Kein Frieden in Sicht

Heute wurde in Kabul mit Arsala Rahmani eine weitere wichtige Schlüsselfigur des afghanischen Friedensrates ermordet. Rahmani wurde morgens auf dem Weg zum Parlament im Kabuler Diplomatenviertel von einem Unbekannten getötet. Der Mörder benutzte einen Schalldämpfer und schoss aus einem vorbeifahrenden Wagen. Wahrscheinlich war das Fenster Rahmanis offen, die erste Kugel traf ihn direkt ins Herz, damit war er auf der Stelle tot. Aufgrund des Straßenlärms und des Schalldämpfers will der Fahrer Rahmanis während der Fahrt nichts bemerkt haben, so bekam er auch die Ermordung nicht mit. Der unbekannte Täter konnte fliehen.

A. Rahmani

Der Paschtune Arsala Rahmani hatte zu Lebzeiten eine positive Einstellung zu den Taliban und war in ihrer damaligen Regierung Bildungsminister. Zuvor war er Religionsminister der Mujahedin-Regierung unter Rabbani. Bis zu seinem Tod schloss er sich dem Friedensrat von Hamed Karzai an, um mit den Taliban zu verhandeln. Diese hatten keinen Grund, ihren ehemaligen Gefährten zu töten und wiesen auch jede Schuld von sich. Noch bis vor Kurzem besuchte Rahmani zahlreiche Gefängnisse in Afghanistan, auch die berüchtigten Gefangenenlager der USA wurden von ihm besichtigt. Er setzte sich immer wieder für eine bessere und menschenwürdigere Behandlung der meist unschuldigen Häftlinge ein und wollte demnächst auch die US-Basis in Guantanamo besuchen.

Daran wurde er nun leider verhindert. Nach Burhanuddin Rabbani wurde somit eine weitere wichtige Figur des afghanischen Friedensrates getötet. Der große Unterschied zu Rabbani ist jedoch, dass es sich hierbei um einen talibansympathisierenden Paschtunen handelt. Abgesehen davon hatte Rahmani im Gegensatz zum Warlord Rabbani kein unschuldiges Blut an den Händen. Diesmal kann man die Tat nicht den Taliban in die Schuhe schieben, wobei man sagen muss, dass sie wahrscheinlich auch bei der Tötung Rabbanis nicht ihre Finger im Spiel hatten.

Von Rahmanis Tötung profitieren in gewisser Weise einerseits die USA, denn nun kann das umstrittene Gefangenenlager in der Guantanamo-Bucht nicht mehr besucht werden. Dass die Amerikaner direkt mit der Ermordung zu tun haben, erscheint mir unwahrscheinlich. Die USA nimmt es sich lieber vor, Handlanger für ihre Drecksarbeit zu suchen, wobei sie vorwiegend Gebrauch vom ISI machen, wenn es um Afghanistan geht.

Ein Frieden in Afghanistan liegt gegenwärtig immer noch nicht im Interesse aller Beteiligten. Einer der Staaten, dessen Interessen von diesen Frieden gestört werden, ist Pakistan. Pakistan wiederum ist, wie die Vergangenheit schon oft bewiesen hat, ein Handlanger der USA. Der pakistanische Geheimdienst ISI stiftet schon seit Ewigkeiten Unruhe in Afghanistan. Man will sich gar nicht ausdenken, wie viele ISI-Agenten sich mittlerweile am Hindukusch befinden, um dort ihre eigenen Interessen zu vertreten. Diese Agenten verstehen es natürlich auch, die afghanische Bevölkerung, sprich, Warlords und andere Überbleibsel des Bürgerkriegs, für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Mittlerweile ist es mehr als nur ein Gerücht, dass radikale, pakistanische Strömungen den Frieden in Afghanistan ernsthaft gefährden. So wurden schon in der Vergangenheit Anhänger der schiitischen Minderheit gezielt durch Selbstmordattentate getötet, obwohl die Sunniten und Schiiten in Afghanistan seit Jahrhunderten friedlich miteinander leben. Pakistanische Fanatiker, die vom ISI sowohl ideologisch als auch finanziell gefördert werden, haben sich zu diesen Anschlägen bekannt.

Es muss klar gemacht werden, dass ein Frieden in Afghanistan definitiv nicht im Interesse Pakistans liegt.  Arsala Rahmani wurde gezielt und „sauber“ ermordet, der Täter konnte problemlos fliehen. Rabbanis Ermordung wurde ebenfalls sehr präzise durchgeführt. Damals und auch heute war alles von langer Hand geplant. Es steckt mehr dahinter als ein „einfaches Attentat“.

Pakistan muss endlich alle Karten auf den Tisch legen. Solange dies nicht der Fall ist, wird es keinen Frieden in Afghanistan geben.

Links zum Thema: http://www.pajhwok.com/en/2012/05/13/senior-peace-negotiator-assassinated ; http://www.bbc.co.uk/persian/afghanistan/2012/05/120513_k01_rahmani_killing.shtml

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7 Gedanken zu „Kein Frieden in Sicht

  1. Es darf aber bitte auch nicht vergessen werden, dass der größte Stützpunkt außerhalb der USA der US amerikanischen „Blackwater“ Privat-Armee und Privat-Geheimdienst – neulich von Monsanto gekauft! – in Pakistan liegt und dass die USA in Pakistan ihre größte Botschaft unterhalten.
    Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass ISI von denen angeleitet und finanziert sind und deren dreckige Handlanger-Dienste machen.

    Die USA müssen öffentlich Friedenswillen bekunden, um die Leute „zu Hause“ zu beruhigen, benötigen jedoch Krieg, um von ihrer Krise abzulenken, ihre Waffenarsenale abzubauen und „Arbeitsplätze“ zu schaffen. Schließlich überlassen sie doch den Opiumhandel nicht den Taliban. Und dabei rede ich noch gar nicht von den Seltenen Erden in Afghanistan. Nein, die USA rücken da nicht freiwillig ab. Daran haben sie überhaupt kein Interesse! Es geht um ganz große Milliarden Geschäfte. Ein Land geht dabei vor die Hunde? Na und? Ein Volk wird dabei ausgerottet? Selber Schuld! Was müssen die auch ausgerechnet da leben, wo die USA ich-weiß-nicht-was-alles-abbauen-wollen?

    So kann ich mir lebhaft vorstellen, dass die USA über die Privatarmee und -geheimdienst auch ganz direkt den Friedensprozess immer wieder verhindern, um „friedenssichernd“ in Afghanistan ihren dreckigen Krieg und ihre genauso dreckigen Geschäfte fortsetzen zu können!

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