Geheuchelte Freundschaft

In den nächsten Tagen wollen sich das afghanische Staatsoberhaupt Hamed Karzai, der iranische Präsident Mahmud Ahamdinejad und Pakistans Staatschef Asif Ali Zardari in Islamabad treffen. Ihr Ziel: Sie wollen allen anderen Staaten, insbesondere dem Westen und der USA ihre „tiefe und innige Freundschaft“ demonstrieren. Die werten Herren haben es sich vorgenommen, über die gegenwärtigen Probleme, sprich, Terrorismus, Krieg, Kriminalität und Drogenschmuggel, zu sprechen. Immerhin hat es höchste Priorität, die genannten Dinge schnell aus der Welt zu schaffen.

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Das eigentliche Ziel des verzweifelten Dreierpacks ist wohl eine Art Machtdemonstration gegenüber dem Westen. „Wir schaffen es auch leicht ohne euch!“, wollen sie sagen. Über wahre Probleme wird wahrscheinlich nicht gesprochen, Fakten und die „wahre“, also die aktuelle Situation in der Region wird unter dem Teppich gekehrt.

Fangen wir an mit Herrn Karzai, Staatspräsident Afghanistans, scherzhaft auch „Bürgermeister von Kabul“ genannt. Dass seine Macht mehr als nur begrenzt ist, weiß inzwischen jedes Kind in Afghanistan. Hamed Karzai ist auch Khan (= Oberhaupt) des paschtunischen Popalzai-Stammes. Die sturen Popalzai in Kandahar sind wohl die einzigen Unterstützer ihres Führers. Ob er falsch oder richtig handelt, ob er korrupt ist oder nicht, spielt keine Rolle. Hauptsache er ist einer von ihnen, ein Popalzai. Karzai will in Pakistan tatsächlich über Drogenschmuggel sprechen und diesen effektiv bekämpfen. Falls er es wirklich ernst meint, müsste er gegen seine eigenen Verwandten „kämpfen“, allen voran gegen seinen Bruder, der von Kandahar aus Drogengeschäfte im großen Stil macht.  Bekämpft hat Karzai seine Familie nie, ihnen Machtpositionen verschafft aber sehr wohl.

Des Weiteren weiß Herr Karzai sehr wohl über die gegenwärtige Lage der Afghanen in Pakistan und im Iran Bescheid. Er weiß, dass sich der pakistanische Staat jahrelang einen Dreck um die afghanischen Flüchtlinge im Lande scherte. Er weiß, dass tagtäglich unschuldige Paschtunen in Waziristan durch von Pakistan genehmigte Drohnenangriffe getötet werden.  Er weiß auch, dass andere Minderheiten wie die Belutschen auf das Extremste von Pakistan unterdrückt werden. Es ist Fakt, dass Pakistan seit seiner Entstehung eine anti-afghanische Haltung hat und mit Gewalt die illegale Durrand-Linie aufrecht hielt.

Auch der Iran ist alles andere als ein Freund der Afghanen. Abgesehen davon, dass es afghanische Flüchtlinge schon immer schwer hatten im benachbarten Land, sprich, sie wurden diskriminiert und in jeder Hinsicht benachteiligt, haben es gegenwärtig Afghanen der zweiten Generation, also jene, die dort geboren wurden, es ebenfalls nicht leicht. Während das iranische Volk immer mehr nach Freiheit lechzt, beraubt sie anderen Menschen im eigenen Land die Freiheit. Jedes Jahr werden hunderte Afghanen im Iran hingerichtet, viele von ihnen sitzen unschuldig im Gefängnis und warten auf den Henker, es wurde ihnen nie ein fairer Prozess gestattet. Der iranische Staat neigt gerne dazu, alle anderen Minderheiten, sprich, alles was nicht persisch und nicht schiitisch ist, zu diskriminieren und für kriminell zu erklären. Die schon erwähnten Belutschen, die schon seit eh und je im Iran ebenfalls angesiedelt sind, haben dort ähnliche Probleme.

Möchtegernpatriot Karzai will davon nichts wissen. Seine Vorfahren die in Kandahar ruhen, würden sich wohl vor Scham im Grabe umdrehen.
Pakistans Zardari, der die anderen Parteien nach Islamabad einlud, zeigt sich merkwürdigerweise plötzlich sehr freundschaftlich. Er hat wohl endlich gemerkt, dass sein Staat es mit dem doppelten Spiel gegenüber den USA zu weit getrieben hat. Neue Verbündete würden nicht schaden, also warum nicht gleich bei den Nachbarländern anfangen?
Zardari will „gegen den Terror und gegen die Taliban kämpfen“. Er hat aber vergessen, dass der pakistanische Staat, insbesondere der pakistanische Geheimdienst ISI für diesen Terror sowie für die Auswüchse von verschiedenen fanatischen Gruppen, die man großenteils auch „islamistisch“ nennen kann, verantwortlich zu machen ist. Pakistan bietet zahlreichen arabischen Unruhestiftern und Wahnsinnigen Unterschlupf. Der arabische Import versteht es mittlerweile sehr gut, in Afghanistan, Pakistan und anderen umliegenden Ländern für Chaos zu sorgen. Selbstmordattentate und andere Gräueltaten an Zivilisten sind zum traurigen Alltag geworden, Minderheiten werden gefoltert, getötet und diskriminiert. „Pak“ würde auf Urdu und Farsi übersetzt „rein“ oder „sauber“ bedeuten, doch wie die Ironie es will, hat sich der pakistanische Staat seit seiner Gründung nichts „Sauberes“ geleistet.

Mahmud Ahmadinejad, Marionette des Ayatollahs Ali Chamenei, wird natürlich ganz im Interesse der neuen, heran strebenden Großmacht des Nahen Ostens handeln. Der Iran versucht schon seit Langem durch die Unterstützung von persisch-sprachigen und schiitischen Warlords in Afghanistan seinen Einfluss zu erweitern. Während im Iran die Afghanen wie Dreck behandelt werden, umwirbt man sie im Ausland. Pakistan scheint dem Iran als Atommacht interessant zu sein, gute Beziehungen würden auf jeden Fall nicht schaden.

Im Großen und Ganzen ist es eine ziemlich schwache und durchschaubare Show, die sich in den nächsten Tagen in Islamabad abspielen wird.
Jene Staaten, die schon seit Jahrzehnten versuchen, Afghanistan ihres zu machen und ihren Einfluss zu erweitern, spielen nun den guten Freund, den freundlichen Nachbar und wollen mit Afghanistan „gemeinsame Sache machen“. Wie dies aber genau aussehen soll, ist unklar und wird es wohl auch weiterhin bleiben. Während Karzai, Ahmadinejad und Zardari beim Tee über Belanglosigkeiten und unlösbare Probleme plaudern werden, werden weiterhin unschuldige Menschen sterben.
Ich persönlich hoffe, dass diese geheuchelte Freundschaft schon bald wieder ihr Ende findet.

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8 Gedanken zu „Geheuchelte Freundschaft

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