Der „Verrückte“ heißt Mohammed M. – „Al-Qaida-naher Islamist“

Das Worst-Case-Szenario schlechthin ist eingetreten. Als ich in meinem letzten Artikel schrieb, was wohl los wäre, wenn der Toulouse-Attentäter ein Moslem sei, hätte ich wirklich nicht im Traum daran gedacht, dass sich dies bewahrheiten könne.
Medienberichten nach soll es sich bei jener Person, die drei Schulkinder, einen Rabbi und drei französische Soldaten auf dem Gewissen hat, um einen Franzosen mit algerischer Mutter handeln.

Der Mann namens Mohammed Merah soll aus Rache gehandelt haben. Er tötete die jüdischen Schulkinder nur, weil tagtäglich palästinensische Kinder ebenfalls ermordet werden. Die dunkelhäutigen Soldaten, die im Prinzip die selben Wurzeln haben wie er, seien getötet worden, weil sie einst in Afghanistan stationiert waren.
Und wenn wir schon bei Afghanistan sind: In den letzten Tagen habe ich nahezu ausschließlich über das Massaker von Kandahar geschrieben. Wer hätte gedacht, dass ich bei diesem Thema hier noch einmal auf Kandahar kommen muss? Mohammed Merah befand sich nämlich französischen sowie afghanischen Quellen nach einst in einem Gefängnis in Kandahar. Er wurde in Afghanistan festgenommen, weil er in der Lage war Bomben zu bauen. Außerdem habe er in Trainingscamps entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze trainiert haben, von den westlichen Medien gerne „Terrorcamps“ genannt.
Merah gelang es allerdings bei einem Massenausbruch aus dem dem Gefängnis zu fliehen. Als ich das alles las, musste ich es erst einmal verarbeiten.

Gegenwärtig hat sich der mutmaßliche Täter in seinem Haus verschanzt. Die Polizei belagert ihn schon den ganzen Tag. Schüsse wurden abgefeuert. Dann hieß es, er sei gefangen worden. Nun wurde seine Gefangennahme dementiert und die Belagerung der Polizei wird fortgesetzt. Merahs Mutter, sein Bruder und dessen Freundin befinden sich in Polizeigewahrsam. Der Inlandsgeheimdienst soll Merah und dessen Bruder jahrelang bewacht haben. Dieser hat die zwei Brüder als „kriminell, aber harmlos“ eingestuft, sprich, der Geheimdienst hat sich nicht groß um sie gekümmert. Merah hat anscheinend selber seine Taten zugegeben, indem er mitten in der Nacht eine Journalisten von France 24 angerufen hat und ihr elf Minuten lang den genauen Tathergang beschrieb und behauptete, dass er der Gesuchte sei.

Egal aus welchen Motiven Merah gehandelt hat, seine Tat ist zu verurteilen. Wer Unschuldige ermordet, hat auch eine dementsprechende Strafe zu erwarten. Vor allem, wenn es sich bei den Opfern um Kinder handelt. Nichts und niemand kann solch eine Tat entschuldigen.

Trotzdem ist es schade, wie schnell solch eine Tat für politische Zwecke missbraucht wird. Die rechts-populistische Front National in Frankreich hat sofort mit ihren Finger auf alle Araber und Moslems gezeigt. Natürlich war nichts anderes zu erwarten. Merah hat den Ruf eines gesamten Kulturkreises geschadet. Für rechte Blogs etc. ist die ganze Geschichte ein gefundenes Fressen. Ein Mann namens Mohammed der jüdische Kinder ermordet hat, für die rechte Szene in Europa eine weitere Bestätigung für ihr Klischee gegenüber Moslems.
Die Massenmedien reagieren wie erwartet. Vor zwei Tagen wurde fast nur am Rand über die Tat berichtet. Nun liest man Schlagzeilen wie „Wer ist der Islamist?“ oder „Steckt Al-Qaida“ dahinter? Es werden wie am Laufband Artikel und Sondersendungen über den Täter, den Islam und dessen Beziehung zu Juden und über Dschihadisten-Netzwerke produziert. Nun ist sogar offiziell von einem „Terroristen“ die Rede.

Wir dürfen gespannt sein, wie dieses Geschehen, das mit solch einem traurigen Ereignis begann, weitergehen wird. Der Täter muss auf jeden Fall gerecht bestraft werden, doch kann es auch bei ihm der Fall sein, dass er als „geisteskrank“ abgestempelt werden kann?  Kann er in die Klapsmühle kommen, wie es bei Anders B. Breivik vielleicht der Fall sein wird oder wird bei Merah im vorhinein so etwas gar nicht in Frage gestellt, weil er ein „Islamist“ ist?

