Die Ansichten des Herrn Gauck

Vor einigen Tagen trat der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck seinen ersten Auslandsbesuch an. Da die Reise nach Israel ging, waren Medien und Politik sehr gespannt, wie Gauck zu der gegenwärtigen Lage im Nahen Osten Stellung nehmen wird. Die Antizionisten Evelyn Hecht-Galinski hatte schon während der „Grass-Problematik“ vor einigen Wochen ihre Prognose abgegeben und meinte, dass man von Gauck wahrscheinlich das hören werde, was die meisten deutschen Politiker schon in der Vergangenheit in Israel gesagt haben.

Bezüglich des umstrittenen Gedichtes von Günter Grass nahm Gauck in Israel Stellung, indem er sagte, dass es sich um die verfassten Zeilen um Grass‘ persönliche Meinung handelt, damit spreche er „nur“ für sich selbst und keinesfalls für die deutsche Nation. Gauck hat aber leider vergessen, dass sehr viele Menschen und eben auch sehr viele deutsche Staatsbürger die Meinung des Literaturnobelpreisträgers teilen. Siebzig Prozent der Deutschen sehen keine Verantwortung ihres Staates für Israel. Warum sollten sie auch? Joachim Gauck zeigte sich trotzdem besorgt darüber.

Abgesehen davon setzte sich Gauck für eine Zweistaatenlösung ein und sagte, dass man die Rechte der Palästinenser berücksichtigen muss, vor allem die israelische Siedlungspolitik müsse sich ändern. Über diese Themen sprach er auch mit dem rechtsextremen, israelischen Außenminister Avigdor Lieberman. Medienberichten zufolge, „werden die beiden in diesem Leben keine Freunde mehr“. Es war zu erwarten, dass der zionistische Hardliner Lieberman seine extremen Ansichten aufgrund der weichen Worte eines deutschen Bundespräsidenten ändern werde. Anstatt über den Rassismus innerhalb Israels zu sprechen, war Lieberman entzürnt über das Urteil eines türkischen Gerichtes. Vor einigen Tagen verurteilte jenes Gericht in Istanbul vier israelische Offiziere, die im Jahre 2010 maßgeblich an der Erstürmung der Mavi Marmara beteiligt waren und sich damit an der Ermordung von neun Friedensaktivisten schuldig machten, zu insgesamt 18.000 Jahren Haft. Lieberman bezeichnete dieses Urteil als „türkische Provokation“ und hofft, dass die anderen europäischen Staaten bezüglich dieses Themas weiterhin auf der Seite Israels sein werden.

Der israelischen Zeitung Haaretz sagte Gauck, dass der Iran im Falle einer atomaren nicht nur Israel bedrohen würde, sondern auch Europa. Andererseits glaubt er an eine diplomatische Lösung des Problems. Im Gegensatz zum israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu will Gauck nicht über eine militärische Lösung des Problems nachdenken. Dass die Sicherheit und das Existenzrecht „deutsches Staatsräson“ seien, wie es Kanzlerin Merkel einst ausdrücklich betonte, wollte Gauck nicht wiederholen. Viel mehr rückte er von der „Staatsräson-Formel“ ab und meinte, dass der Begriff an sich sehr vielschichtig sei. Leider verlor Gauck kein Wort über das mit Atomwaffen gerüstete Israel, welches nicht nur eine Gefahr für den ohnehin schon instabilen Nahen Osten darstellt, sondern auch für den Rest der Welt.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Reise war ein Besuch in die palästinensischen Autonomiegebiete. Dort besuchte Gauck unter anderem eine Mädchenschule in Nablus und sprach sich noch einmal für die Rechte der Palästinenser aus. Zum berühmten Satz seines Vorgängers Christian Wulff nahm der amtierende Bundespräsident auch Stellung. Diese Stellungnahme sorgt wieder einmal für Schlagzeilen. „Der Islam gehört zu Deutschland“, sagte einst Wulff. Gauck hätte es anders formuliert:“Die Muslime gehören zu Deutschland.“ Des Weiteren versteht er jene, die die Aussage Wulffs nicht akzeptieren wollen. „Wo hat denn der Islam dieses Europa geprägt, hat er die Aufklärung erlebt, gar eine Reformation?“, so Gauck. Herr Gauck hat wohl vergessen, dass eben dieser Islam die Religion der Muslime in Deutschland ist und damit genauso dazugehört. Dieser Islam war auch die Religion der Araber, die vor einigen hundert Jahren den Europäern wissenschaftlich gesehen weit voraus waren und diesen Fortschritt nach Europa exportierten.

