Abou-Nagie und die Koran-Verteiler

In Deutschland, Österreich und der Schweiz sollen in den nächsten Tage Koran-Ausgaben kostenlos verteilt werden. Nun, das stimmt nicht ganz. Nicht-Moslems erhalten den Koran gratis, Moslems müssen dafür drei Euro bezahlen. So soll die aufwändige Aktion gegenfinanziert werden.

Die Organisatoren dieser Aktion sind jene Gruppe, die von den Medien weitläufig als „Salafisten“ bekannt gemacht wurden. Ihre zentrale Figur ist der allgegenwärtig bekannte Pierre Vogel alias Abu Hamza. Eine weitere wichtige Person dieser Gruppierung ist der Palästinenser Ibrahim Abou-Nagie.

Abou-Nagies Internetseite „Die Wahre Religion“ ist schon seit 2005 online und gegenwärtig ziemlich bekannt. Vor einigen Tagen tauchte auf Youtube ein Video auf, welches Abou-Nagie zeigt. In diesem Video beruft er sich auf eine Fatwa eines islamischen Rechtsgelehrten, welche anscheinend erlaubt, Muslime, die das Beten vernachlässigen, zu töten.

Was man davon halten soll, ist fraglich. Vor allem als Moslem steht man da und wundert sich. Meiner Meinung ist es falsch, sich stets auf irgendwelche Fatwas von sogenannten Rechtsgelehrten zu verlassen. Dass ein Moslem, der nicht betet bzw. es nicht regelmäßig tut, getötet werden muss, ist mehr als nur hirnrissig. Jeder Mensch, auch ein Moslem, hat ein Hirn und sollte dieses einschalten, bevor er sich solch eine Propaganda zumutet.

Ich will aber gar nicht groß auf diese kleine Gruppe, von denen ich nicht viel halte, eingehen. Ich hinterfrage viel mehr den Sinn dieser Aktion. Anscheinend sollen 25 Millionen Koran-Exemplare in Umlauf gebracht werden. Der Koran ist das Allerheiligste eines jeden Moslems. Man darf aber nicht erwarten, dass Andersgläubige auf dieselbe Art und Weise mit diesem Buch umgehen, wie es ein Moslem machen würde. Der Koran steht in muslimischen Haushalten ganz oben auf dem Regal oder hat einen eigenen Platz. Warum sollte aber ein andersgläubiger Mensch, ein Atheist oder ein Agnostiker dem Buch den gleichen Respekt entgegen bringen? Für ihn oder sie ist es ein Buch, nicht mehr und nicht weniger. Viele Bücher landen auf Flohmärkten oder auf dem Müll. Deshalb finde ich, sollte ein gläubiger Moslem aufpassen, wem er einen Koran schenkt. Er muss bedenken, wie die Person mit dem Buch umgehen wird und ob es vielleicht nicht letztendlich an einem „falschen Platz“ landet. Allein der Gedanke, dass das Heilige Buch an einen derartigen Platz landen könnte, ist für einen gläubigen Moslem unerträglich. Haben das die Herren Vogel, Abou-Nagie und Co. etwa nicht bedacht?

Außerdem herrscht das Gerücht, der Koran sei gar nicht mit dem Original der deutschen Übersetzung zu vergleichen. „Dieser Koran sei sehr radikal übersetzt worden“, so einige Medien. Er überlasse anscheinend überhaupt keinen Interpretationsspielraum, wie es im arabischen und auch teilweise im deutschen Original der Fall ist. Ob das stimmt, kann ich nicht sagen. Während des Druckes wurde die Druckerei des Öfteren von der Kriminalpolizei sowie vom Verfassungsschutz „besucht“. Diese sind der Meinung gewesen, dass an den Koran-Ausgaben nicht auszusetzen sei.

Die Politiker regen sich trotzdem auf. Alle Parteien sind besorgt, rechtspopulistische Parteien haben wieder ein gefundenes Fressen. Dagegen unternehmen können sie trotzdem nichts. Auch die Zeugen Jehovas oder die Mormonen verteilen ihre Bücher, jede Religionsgemeinschaft darf das machen, wenn sie will. Ob die Gruppe radikal ist oder nicht, ist eine andere Frage. Auch ich bin kein Fan von Pierre Vogel und Co., Gesetz ist jedoch Gesetz.

Ich persönlich hätte das Geld nicht in 25 Millionen Koran-Exemplare investiert, sondern nach Afrika und Asien geschickt. Wie viele Moslems leiden dort an Hunger und Krieg? Die Moslems im Westen beschweren sich immer darüber. Stets wird behauptet, dass der Westen dort die Menschen ausbeutet, hungern lässt und nie etwas spendet. Gerade deshalb sollten doch die Moslems etwas tun. Aber nein, das Geld wird lieber in solch eine Aktion reingesteckt.