Die Medien sind ebenfalls alles andere als transparent. Wenn in Europa Kinder durch die Hand eines „Moslems“ getötet werden, ist es tagelang die Schlagzeile schlechthin. Es ist zwar vielleicht etwas überspitzt oder gar „böse“ ausgedrückt, doch im Nahen Osten werden jede Woche palästinensische Kinder von israelischen Raketen verletzt oder getötet. Solche Fälle liest man aber nur am Rand oder man erfährt gar nichts davon, obwohl „Juden“ unschuldige Kinder ermorden bzw. verletzen.

Und warum habe ich die Wörter „Moslems“ und „Juden“ unter Anführungszeichen gesetzt? Ganz einfach, weil beide Religionen solch eine grausame Tat verbieten. Weder ein gläubiger Jude noch ein gläubiger Moslem würde solch ein Massaker veranstalten. Und genau deshalb ist es keine religiös motivierte Tat, auch wenn es die meisten Medien gerne so hätten.

UPDATE: Mohammed Merah ist angeblich tot. Die Polizei hat sein Haus gestürmt. Wie er starb, ist noch nicht bekannt.
Außerdem hat sich herausgestellt, dass Merah nie in einem Gefängnis in Kandahar saß. Die afghanischen Behörden dementierten die Nachricht, die von westlichen Medien verbreitet wurde.

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3 Gedanken zu „Der „Verrückte“ heißt Mohammed M. – „Al-Qaida-naher Islamist“

  1. Am späten Vormittag wurde bei einer Sendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die Meldung eingeblendet, dass der Attentäter von Toulouse gestellt sei. Ich habe sofort zu einem Narchichtensender gewechselt und habe nicht schlecht gestaunt, als von einem islamistischen Akteur die Rede war.
    Neben dem üblichen Prozedere über die Motive des islamistischen Attentäters, wie das Engagement Frankreichs in Afghanistan sowie Übergriffe der israelischen Regierung gegenüber den Palästinensern, hat mich eine ganz andere Frage beschäftigt: Wem nützt es?
    Werden durch das Morden unschuldiger Kinder andere Kinder wieder lebendig? Wird durch das Morden französischer Soldaten ein Mensch in Afghanistan wieder lebendig? Vergeltung kann nur der Fordern, der selbst unmittelbar Opfer ist. Das heißt der Palästinenser, der Afghane vor Ort. Und das gegenüber den Schuldigen, nicht gegenüber Unschuldigen.

    Man kann einen sehr guten Vergleich zwischen Mörder aus Kandahar und dem Mörder aus Toulouse ziehen. Ich stelle in Frage, dass beide Täter den Intellekt besitzen mündig zu sein. Der aufgeklärte Mensch denkt vernünftig bevor er handelt. Lassen wir die Motive des amerikanischen Soldaten beiseite und betrachten wir die Motive des Muslims. Er bezeichnet sich als Mudschahid, als jemanden der Anstrengungen auf dem Weg des Islams begeht. Ich kenne diesen Islam nicht, der auf Unrecht weiteres Unrecht walten lässt, Unschuldige in einem Anfall von vermeintlicher Selbstgerechtigkeit zu töten. Ich kenne diesen Islam nicht, der den Unterschied zwischen einem rechten Israeli und einem praktizierenden Juden nicht kennt. Ich kenne diesen Islam nicht, der Kinder tötet. Das ist ebenso wenig islamisch, wie das Handeln mancher israelischer Siedler jüdisch ist. Beide Ideologien beziehen sich auf Religionen, paradoxerweise sind es doch gerade die Religionen die das verhindern wollen. Und die Ideologien schrecken nicht davor zurück, vermeintlich eigene Leute (sie beziehen sich doch auf die Religion) zu töten. Terror kennt schließlich keine Religion.
    Kommen wir zurück zur Mündigkeit der Täter. Unmündigkeit schützt vor Strafe nicht, aber es gilt auch Hintermänner zu fassen und zu bestrafen. Ich lasse bewusst offen, wer die Hintermänner „beider Seiten“ sein könnten.

    Dass die Front Nationale jetzt auf Wählerstimmenjagd geht, ist schon fast ironisch. Eine rechtsextreme Partei, die sich fragwürdig zum Holocaust äußert, will aus Teils antisemitischen Aktionen Profit gewinnen. Eine pervertierte Umdrehung von Tatsachen.

    Mein Beileid gilt an die Hinterbliebenen der Opfer in Toulouse und in Kandahar. Möge die Hintermänner gefasst, bestraft und Ordnung, Freiheit und Sicherheit wiederhergestellt werden.

    Juden, Muslime und Christen – Hand in Hand gegen Terroristen!

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