarbeitung des ‚Afghanistan Justice Projects‘ ihre Meinung revidiert und Amir Massoud von jeder Schuld freigesprochen.

    Ein Veteran und Held , der zurecht für den Friedensnobelpreis nominiert war.

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    • Ich muss Sie leider enttäuschen.

      Sie können nicht hier von „Humbug“ sprechen, indem sie als Quelle die Statements von „Amir“ Massoud bezeichnen, da diese in diesem Fall nicht ernst zunehmen sind.

      Auch wenn er Hekmatyar davon abhalten wollte, hier geht es nicht um Hekmatyar. Dass dieser ein Verbrecher ist, hat niemand geleugnet.

      Diese Aussage stimmt nicht. Das Afghanistan Justice Project hat Massoud von keiner Schuld „freigesprochen“. Falls ja, dann ist es mir nicht bekannt und Sie sollten Quellen (diesmal kein Youtube-Video gefunden?) vorzeigen.

      Da Sie so gerne Videos aus dem Internet mögen, sollten Sie vielleicht mal dieses hier anschauen: http://www.youtube.com/watch?v=C0AJPdvXxjY&feature=youtube_gdata_player

      Oder diesen Artikel zum Massaker lesen: http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2003/02/10/a0105

      Als offensichtlicher Anhänger Massouds ist Ihnen dieses verkehrte Bild von ihm wohl nicht auszureden. Das wundert mich nicht, denn man kann auch Neo-Nazis nur schwer ausreden, dass Hitler für Verbrechen verantwortlich war, um es etwas milde auszudrücken.

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  2. Ahmad Shah Massoud gehört sicherlich zu den umstrittensten Figuren des afghanischen Bürgerkriegs. Es ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass auch in der afghanischen Diaspora-Gesellschaft heftig über seine Person diskutiert wird, ob dieser ein Mörder oder ein Held sei.

    Ich kann mich dem Titel anschließen, bei dem es heißt, Massoud sei ein fragwürdiger Held. Ebenso behaupte ich im gleichen Zug, ist Massoud auch tatsächlich der, von dem seine Gegner vorgeben, dass er es sei?

    Boris Gromov Behauptungen zu Ahmad Shah Massoud sind keine Neuigkeiten, Gegner seiner Person wie die RAWA-Organisation beziehen sich immer wieder auf Gromov. Lassen wir Gromovs Interessen beiseite, welcher während des afghanischen Widerstands an Prestige verloren hat. Beschränken wir uns darauf, über den Warlord Massoud differenziert zu berichten. Denn Urteile, verehrter Blogger, darin sind wir uns sicherlich einig, werden noch früh genug kommen.

    Dass Massoud gegen die sowjetisch-afghanischen Truppen erfolgreich gekämpft hat, berichtete mir mein Onkel. Nein, er kämpfte nicht auf Seiten der Mujaheddin und desertierte später auch nicht – er war Kampfpilot der afghanischen Luftwaffe. Sein Flugzeug wurde abgeschossen und er kam bei Massoud in Gefangenschaft. Doch lassen wir subjektive Berichte und Wahrnehmungen bei Massoud ebenfalls beiseite.

    Schauen wir uns das Massaker von Afshar genauer an. Massouds Truppen waren an den Untaten beteiligt, er war damals jedoch nicht der befehlsgebende Kommandant. Bei diesem Massaker habe ich ebenfalls Familie verloren, auch ich bin ein schiitischer Qizilbash-Hazara. Es gibt genügend sachliche Literatur über dieses Massaker, ich kann es Ihnen auf Wunsch referenzieren.

    Massouds Tod und die vorhergehenden Ereignisse sind indes ein interessanter Gesichtspunkt um seinen Personenkult. Sechs Monate vor seinem Tod, etwa im März/April war Massoud in Europa, u.a. in Brüssel, und warnte die westliche Welt vor Terroranschlägen auf westlichem Boden. Es lagen ihm hierfür Geheimdienstberichte vor. Massoud wurde nicht ernstgenommen und wurde zwei Tage vor den Terroranschlägen des 11. September ermordet. Wenn die westliche Welt Massoud derart hoffierte, warum starb Massoud kurz vor einem Ereignis, wovor dieser warnte und nicht ernstgenommen wurde? Ich gebe zu, dass viele Berichte über Massoud übertrieben sind, doch wo ist die Allianz mit dem Westen? Über die Verstrickungen des Westens mit dem 11. September haben Sie genügend berichtet. Insofern würde ein Exkurs den Rahmen sprengen.

