Der neue Antisemitismus

Die gegenwärtige Kampagne gegen Literaturnobelpreisträger Günter Grass zeigt, wie schnell die Medien eine Person als „Antisemit“ abstempeln, ohne dies in irgendeiner Weise zu hinterfragen.

Die meisten Menschen, egal ob Araber, Europäer oder sogar Israelis, die gegen die israelische Regierung und deren Politik sind, werden per Schnellverfahren als Antisemit abgestempelt oder als „Feind des jüdischen Volkes“ diffamiert. Viele Medien beteiligen sich gerne an derartigen Hetzkampagnen. Hauptsache der Kritiker, in diesem Fall Grass, wird so schnell wie möglich mundtot gemacht und nicht mehr ernst genommen. Günter Grass hat sich jedoch gestern Abend noch einmal verteidigt und meinte, dass viele Menschen ihm E-Mails schreiben und der gleichen Meinung sind. Die Medien berichten nur nicht darüber.

Nun fällt auch mir auf, dass in den meisten Internet-Foren tatsächlich viele Menschen auf der Seite des Nobelpreisträgers stehen und dessen Meinung ausdrücklich teilen.

Trotzdem wollen einige Menschen das nicht einsehen. So schreibt Josef Joffe von „Der Zeit“, dass Grass ein „unterbewusster Antisemit“ sei und dass „einfach alles raus will“. „Sigmund Freud würde sich freuen, denn Grass‘ Gedicht liefere Einblicke in dessen Unterbewusstsein“. Auf so etwas Lächerliches muss man erst kommen. Was sich der Zeit-Herausgeber hierbei gedacht hat, ist mir ein Rätsel.
Die deutsch-französische Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld vergleicht das Gedicht Grass‘ sogar mit einer Rede von Adolf Hitler. Man darf nicht vergessen, dass diese Frau gerade erst vor kurzem noch vor hatte, deutsche Bundespräsidentin zu werden. Obwohl sich Die Linke als eine der wenigen Parteien teilweise auf der Seite von Grass stellt, zeigt sich ihre ehemalige Spitzenkandidatin dermaßen unverschämt und respektlos.
Anshel Pfeffer, der für die israelische Zeitung „Haaretz“ schreibt, ist der Meinung, dass Grass im Prinzip über „so etwas“ gar nicht schreiben dürfe und blickt auf dessen SS-Vergangenheit zurück. Des Weiteren unterstützt er die Aussagen von Broder und anderen Kritikern, die Grass ebenfalls als Antisemiten beschimpften.

Für all diese Kritiker und vor allem für die israelische Regierung ist Günter Grass ein „neuer Antisemit“. Der „neue Antisemit“ ist nicht jemand, der gegen den einzelnen Juden ist, wie es vor und während des Zweiten Weltkriegs der Fall war. Nein, der „neue Antisemit“ ist jemand, der angeblich alte Vorurteile mit neuen vermischt und gegen die jüdische Gesellschaft im Ganzen ist, sprich, gegen Israel.

In meinen Augen ist der „neue Antisemitismus“ nichts weiter, als eine Erfindung der israelisch-zionistischen Regierung. „Neue Antisemiten“ werden demnach schnell in ein „rechtes Eck“ gedrängt, um möglichst mundtot gemacht zu werden. Dies zeigt sich sehr gut in der Dokumentation „Defamation – Spurensuche einer Verleumdung“ des israelischen Regisseurs Yoav Shamir, die ich nur weiter empfehlen kann. In der Doku kann man unter anderem sehen, wie der Filmemacher eine Gruppe von israelischen Schulkindern nach Ausschwitz begleitet. Diese israelischen Jugendlichen trauen während ihres Aufenthaltes in Polen nachts nicht auf die Straße, weil ihnen gesagt wurde, dass die meisten Menschen dort Nazis seien, stets Juden diskriminieren und Jagd auf sie machen. Als ein polnischer Herr auf der Straße einem israelischen Mädchen sagt, dass er kein Englisch könne, meint ihr männlicher Klassenkamerad, dass er sicher „Scheißjude“ gesagt habe. Die Klasse wird von einem ehemaligen Mossad-Agent begleitet, dessen Meinung klar und deutlich im Film hervorgeht.
Im Film sieht man auch, wie jüdische Kritiker von israelischen Politikern und anderen „Würdenträgern“ schnell mundtot gemacht werden. So verlor der bekannte Antizionist Norman Finkelstein, Autor des Buches „The Holocaust Industry“, seinen Job an der Universität. Außerdem darf er nie wieder nach Israel reisen und sieht während des Interviews mit Shamir sichtlich angeschlagen aus, nahezu am Rande des Wahnsinns. Man erkennt, dass diese Person tatsächlich erfolgreich „geschlagen“ gemacht wurde. Finkelstein wurde zum „verrückten Antisemiten“ degradiert, obwohl er selber Verwandte während des Holocausts verlor. Abgesehen davon war seine Kritik, die insbesondere durch seine Bücher hervor ging, mehr als berechtigt.
Auf der anderen Seite sieht man die zionistischen Fanatiker der Anti-Defamation League unter Abraham Foxman. Diese Leute machen deutlich, dass sie gegen alles vorgehen werden, was auch nur in geringster Weise gegen Israel sein könne. Auch gegen die eigenen Leute.

