Günter Grass – ein antisemitischer Nobelpreisträger?

Der deutsche Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat vorgestern durch ein Gedicht, was gar nicht so lyrisch ist und sich auch nicht wirklich reimt, einen weltweiten Skandal ausgelöst.

GERMANY GUENTER GRASS POEM

In dem Gedicht namens „Was gesagt werden muss“ wollte der mittlerweile 89-jährige Künstler seine Meinung über die gegenwärtige Lage im Nahen Osten kundmachen und ging insbesondere auf die Spannung zwischen Israel und dem Iran ein. Grass nahm es sich nicht vor, die israelische Regierung deutlich zu kritisieren. Der besagte Text wurde von drei großen Tageszeitungen, darunter der Süddeutsche Zeitung, weltweit veröffentlicht.

Innerhalb von nur wenigen Stunden nach der Veröffentlichung wurde Günter Grass von den Medien regelrecht „zerfetzt“ und zahlreiche Kritiker fielen über ihn her. Die israelische Regierung um Benjamin Netanjahu war und ist immer noch wütend über die angeblich falsche Darstellung der Lage. Verschiedenste Historiker und Politiker sind der Meinung, dass Grass „die Tatsachen verdrehe“ und „keinerlei Ahnung von der politischen Lage im Nahen Osten habe“. Der stets meckernde Publizist Henryk M. Broder hat sich sofort wieder wichtig gemacht, indem er mit einem eigenen Gedicht geantwortet und behauptet hat, Grass „habe schon immer etwas gegen Juden gehabt“. Außerdem beschimpfte er Grass als „Prototyp eines gebildeten Antisemiten“. Andere wiederum bezichtigen Günter Grass ganz direkt des Antisemitismus und meinen, dass es gar nicht anders sein könne, da Grass als 18-jähriger der deutschen Waffen-SS diente.

Um genau zu sein, fällt im Gedicht Grass‘ keine einzige antisemitische Bemerkung. In meinen Augen kritisiert er nur zu Recht die zionistische Regierung des israelischen Staates. Demnach ist er kein Antisemit, sondern ein Antizionist. Leider gibt es immer noch genug Menschen, die denken, das sei ein und dasselbe, vor allem in Israel. Des Weiteren kritisiert Grass die Rolle Deutschlands im gegenwärtigen Konflikt und will damit an die umstrittenen U-Boot-Lieferungen an Israel aufmerksam machen. Außerdem betrachtet der Nobelpreisträger die israelische Regierung als Gefahr für den Weltfrieden.

Warum das so ist, dürfte wohl auf Hand liegen. Fakt ist nämlich, dass bis heute nicht bewiesen wurde, ob der Iran im Besitz von Atomwaffen ist oder nicht. Im „besten Fall“ hätte der Iran „nur“ eine Atombombe, was nichtsdestotrotz ziemlich unwahrscheinlich ist. Israel hingegen besitzt mehrere Dutzend atomare Sprengköpfe. Israel lässt sein Atomprogramm nicht bewachen. Der Iran verhält sich in dieser Hinsicht nicht anders, ist aber kompromissbereit. Israel droht immer wieder mit einem militärischen Angriff und würde dadurch die ohnehin schon schlechte Lage im Nahen Osten extrem destabilisieren. Es würde zu einem Chaos kommen und zu zahlreichen zivilen Opfern. Die iranische Regierung hingegen hat Israel kein einziges Mal mit einer Zerstörung oder Ähnlichem gedroht. Die meisten westlichen Politiker, Journalisten und Historiker behaupten dies immer wieder und berufen sich auf diversen Übersetzungen von Ahmadinejads Reden. Ich empfehle diesen Herrschaften, Persisch zu lernen, bevor sie solche Behauptungen aufstellen. Obwohl ich bei bestem Willen kein „Fan“ der iranischen Regierung bin, muss ich mich in dieser Hinsicht auf die Seite der Iraner schlagen, sprich, ich muss mich schlicht und einfach an die Fakten halten.

Die meisten Medien sind gar nicht wirklich auf den Inhalt des Gedichtes eingegangen, sie wollten Günter Grass sofort den Kopf einschlagen und ihn als Antisemiten darstellen. Die Antisemitismus-Keule ist mittlerweile Gang und Gebe, wenn es um israelkritische Aussagen geht. Tatsächlich hat Grass die jüdische Religion in keinster Weise herabgesetzt oder beleidigt. Er wollte nur auf gewisse Tatsachen aufmerksam machen und eine Debatte auslösen. Stattdessen wetterten die deutschen Medien gegen ihn.

Grass‘ einziger Fehler war es, von „Israel“ zu schreiben, obwohl er damit nur die israelische Regierung meinte. Das hat er auch gestern Abend in den Tagesthemen gegenüber Tom Buhrow zugegeben. Seine Worte will Günter Grass auf keinen Fall zurücknehmen. Dass er als „Antisemit“ beschimpft wird, sei mehr als „absurd“, so Grass.

Das Wort „absurd“ passt übrigens perfekt zu der medialen Hetzkampagne gegen einen Menschen, der nichts Weiteres tat, als von dem Recht der Meinungsfreiheit Gebrauch zu machen, um gewisse Tatsachen und Fakten bei ihren Namen zu nennen.

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8 Gedanken zu „Günter Grass – ein antisemitischer Nobelpreisträger?

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