Die geklauten Marokkaner

Dieses Mal nehme ich es mir vor, einen kurzen Beitrag abseits des Nahen Ostens oder Afghanistans zu schreiben.

Gegenwärtig findet in der Tiroler-Landeshauptstadt Innsbruck Wahlkampf statt. Die Stadt ist mit diversen Wahlplakaten aller Art überdeckt. Da gibt es Die Grünen mit ihren typisch liberalen Sprüchen, die ÖVP mit ihren etwas konservativeren, die Senioren-Partei konnte es sich ebenfalls leisten, das ein oder andere Plakat aufzuhängen aber im Vergleich zu jenen der FPÖ, verblassen so ziemlich alle Gegenkandidaten.

Die Freiheitliche Partei Österreichs ist im In-und Ausland dafür bekannt, mit rechtspopulistischen Sprüchen auf Wählerfang zu gehen. Wenn ich in Deutschland bin, fragen mich meine Freunde und Verwandte oft, ob die Lage in Österreich wirklich „so schlimm“ sei. Ich muss dann erst ein paar Mal nachfragen, bis ich verstanden habe, was sie meinen.

Mit „Daham statt Islam“, „Pummerin statt Muezzin“ und ähnlichen Wahlkampf-Slogans hat sich die FPÖ schon in der Vergangenheit einen Namen gemacht. Verschiedene FPÖ-Mitglieder haben schon des Öfteren fremdenfeindliche Bemerkungen von sich gegeben, ohne sich dafür zu entschuldigen.
So beschimpfte einst die FPÖ-Politikerin Susanne Winter, die gegenwärtig im Nationalrat sitzt, den islamischen Propheten Mohammad auf das Übelste und beleidigte damit so ziemlich jeden Moslem in Österreich. Des Weiteren meinte sie einmal während eines Interviews, dass das Wort „Neger“ für sie kein Schimpfwort sei und sie es in Ordnung finde, wenn ein Wirt solche Menschen, sprich, Dunkelhäutige, nicht bedienen wolle. Winters Mann ist ein bekannter Neonazi, ihr Sohn ist ebenfalls bei der FPÖ tätig und bezichtigte Moslems der Sodomie. Für diese rassistische Aussage wurde er von einem Gericht bestraft. Im Großen und Ganzen hat es die ganze Familie in sich.

Solche Leute lassen sich schnell und einfach in der FPÖ finden. Parteichef Heinz-Christian Strache, ein gelernter Zahntechniker, der durch umstrittene Jugendfotos, die ihn angeblich „nur beim Paintball-Spielen“ zeigen, berühmt wurde, verteidigt „seine Leute“ stets.

Die FPÖ beharrt immer wieder auf die „Verteidigung des Abendlandes“ und warnt vor einer „schleichenden Islamisierung Europas“. Auch ihr neuester Spruch hat es wieder einmal in sich und sorgt für viel Empörung.

„Heimatliebe statt Marokkaner-Diebe“ kann man nahezu in allen Straßen Innsbruck lesen. Die FPÖ will sich mit diesem Slogan auf die sogenannte „Nordafrikaner-Szene“ in Innsbruck beziehen. Diese stadtbekannten, jungen Männer stammes großteils aus Marokko oder Algerien und sind Asylanten.“Asylanten“ – ein weiteres Wort, welches die FPÖ sofort mit etwas schlechtem assoziiert. Nun liegt es auch auf der Hand, dass der ein oder andere dieser jungen Marokkaner mit „Drogen dealt“ und kriminell tätig ist. Das gibt aber der FPÖ nicht das Recht, alle Marokkaner als Diebe abzustempeln. Wie sollen sich jene Österreicher mit marokkanischem Migrationshintergrund verantworten, wenn ihre Kinder nun in der Schule als „Marokkaner-Diebe“ gehänselt werden? Was denkt sich die FPÖ eigentlich dabei?

Abgesehen von diesen Kriterien sollte die Partei ihren Spruch noch einmal überdenken, denn was verstehen „die Blauen“ eigentlich unter „Marokkaner-Diebe“? Hat jemand Marokkaner gestohlen? Falls ja, muss doch dringend dagegen vorgegangen werden!

Die FPÖ klagt immer wieder über die angeblich so schlechten Deutschkenntnisse der Migranten in Österreich. Ich würden Herrn Strache und Co. einmal empfehlen, selber einen Deutschkurs zu besuchen, damit sie ihre Plakate in Zukunft grammatikalisch korrekt schreiben können.

Dort würden sie dann sogar mit den „Marokkaner-Dieben“ sowie mit anderen „bösen“ Asylanten und „Sozialschmarotzern“ und wie sie alle heißen in einer Klasse sitzen.

Mittlerweile hat der FPÖ-Spitzenkandidat für Innsbruck, Hotelier August Penz, sich öffentlich entschuldigt. Er „wurde in eine Ecke gedrängt und wollte das marokkanische Volk auf keinen Fall beleidigen“. Die insgesamt 33 Plakate in Innsbruck wurden entfernt.

Advertisements

3 Gedanken zu „Die geklauten Marokkaner

  1. Das<Problem ist, dass die Marokkaner hier in Europa keine Diebe sind. Vielleicht Haschichverkäufer das hätte gepasst aber Diebe stimmt überhaupt nicht. Heutzutage leben viele Europeer in Marokko ohne Probleme. Marokko ist ein fiedliches touristisches Land. Rassisten sind unzufriedene böse Menschen.

    Gefällt mir

  2. das ist so lächerlich und niveaulos – typisch FPÖ! mittlerweile ignoriere ich so etwas, die verdienen es ja nicht einmal, dass man ihre plakate anschaut geschweige denn sich drüber den kopf zu zerbrechen. es ist allerdings sehr bedauernswert, dass im gegensatz zu deutschland österreich absolut nicht mit der vergangenheit abschließen kann. ich denke in deutschland wird mit dem thema nationalsozialismus viel besser umgegangen als hier. es ist schade, dass die plakate die mehrheit der bevölkerung keineswegs stört und es ist noch schlimmer, dass die FPÖ so viele wähler hat. ich würde so weit gehen und behaupten, dass die FPÖ nur gegenüber muslimen so rassistisch ist, sie verschaffen sich ein feindbild, machen den leuten angst und rufen dazu auf, die bösen muslime zu verjagen. in österreich sollten die alarmglocken läuten. denn wie hats denn vor knapp 60 jahren angefangen? juden als feindbild? sind es heute die muslime? wo bleiben sie denn, die „intellektuellen“ mit sprüchen wie “ aus fehlern soll man lernen!“?

    Gefällt mir

  3. Pingback: Der Friedensnobelpreis und die EU | Emran Feroz's Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s