    Von seinem Tod bis hin zum Heldenstatus ist ein weiterer interessanter Punkt zu beobachten. Gerade diejenigen, die von seinem Tod profitierten, wie Mohammad Qasim Fahim, investieren kräftig an Massoud-Bannern, -Flyern und ähnlichem, um die eigene Despotie und Hegemonie zu legitimieren. Personen wie Fahim und Sayyaf (obwohl letzterer nicht gut mit Massoud auskam), rühmen sich mit den („Helden“-)Taten Massouds, wie viele weitere Leute aus dem Panj-Sher-Tal auch. Als ich 2004 nach Kabul flog, erlebte ich, dass nicht ein Karzai Präsident oder Machthaber war, sondern ein kleiner Junge aus dem Panj-Sher, der am Steuer seines Vans ohne Skrupel Leute überführ. Der kleine Junge war übrigens der Cousin vom Warlord Fahim.

    Ich möchte damit nicht behaupten, dass alle Menschen aus dem Panj-Sher-Tal an Verbrechen teilnahmen. Es ist eher der Missstand, sich mit den Taten eines Menschen zu rühmen, der selber keine reine Weste hatte.

    Schlussendlich kann ich als eine Person, deren Familie eher bei den Gegnern der Mujaheddin beheimatet war, kaum Interessen oder Vorteile daraus ziehen, Massoud zu verteidigen. Ich sehe in Massoud den Einäugigen unter Blinden, der wusste, dass es in seinen Reihen jede Menge schwarze Schafe gab – und dulden musste.
    Massoud ist gestorben als Shahid, als Märtyrer, wie jeder unschuldig gestorbene Mensch. Das ist kein Freischein für das Paradies, auch Massoud wird in Rechenschaft gezogen.
    Ich wage es auch, Massoud mit Daoud Khan und Najibullah auf eine Ebene zu stellen. Alle drei Personen haben Gemeinsamkeiten, sie hatten negative Eigenschaften, doch ein Interesse daran, aus Afghanistan etwas zu machen. Leider wurden alle drei ermordet, von denselben Hintermännern. Cui bono, wem nützt‘s? Den Feinden Afghanistans.

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    • Sehr geehrter Herr Ammar,

      ich bedanke mich erstmal für Ihren sehr produktiven und vorurteilsfreien Kommentar.

      Es ist nichts Neues, dass sich die Afghanen wegen Massoud gegenseitig den Kopf einschlagen. Dieser Artikel wird von vielen Anhängern Massouds sicher sehr kritisch betrachtet, doch ich habe nichts anderes getan, als Fakten zu nennen. Fakt ist übrigens auch, dass viele Afghanen ein Problem mit der Geschichtsaufarbeitung ihres Landes haben.

      Das stimmt, Gromovs Behauptungen sind keine Neuigkeiten, allerdings werden sie offiziell nur selten erwähnt. Von vielen wird die Person Massoud nämlich überhaupt nicht in Zweifel gezogen, sprich, in Frage gestellt.

      Ich will die Worte, die Ihr Onkel über Massoud gesagt hat, gar nicht in Zweifel ziehen. Als Afghane wissen Sie aber sicherlich, dass es immer wieder dieses „Mein Vater erzählte dies…“ und „Mein Onkel und Opa erzählten das…“ gibt. Auch in meiner Familie gibt es derartige Aussagen, jedoch will ich mich gar nicht auf diese stützen.

      Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir Literatur über das Massaker von Afschar empfehlen könnten. Abgesehen freut es mich, dass Sie als schiitischer Hazara mir gegenüber keine Vorurteile bezüglich dieses Themas haben. Sie verstehen sicher, dass die meisten Massoud-Anhänger, die diesen Artikel lesen, und dabei auf den Namen des Blogs achten, gleich der Meinung sind, „ein Paschtune kann nur so gegen Massoud sein“. Letztendlich haben meiner Meinung nach historische Fakten nichts mit meinen ethnischen Hintergrund zu tun.

      Massouds Warnungen bezüglich 9/11 sind bekannt. Auch Dr. Najibullah warnte einst vor arabischen Fanatikern, die den Afghanen und anderen schaden werden. Beide wurden nicht ernst genommen. Aber wie Sie sagen, lassen wir das, denn dann kommen wir wieder zu sehr vom Thema ab.

      Die Geschichte mit dem kleinen Jungen zeigt nur zu traurig, wie sehr sich manche Leute in Afghanistan mit so etwas rühmen.

      Ich hatte nie vor, die Leute aus dem Panjsher zu verallgemeinern. Wie könnte ich auch? Das wäre schlicht weg nicht in Ordnung, alle in einen Topf zu schmeißen. Fakt ist wiederum der von Ihnen geschilderte Missstand und die Unwissenheit dieser Leute.