Die Paranoia der Menschen, die Grass als „neuen Antisemiten“ darstellen oder ihn sogar mit Adolf Hitler vergleichen, ist mehr als beängstigend. Fakt ist, dass Grass weder ein Antisemit noch ein Faschist ist, sondern nur ein Realist, der auf die nukleare Gefährlichkeit des israelischen Staates aufmerksam machen will.

Mittlerweile merkt man jedoch, dass sehr viele Menschen hinter Günter Grass stehen, auch wenn die meisten Medien das nicht wahrhaben wollen. Diese Menge wird einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, damit es letztendlich zu einer Debatte kommt.

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8 Gedanken zu „Der neue Antisemitismus

  1. Herr Grass lebt in Deutschland und hier ist die Meinungsfreiheit gottsei dank im Grundgesetz festverankert.
    Ich stehe hinter Herrn Grass!!!
    Und könnte noch weiter ausholen!!

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  2. Schön, dass Günter Grass eine Steilvorlage für jede Art von Satire geliefert hat:
    Es wäre ja wirklich eine Ironie des Schicksals, wenn es den “Juden” (Israelis) gelänge, die ersten und letzten Arier dieser Welt (Iraner = “Arier”) mit Atombomben auszulöschen (oder umgekehrt: wenn die Iraner Hitler zu Ende führen würden).
    Mein Gott, in was für einer primitiven Welt überall (mit Begriffen wie “Juden”, “Deutschen”, “Arier”, “Iraner”, etc.) muss ich denn überhaupt leben?
    Schafft endlich alle Nationen und “Rassen” ab (sowie jegliches Denken, das mit Begriffen wie “Juden”, “Arier”, “Deutschen” etc. zu tun hat!).

    Ich will endlich einmal in einer Welt leben ohne diesen jüdisch-christlich-muslimisch-kapitalistisch-kommunistischen Blödsinn und Schwachsinn überall!!!
    Jede Religion (auch die jüdische als die älteste…) ist nicht Opfer, sondern Täter!!
    Nehmt euch mal die Amazonas-Indianer (Pirahas) zum Vorbild: die kennen keine „Geschichte“, keine Mathematik und auch keine Ökonomie — und daher auch keine industriell organisierten Kriege und Genozide (etc.).
    Diese Leute sind viel zivilisierter als alles, was ich mir anhören muss auf der (fast) ganzen Welt!

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  3. In dem Gedicht, um das es hier geht, über das alle reden, das ich bisher nur auf Englisch fand, heißt es unter anderem:

    Because it must be said
    what tomorrow will be too late;
    Because – as Germans and with
    enough faults on the back –
    we might also become deliverers of a predictable
    crime, and no excuse would erase our complicity.

    „Weil es gesagt werden muss,
    was morgen zu spät sein wird;
    Weil – als Deutsche und mit
    genug Fehlern in der Vergangenheit –
    könnten wir auch Lieferanten eines voraussagbaren
    Verbrechen werden und keine Entschuldigung wird unsere Komplizenschaft ausradieren.“

    In einem Artikel auf Spiegel online schrieb Jakob Augstein (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,826163,00.html) zu diesem Gedicht unter anderem:

    Es muss uns nämlich endlich einer aus dem Schatten der Worte Angela Merkels holen, die sie im Jahr 2008 in Jerusalem gesprochen hat. Sie sagte damals, die Sicherheit Israels gehöre zur deutschen „Staatsräson“. Und damit es keine Missverständnisse gebe, fügte sie hinzu: „Wenn das so ist, dann dürfen das in der Stunde der Bewährung keine leeren Worte bleiben.“

    Helmut Schmidt hat dazu gesagt, für Israels Sicherheit mitverantwortlich zu sein, sei eine „gefühlsmäßig verständliche, aber törichte Auffassung, die sehr ernsthafte Konsequenzen haben könnte.“ Wenn es zum Krieg zwischen Israel und Iran käme, „dann hätten nach dieser Auffassung die deutschen Soldaten mitzukämpfen“. Die Israelis halten Deutschland seitdem neben den USA für das einzige Land, auf das sie sich verlassen können.

    Und dieses Szenario ist bereits seit Ende 2011 in voller Vorbereitung – und natürlich schweigen „die Medien“ darüber. Und wieder hat keiner was gewusst!

    http://hesikamiscellaneous.wordpress.com/2012/02/03/us-truppen-gehen-nach-israel-israelische-soldaten-nach-deutschland/

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  4. Pingback: Wo war die Meinungsfreiheit bei Günter Grass? | Emran Feroz's Blog

  5. Pingback: Hier Antisemitismus, dort Antisemitismus | Emran Feroz's Blog

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