Die Gräueltaten nehmen kein Ende

Das afghanische Volk hat es auch im Jahre 2012 wahrlich nicht einfach. Während ein Ende des Krieges noch lange nicht in Aussicht ist, hört man seit einigen Tagen von immer mehr Abscheulichkeiten seitens der fremden Soldaten im Land.

Schon Ende 2011 sorgte das „Kill-Team“ für Schlagzeilen.  Anstatt für „Demokratie und Menschenrechte“ zu sorgen, bevorzugten es eine Handvoll Soldaten lieber, unschuldige afghanische Zivilisten abzuschlachten und neben ihren geschändeten Leichen zu posieren. Nun konnte man vergangene Woche auf Youtube US-Soldaten sehen, die ebenfalls Leichen schändeten indem sie auf sie urinierten. Abscheulicher geht es wohl kaum. In der Videobeschreibung hieß es, dass es sich bei den Toten um Taliban-Kämpfer handeln soll. Sicher ist das natürlich nicht, denn die meisten getöteten afghanischen Männer, egal ob Zivilisten oder einfache Straßenräuber, werden als „Taliban-Kämpfer“ abgestempelt. Und auch für den Fall, dass es wirklich Aufständische waren, wer behandelt schon auf so eine herabwürdigende Art und Weise den getöteten Feind? Die Amerikaner machen es vor. Die Politelite in Washington zeigt sich heuchlerisch empört und droht mit „harten Konsequenzen“. Der mediale Aufschrei rund um das Video war enorm. Die westliche Gesellschaft erinnerte sich wieder an die fürchterlichen Bilder aus dem Abu-Ghraib-Gefängnis im Irak.

Trotzdem stellt man sich die Frage, wie heuchlerisch und naiv doch die Menschen geworden sind. Jeden Tag sterben in Afghanistan Unschuldige, vor allem durch den Drohnenbeschuss an der afghanisch-pakistanischen Grenze, die praktisch nur auf der Karte existiert, sterben fast täglich zahlreiche Zivilisten, die nicht einmal eine einzige Schlagzeile wert sind. Nun hat man plötzlich die Bilder einer Totenschändung vor sich und zeigt „Mitgefühl“. Man will sich gar nicht vorstellen, wie einige dieser Soldaten noch lebende Afghanen genau in diesem Moment behandeln. Immer wieder erinnere ich mich an ein Interview aus dem Jahre 2002 mit einem alten Mann aus einem Stammesgebiet, der schmerzhaft und weinend darüber berichtete, wie ihn junge US-Soldaten sexuell missbraucht haben. Abgesehen davon, dass der Mann ein Zivilist war, stellt man sich die Frage, wie ein Soldat nur so etwas machen kann.

Bei den aktuellen Vorfall handelt es sich um „honorierte Marines“, die Einheit wurde schon im 2. Weltkrieg als „glorreich und ehrenvoll“ gefeiert. Ich frage mich, wie sich wohl die unteren Einheiten aufführen, wie „ehrenvoll“ sie sich wohl in diesem sinnlosen Krieg verhalten.
Nun hat man heute noch erfahren dürfen, dass britische Soldaten zwei Kinder missbraucht haben sollen. Die beiden Opfer sollen erst zehn Jahre alt sein. Nun haben also die Soldaten angefangen, das gleiche zu tun wie ihre Verbündeten in Afghanistan, die großenteils aus ehemaligen Warlords bestehen. Sie nehmen sich die Schwächsten der Gesellschaft vor: Kinder.

Und nicht zu vergessen, währenddessen gehen die Drohnenattacken, die hauptsächlich Zivilisten treffen, immer noch weiter. Die Amerikaner sagen zwar, dass „nur“ 20 Prozent der Getöteten Zivilisten seien, doch warum sollte ein rational denkender, aufgeklärter Mensch ihnen Glauben schenken? Die Amerikaner und der Westen haben sich in etwas verstrickt, aus dem sie nicht mehr entkommen können. Sie sind in den Krieg gezogen, um einen nicht-vorhandenen, künstlichen, von ihnen selbst erschaffenen Feind zu besiegen doch nun bilden sich von Tag zu Tag mehr „reale Feinde“. Feinde, die nie in den Krieg ziehen wollten, nun aber keine andere Wahl haben, weil sie alles verloren haben, was man verlieren kann. Ihre Frauen, ihre Mütter und ihre Kinder. Ihr Land wird von Fremden beherrscht und ihre Traditionen und ihre Religion werden nicht respektiert, wie denn auch, wenn nicht einmal das menschliche Leben an sich respektiert wird?

Die Zukunft ist ungewiss, das Jahr hat gerade erst angefangen, doch eines ist sicher: 2011 war ein schlimmes, verlustreiches Jahr für die ISAF-Truppen in Afghanistan, 2012 könnte es noch schlimmer werden.

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2 Gedanken zu „Die Gräueltaten nehmen kein Ende

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