      Von diesem Punkt aus haben Sie vielleicht Recht, wobei Sie sicher auch wissen, dass die drei ideologisch gesehen so ziemlich gar nichts gemeinsam hatten.

      Letztendlich bringt es nur den Feinden was und das ist das Problem.

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      • Wir zeigen mit derartigen Blogs und Kommentaren, dass es durchaus auch möglich ist, die eigene Geschichte aufzuarbeiten.

        Die Berichte meines Onkels sind keineswegs Geschichten, die man hier und da als Kind gehört hat, welche auch noch bewusst oder unbewusst dramatisierte Inhalte beherbergen. Ich weiß worauf Sie hinauswollen, auch diesbezüglich kann ich Ihnen meine Referenzen der Presse geben. Aus Diskretion möchte ich den entsprechenden Artikel nicht direkt verlinken, ich schicke es Ihnen per Mail.

        Zum Massaker von Afshar: „Massouds Befehle zur Beendigung des Massakers wurden missachtet. Sein heutiger Nachfolger Fahim wird verdächtigt, den Befehl nicht weitergegeben zu haben.“ Vgl. Wohlgut, Afghanistan – 30 Jahre Krieg am Hindukusch, S. 73
        Ich empfehle auch: Schetter, Conrad: Kleine Geschichte Afghanistans. 2. Aufl. München: Verlag C.H. Beck 2007

        Hazara, Taschik, Pashtun, Usbeke …, für mich, verehrter Blogger, sind das Namen in einem der schönsten Vielvölkerstaaten der Welt. Afghanistan bedeutet Vielfalt. Vielfalt benötigt Einheit, wenn wir uns hier Vorwürfe bezüglich der Ethnie machen, wie können wir dann die Zustände dort kritisieren?
        Ich muss jedoch zugeben, dass Pashtunen eine gewisse Affinität zum gegnerischen Lager Massouds nachgesagt wird – teilweise berechtigt, da die Gegner Massouds auch Pashtunen waren. Daran haben aber auch alle anderen schuld, vor allem auch der Ausland, welcher gezielt ethnische Differenzen nach dem Ausverkauf islamischer Werte geschürt hat.

        Ich bin kein Massod-Anhänger, aber auch kein Gegner. Massoud sehe ich, wie bereits erwähnt, mit Daoud und Najibullah auf einer Stufe. Gerade eben, ja obwohl diese drei Personen unterschiedliche Ideen und Werte folgten, zeigt doch, dass das Interesse der Person meinerseits nicht auf ideologischen Tatsachen fußt. Daoud Khan, Dr. Najibullah, Ahmadshah Massoud, alle drei hatten ein Interesse aus Afghanistan etwas Positives zu machen. Und Sie alle drei hatten auch erkannt, dass die Eliten des Nachbarn Pakistan, ein Feind des afghanischen Fortschritts waren. Daoud und Najib weigerten sich die Durand-Line zu akzeptieren, Massoud sah in Warlords wie Hekmatyar Lakaien saudi-pakistanischer Interessen. Die Berichte pakistanischer Soldaten im Gewand der Mujahedin sind Ihnen sicherlich bekannt. Ich habe bewusst drei unterschiedlich, aber auf eine gewisse Art gleiche Personen nebeneinander gestellt. Daoud holte den Fortschritt, Najib ließ sich nicht kaufen, Massoud war der Einäugige unter den Blinden.

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  3. Ich habe so den Verdacht das sich hier auf Deutsch 2 Afghanen im sicheren Deutschland über das Afghanistan der letzten 30 Jahre unterhalten der eine scheint Kommunist zu sein. Massoud werdet auch ihr noch nach trauern schämt euch er war ein Held! Das sage ich als Christ und Preuße!

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  4. Der Unterschied bei allen afghanischen Führern egal ob Kommunist oder Dschihadist ist und bleibt das Massoud bisher der einzige war der sich nicht verkaufen ließ. Weder Russen, Engländer, Amerikaner
    oder der Iran konnten diesen Mann für ihre Zwecke missbrauchen.
    Er wusste das andere Mujaheedinanführer von Ausländern angeheuert wurden um für deren Interessen zu handeln. Denen ging es nicht um die Freiheit und Verteidigung Afghanistans während des sowjetisch-afghanischen Krieges sondern allein um politische Macht und voralleim Reichtum.

    oder

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  5. hello,

    this looks as if there is intelligence behind this article! “ The Lion“ should not be attacked by people who have no idea what he could have done for the country and the world at large! long live lion of panjsher!!!

