Der rechte Terror geht weiter

Das Jahr 2011 neigt sich langsam dem Ende zu und hat uns gezeigt, dass rechtsextremer Terrorismus über die ganzen vergangenen Jahre hinweg maßlos unterschätzt wurde.
Begonnen hat das ganze Chaos mit dem grausamen Massaker des Anders B. Breivik, den manch „europäischer Würdenträger“ immer noch nicht als ersten rechtsextremen Terroristen anerkennen möchte. Seine extrem antisozialistische und islamophobe Einstellung hat ihn dazu gebracht, zahlreiche junge Menschen, denen vielleicht eine glorreiche Zukunft bevorstand, hinzurichten. Gegenwärtig sitzt Breivik immer noch in Einzelhaft, wird vierundzwanzig Stunden permanent überwacht und könnte gegen seinen Willen vom Gericht für „psychisch unzurechnungsfähig“ erklärt werden. Demnach müsste er keine Haftstrafe absitzen und würde „nur“ in eine psychiatrische Anstalt kommen, wo er wahrscheinlich den Rest seines Lebens verbringen würde. Für die Angehörigen der Opfer wäre solch ein Urteil ein Schlag ins Gesicht.
Vor einigen Wochen kam es zur nächsten Schlagzeile, die viele Diskussionen nach sich zog: Der Terror des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) wurde aufgeklärt. Die rechtsextreme Terrorvereinigung, die auch als Zwickauer-Terrorzelle bekannt wurde, wird für die sogenannte „Mordserie Bosporus“ (abwertend auch als „Dönermorde“ bezeichnet) sowie für den Polizistenmord von Heilbronn im Jahre 2007 verantwortlich gemacht. Abgesehen davon soll die Gruppe zahlreiche andere Verbrechen begangen haben wie zum Beispiel das Nagelbomben-Attentat von Köln im Jahre 2004.
Das „Paulchen-Panther-Video“ mit dem die Terrorgruppe auf zynische Art und Weise ihre Taten „dokumentierte“, hat inzwischen traurige Berühmtheit erlangt. Inzwischen ist auch bekannt, dass die Gruppe von Informanten des Verfassungsschutzes, sogenannten „V-Personen“ gedeckt wurde. Außerdem sollen die Täter Kontakte zur NPD gehabt haben, einer Partei, die immer noch in Deutschland zugelassen ist.
Fakt ist, dass die Gewaltbereitschaft von Neonazis und Co. vom deutschen Staat gewaltig unterschätzt wurden. Während man nur die „bösen Islamisten und Dschihadisten“ beobachtete, konnte der NSU problemlos im Untergrund jahrelang morden.
Viele Menschen dachten außerdem, dass sich nun Neonazis und andere rechte Gruppierungen etwas zurückhalten würden. Falsch gedacht: Abgesehen davon, dass es in Deutschland fast tagtäglich zu „kleineren Gewaltausbrüchen“ von Neonazis kommt, hat vor einigen Tagen ein italienischer Neonazi in Florenz auf fünf Senegalesen geschossen und tötete dabei  zwei von ihnen. Die anderen überlebten, einer von ihnen schwerverletzt.
Die europäische Gesellschaft ist schockiert, ihre Politelite fassungslos und unfähig zu handeln. Da stellen sich die deutschen Politiker immer wieder die Frage, ob denn nun ein NPD-Verbot wirklich sinnvoll sei. Wirklich scharfe Kritik hörte man bisweilen nur wenig. Abgesehen davon gibt es tatsächlich noch solch naive Menschen, die jeden dieser Fälle als „Ausnahme“, als „Einzelfall“ beschreiben. Gleichzeitig verschweigen sie, dass zum Beispiel in Deutschland die NPD eine Anlaufstelle für ehemalige Neonazis aus verschiedenen Kameradschaften ist. In den letzten Wochen hat man von NPD-Aussteigern oft gehört, wie gewaltbereit und radikal diese Szene inzwischen geworden ist. Auch in anderen europäischen Ländern wie Ungarn erlangen die Neonazis immer mehr Macht und diskriminieren und vertreiben (!) sogar ethnische Minderheiten wie die Roma. In Russland marschieren fast jede Woche mehrere Tausend Neonazis auf und hetzen öffentlich gegen alles und jeden, obw0hl Hitler „die slawische Rasse“ Verachtung schenkte.
Nun muss der Europäer, sprich, die europäische Politik handeln und einsehen, dass es falsch war, sich jahrelang nur auf den islamistischen Terror zu konzentrieren. Die Taten der Rechten sprechen für sich. Viele ihrer Opfer, wie die Senegalesen, waren Moslems. Auch Anders B. Breivik fielen zahlreiche muslimische Jugendliche zum Opfer. Der NSU fielen ebenfalls türkische Moslems zum Opfer.
Trotzdem wollen die Medien und die Politiker keine große Sache daraus machen. Sie zeigen nicht einmal eine ernsthafte Anteilnahme. Man stelle sich vor, Anders B. Breivik hätte Mohammad R. Yunus geheißen und wäre ein Bartträger. Man stelle sich vor, ein radikaler Islamist hätte auf indische Sikhs geschossen, während diese auf einem Markt ihre Sachen verkauften. Man stelle sich vor, der Nationalsozialistische Untergrund hätte „Dschihadistische Freiheitsfront“ geheißen und hätte kaltblütig deutsche Würstchenbudenbesitzer hingerichtet. Was wäre dann wohl los gewesen in unserem ach so friedlichen Europa?  Der Aufschrei wäre wahrhaftig ein anderer gewesen.
Anstatt all diese Themen zu behandeln, wird morgen Abend bei Günther Jauch über „islamistischen Terror“ diskutiert. Gleich nach einer Folge „Tatort“, in der es ebenfalls um eine „islamistische Terrorzelle“ geht.
Um was denn auch sonst?

UPDATE: Bei Jauch wird nun doch nicht über radikale Moslems diskutiert. Der ARD hat es bevorzugt, über die Kreditaffären des Christian Wulff zu reden. Entweder hat der Sender erkannt, dass solch eine Diskussion gegenwärtig gar nicht ins Bild passt oder wollte einfach seine Einschaltquoten durch die fragwürdigen Beziehungen des deutschen Bundespräsidenten erhöhen. Wie auch immer, es ist besser so. Bei den geplanten Gästen erst recht ( u.a. Alice Schwarzer und das deutsch-afghanische Model Zoreh Esmaeli).

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3 Gedanken zu „Der rechte Terror geht weiter

  1. Absolute Zustimmung. Der Westen hat schon immer mit zweierlei Maß gemessen. Der Holocaust ist nur ein Höhepunkt der westlichen Abgründe. Schlimmer noch, wenn sie zulassen das Geschichte sich wiederholt. Wer schließlich nichts aus der Geschichte lernt, ist verdammt sie zu wiederholen (Brecht).

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