Nun sind viele Muslime nicht zufrieden mit dem deutschen Bundespräsidenten. Manche werfen Gauck Geschichtsfälschung vor, obwohl er es meiner Meinung nach sicher nicht böse gemeint hat mit seiner Aussage. Grünen-Chef Cem Özdemir wiederholte, dass der Islam zu Deutschland gehöre, weil er eben die Religion von mittlerweile fast zwei Millionen deutschen Muslimen sei.

CDU-Politiker Volker Kauder ist da anderer Meinung. Der Islam gehört seiner Meinung nach eindeutig nicht zu Deutschland, die Muslime aber schon. Außerdem sollte etwas gegen dein Einfluss radikaler Islamisten auf Jugendliche getan werden. Kauder sollte sich lieber um den mittlerweile immer größer werdenden Einfluss von Neonazis an deutschen Schulen kümmern. Dort wird nämlich immer noch rechtes Gedankengut erfolgreich in Form von Musik, T-Shirts und anderen Produkten verbreitet. Dass der rechtsradikale Terror eine viel größere Gefahr ist als einige kleine, islamistische Gruppierungen, haben die jüngsten Ereignisse der Vergangenheit schon bewiesen. Dass diesem Terror leider viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, leider auch.

Während Joachim Gauck im Großen und Ganzen während seines Nahost-Besuches keinen all zu schlechten Eindruck hinterließ und auch von Merkels „Staatsräson-Formel“ abwich, hat er trotzdem mit seinen Aussagen zum Thema „Islam und Deutschland“ irritiert. Wie er wirklich dazu steht, ist immer noch nicht wirklich klar.

Zu diesem Thema werden wir bald sicherlich noch einmal Genaueres von Gauck hören, deshalb bleibt es weiterhin angespannt und spannend.

Advertisements

4 Gedanken zu „Die Ansichten des Herrn Gauck

  1. „Siebzig Prozent der Deutschen sehen keine Verantwortung ihres Staates für Israel. Warum sollten sie auch?“ Ähh – weil da mal etwas war, das heißt Holocaust. Wegen der deutschen Verbrechen möchte ich doch schwer hoffen, dass der heutige deutsche Staat immer hinter Israel stehen wird und politische Kritik auf Basis einer politischen Freundschaft formuliert.

    Gefällt mir

    • Willst du damit sagen, dass weil deutschland vor 100jahren einen Fehler gemacht hat jetzt auf alle zeit Israel unterstützen muss.
      Israel, der einzige Staat der Welt der Atomwaffen besitzt aber nicht zum internationalen Atomwaffenvertrag gehören möchte.
      Israel, der Staat, der dafür verantwortlich ist, dass jeden tag 100 von Zivilisten getötet werden.
      Israel, der Staat, der palästina gestohlen und die Bewohner abgeschlachtet hat wie es noch nie auf der Welt geschehen ist und die überlebenden in einen kleinen isolierten Gazastreifen gepackt hat, welcher täglich bombardiert wird.
      Israel, der Staat, der den Libanon seit 50 jahren bedroht, terrorisiert und zerstört. Der Beirut, das einst das Paris des nahen Osten genannt wurde, so stark zerstört hat, dass immer noch aufbauarbeiten praktiziert werden und täglich noch Leute durch die im 2006 von Israel verwendeten streubomben getötet werden.

      Wenn du mir sagen willst dass Deutschland das unterstützen muss, dann tu mir den gefallen und spring aus dem Fenster. Weil Leute wie du dafür verantwortlich sind dass täglich noch Leute durch Kriegsverbrechen sterben.

      Gefällt mir

    • D E R Holocaust, mit dem die gegenwärtige deutsche Generation so gut wie nichts zu tun hat, kann keine Rechtfertigung für eine aggressive Nahost-Politik sein.

      D E R Holocaust interessierte selbst die Juden in den 1950er nicht, bis zionistische Bewegungen merkten, dass sie daraus Profit ziehen können.

      Bevor Sie solche Behauptungen aufstellen, empfehle ich Ihnen, „Die Holocaust-Industrie“ von Norman Finkelstein zu lesen.

      Gefällt mir

  2. Pingback: Wo war die Meinungsfreiheit bei Günter Grass? | Emran Feroz's Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s