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  6. Ein russischer General und irgendein Amerikaner der mal ein Buch geschrieben hat behaupten das Massoud nie wirklich gegen die Soviets gekämpft hat. Und sie messen dem mehr Wert bei als Zeitzeugen Aussagen, zig Büchern und großen Publikationen in Kombination. Und dann soll ich nicht vermuten das hier schon Vorurteile vorhanden waren? Bei aller Liebe aber das kauft Ihnen niemand ab. Und kommen Sie mir bitte nicht mit Quellenangaben. Die Gegenbeweise zu ihrem Artikel können Sie selber in 5 Minuten googlen, wenn sie das möchten und dafür offen sind. (was anscheinend ja nicht wirklich der Fall ist).

    Was kommt als nächstes? Das die USA hinter 9/11 stecken und das die Mondlandung nur im Studio gefilmt wurde? Ich finde mindestens einen Belgier und einen hmm sagen wir mal Jamaikaner der genau das behauptet! Verzeihen Sie den Sarkasmus, aber es ist eine Beleidigung für die millionen toten Afghanen aus dem Krieg gegen die Sovietunion wenn jetzt Blogger behaupten das alles erfunden war.

    Die Afshar Geschichte wurde ja gut von dem anderen Kommentator wiedergegeben. In der Nordallianz waren sicher auch Parteien die Massoud als Partner akzeptieren musste um der geballten Macht Pakistans, die es immer geschafft haben die Paschtunen oder in dem Fall die Taliban anzustiften, etwas entgegensetzen zu können. Das macht Afshar nicht besser, aber auch hier kann man Massoud durchaus viel differenzierter betrachten, wenn man nicht schon vorher ein Urteil gefällt hat.

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  7. sorry, aber die geschehnisse in den frühen achzigern sind so nicht richtig wiedergegeben. egal, wer da welches interesse verfolgt, 1982 gab es in panjshir wochenlange heftige kämpfe, bombardements und gegen ende raketen- und granatenbeschuss von mit helikoptern eingeflogenen panzern und lafetten. damals wurde gekämpft und geflohen, über den parandehpass nach anderab oder über anjuman nach norden und wieder zurück. massoud war damals in panjshir, koordinierte die guerilla und kämpfte mit seinen leuten.

    also erzähle bitte nicht, er hätte damals mit den sowjets paktiert. vielleicht hat er nach dieser bombardierungswelle und der nachfolgenden invasion in den pansjshir ein waffenstillstandsabkommen geschlossen. das macht man normalerweise, wenn man nicht kapitulieren und trotzdem das überleben seiner leute sichern will.

    na ja, und dass massoud als angehöriger der jamiat-islami mit hekmatyar als chef von hezb-islami eine herzliche feindschaft pflegte, spricht erst mal nicht gegen ihn sondern zeigt die damaligen machtkämpfe, an denen sich rabbani als chef von jamiat-islami hervortat. und während beide chefs in peshawar hof hielten und auf verschiedenen ebenen kontakte pflegten, zog massoud durch afghanistan, um den widerstand zu koordinieren. das ist alles bekannt. zum helden hochgejazzt – außerhalb afghanistans – wurde massoud erst, als westliche strategen ihn für ihre propaganda brauchen konnten. in meinen augen war sein wirklicher fehler der, zu glauben, er könnte dieses interesse für sich nutzen. der ball spielt nicht, er wird gespielt.

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  8. Das sie ihn frage stellen ob er ein Held ist oder nicht ist ja nicht Verboten, aber auf Argumente zurück zugreifen, die von Rote Armee angehören abgegeben wurde ist meiner Meinung nach nicht ganz Clever. Nach der Niederlage gegen Massouds kämpfer ist es nicht verwunderlich, dass die damaligen Sovjets eher nach ausreden gesucht haben um ihr Versagen zu recht fertigen. Ich finde Massouds anstrebung auf eine Demokratie das einzig Richtige in unseren Land und alleine sein Jahrelanger Wiederstand gegen Hekmaytar (der unser Land in die Steinzeit befördert hat) macht ihn zum Helden für mich dazu kommen die Taliban, die eher die Zivilisten massakriert hben. Wobei zu bedenken ist das das hekmaytar und auch Die Taliban von Saudi-arabien und Pakistan und Katar untersützt wurden Finanziell sowie mit Waffen. Die Taliben waren nicht nur Pashtunische kämpfermillizen sondern eine von den Ausland finanzierte einheit die zu 70 prozent aus Ausländern Bestand Pakistaner waren auch in Afghanistan jede menge und haben gegen Massoud gekämpft sie wurden öffentlich von den damaligen pakistanischen Präsidenten unterstüzt siehe Quelle:,Afghanistan resistance leader feared dead in blast„ übrigens haben auch viele Pashtunen für die Nordallianz gekämpft.

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