Grass darf nicht mehr nach Israel

Literaturnobelpreisträger Günter Grass darf aufgrund seines Gedichtes tatsächlich nicht mehr nach Israel reisen. Grass wurde vom israelischen Innenministerium zur Persona non grata erklärt.

Wer hätte gedacht, dass die israelische Regierung so weit gehen würde?
Eli Jischai, Israels Innenminister, ist der Meinung, dass Grass seine absurden Thesen weiterhin gerne vom Iran aus verbreiten dürfe. In Israel sei er aber unerwünscht.

Israel erklärte in der Vergangenheit schon einige Kritiker zur Persona non grata. Manche zu Recht, manche wiederum nicht. So war unter anderem auch der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider bis zu seinem Tod unerwünscht. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die israelische Regierung auch nicht davon absieht, gegen jüdische Kritiker wie Norman Finkelstein ein solches Einreiseverbot zu verhängen.

Günter Grass ist sicherlich nicht mit Jörg Haider gleich zu stellen. Während der eine mehr oder weniger in aller Öffentlichkeit über Juden schimpfte, lässt sich im Gedicht des anderen keine einzige antisemitische Passage finden. Auch in der Vergangenheit hat sich Grass kein einziges Mal antisemitisch geäußert. Die einzige Tatsache, die ihm stets zur Last gelegt wird, ist seine SS-Vergangenheit. Grass selber beteuerte immer wieder, dass er sich damals nicht freiwillig zu diesen Dienst gemeldet hat und von keiner einzigen Waffe Gebrauch gemacht hat. Seine Kritiker sind da anderer Meinung. Sie sind fest davon überzeugt, dass der damals 17-jährige Günter Grass sich freiwillig für die Waffen-SS zur Verfügung stellte und aus antisemitischen Gründen handelte. Dieser angebliche Antisemitismus soll ihm anscheinend bis heute erhalten geblieben sein, weshalb er letztendlich sein umstrittenes Gedicht schrieb. „Der Antisemitismus wollte einfach raus!“, schrieben manche Journalisten als Reaktion darauf.

Ich verstehe immer noch nicht, welcher Teil von „Was gesagt werden muss“ in auch nur irgendeiner Weise antisemitisch sein soll.

Rechtsgerichtete, israelische Politiker wie Außenminister Avigdor Lieberman sind erfreut über das Einreiseverbot. Es ist eine Schande, dass Menschen wie Lieberman, die sich öffentlich rassistisch und herabwürdigend gegenüber Arabern und Moslems äußern, von den westlichen Medien so gut wie nie kritisiert werden, während der Realist Grass regelrecht von allen Seiten zermürbt wird.

Zur Erinnerung: Avigdor Lieberman und seine ultra-orthodoxe Partei Yisrael Beiteinu sind regelrecht „scharf“ auf einen Krieg mit dem Iran. In der Vergangenheit ließ Lieberman oft rassistische Bemerkungen fallen. So stellt er die Glaubwürdigkeit jedes arabischstämmigen Israelis in Frage und würde sie im Falle eines Falles auch ausbürgern und abschieben lassen. Sogar einige israelische Medien bezeichnen Lieberman als rassistisch und faschistisch und vergleichen ihn mit europäischen Rechtspopulisten wie Haider oder Le Pen.

Den palästinensischen Staat würden Lieberman und seine Kollegen sowieso nicht anerkennen. Da soll noch einmal jemand behaupten, solche Kriegstreiber seien keine Gefahr für den Weltfrieden.

Es ist unfassbar, dass ein Land wie Israel, in dem angeblich Demokratie und Meinungsfreiheit so groß geschrieben werden, derart handelt. Dieses Vorgehen gegen Grass bestätigt wieder einmal, dass die israelische Regierung keine andere Meinung hören will. Man macht es sich einfacher, indem man den Kritiker einfach nicht mehr ins Land lässt und als Nazi und Antisemiten abstempelt.

Der Westen will uns immer wieder weismachen, dass Israel die einzig wahre Demokratie im Nahen Osten sei. Der heutige Tag hat uns eines Besseren gelehrt und gezeigt, dass im ach so liberalen Israel keine realistischen und kritischen Meinungen erwünscht sind.

UPDATE: Israels Innenminister Jischai setzt noch einen drauf und will Günter Grass den Literaturnobelpreis aberkennen lassen, als ob er dazu in der Lage wäre. Der ganze „Skandal“ wird von Tag zu Tag abstruser. Mittlerweile zeigen sich auch einige deutsche Politiker kritisch gegenüber Israels Maßnahmen.

Advertisements

2 Gedanken zu „Grass darf nicht mehr nach Israel

  1. eine iranische journalistin sagte, sie hätte nichts gegen das amerikanische volk, jedoch etwas gegen die amerikanische regierung. worauf eine amerikanische feministin erwiderte: “ Die regierung wird vom volk gewählt. somit ist die regierung das volk.“
    mir geht deshalb ein gedanke durch den kopf: wenn israel eine demokratie ist, so wird die regierung offenbar vom israelischen volk gewählt. wie sehr kann man davon ausgehen, dass da geschwindelt wird? oder teilt das israelische volk die ansichten der israelischen regierung?
    ich muss zu deinem beitrag noch hinzufügen: grass bezeichnet den staat israel als gefahr für den weltfrieden, behauptet jedoch nur die regierung zu meinen. ich kann keineswegs behaupten, dass grass nicht antisemitisch ist, ich kenn diesen mann nicht und ich kenne seine ansichten nicht, darum steht mir dieses recht nicht zui allerdings kann ich dir nur zustimmen, dass es heutzutage unmöglichen ist israel in irgendeiner form zu kritisieren ohne als antisemitisch abgestempelt zu werden.
    was den begriff angeht: wenn man schon menschen nach rassen einteilt, so sollte man vielleicht bedenken, dass araber im grunde auch „semitisch“ sind. wieso bezieht sich dieser begriff nur auf juden? fakt ist im nahen osten ist von demokratie nicht viel zu sehen, auch nicht in israel. dies ist ein weiterer versuch der israelischen regierung einen intelligenten menschen in der öffentlichkeit so negativ wie möglich darzustellen und ihre aggression gegenüber dem iran zu rechtfertigen

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Währenddessen in Israel und anderswo | Emran Feroz's Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s