Allerdings wundert es mich nicht. Den saudischen Geldgebern war das Wohl der Menschen schon oftmals egal. Sie wollen lieber ihre Ideologie verbreiten, anstatt den Menschen zu helfen und waren auch diesmal erfolgreich damit.

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4 Gedanken zu „Abou-Nagie und die Koran-Verteiler

  1. „Wem nützt es?“
    Und schon weißt Du
    a) wer das veranlasst hat
    b) wer das finanziert hat und
    c) WARUM diese Aktion gestartet wurde.
    Selber denken ist erlaubt – insbesondere im Zusammenhang mit der Hetze gegen den Iran und Syrien, um den Krieg zu begründen!

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    • Cui bono – passender könnte man es nicht beurteilen. Nutzen von dieser Aktion trägt wohl kaum der Islam, geschweige denn die Muslime. Warum sollten dann Muslime derartiges tun? Es mag verschwörerisch klingen von einem Plan zu sprechen, der in dieser Aktion auch nur einen weiteren Dominostein sieht, um Ziele zu erreichen. Auf einer Aktion folgt bekanntlich eine Reaktion. Doch vorsicht: Wo Ursache und Wirkung ihren Ursprung haben, sollte nie vergessen werden.

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  2. Wolken sind schon lange aufgezogen, seit ein paar Monaten hört man den Donner des „Zusammenpralls der Zivilisationen“.
    Der oft diskutierte Fall jenes Zusammenpralls kommt einem angesichts der absurden Gegebenheiten wie die Koranverteilungs-Aktion schon fast inszeniert vor. Wenn man mutmaßen darf ist es gar beispielhaft, wie jener Zusammenprall vonstatten läuft. Die Fronten werden klarer: Muslimische Fanatiker laufen durch deutsche Innenstädte und verteilen ein 1400-jahre altes Buch für Lau an den deutschen Michel. Der Aufschrei ist groß, die Angst vor der Islamisierung Deutschlands wächst immer mehr. 25 Millionen Koran-Exemplare (!), etwas über ¼ der Bevölkerung Deutschlands wäre infiziert. Die Frage ist, wovon?
    Zwar behaupten Muslime, der Koran sei heilig, doch als Muslim habe ich noch nie davon gehört, dass ein Koran-Exemplar sich aus der Ecke des Hauses von alleine erhob und Anwohner angegriffen hätte. Bedauerlicherweise verkümmern Koran-Exemplare in vielen muslimischen Haushalten weltweit an einem Platz und werden selten geöffnet, geschweige denn gelesen. Noch bedauernswerter ist es, wie schon der verehrte Blogger berichtet, wie wohl Nicht-Muslime, die vor allem von den Salafisten am ehesten beworben werden sollen, mit solch einem Koran-Exemplar umgehen könnten. Ist das im Sinne des Islams? Ist es sonst nicht gerade eine Praktik der Salafisten, in aller Schnelligkeit den Vorwurf der Sünde zu äußern?
    Ich möchte nur ungern die Worte des verehrten Bloggers wiederholen, der die enormen Summen für die Ausgabe jener Koran-Exemplare nicht sinnvoll im Sinne des Korans hätten einsetzen können. Überall auf der Welt verhungern Menschen, während hierzulange Koran-Exemplare verteilt werden, die doch heutzutage jeder Online einsehen könnte! Ein Mensch der mit vollem Magen schlafen geht, während sein Nachbar hungert, der ist kein Muslim. Wenn die Geldgeber dieser Salafisten, die Machthaber in Saudi-Arabien weiterhin in Saus und Braus leben, hierzulande Koran-Exemplare verteilen, sind das dann Muslime? Sie haben nicht einmal ein einziges Koran-Exemplar verstanden und verschenken anderen gleich Millionen davon!
    Eines sollte sich jeder Bundesbürger fragen: Ist die Freundschaft unserer Bundesregierung mit dem Gewaltregime Saudi-Arabien nicht von einer Doppel-Moral geplagt? Wir verkaufen Panzer und andere Tötungsmaschinen, sie geben uns Öl und gewaltbereite Fanatiker mit 25 Millionen Koran-Exemplaren, Fanatiker in Afghanistan und an vielen anderen Orten der Welt.

    Was übrig bleibt, ist der unbescholtene Muslim, der sich tagtäglich für seine Religion rechtfertigen muss. Der tagtäglich diesem (Schau-)Spiel des Zusammenpralls der Zivilisationen mitanschauen muss und sich fragt: „Wo ist meine Rolle? Warum wird über mich geredet, nicht mit mir?“

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