Das Chaos geht weiter

Kurz nach dem Ende der Afghanistan-Konferenz in Bonn kam es zu einen der schlimmsten Anschläge in der jüngeren Geschichte des Landes.
Am 10. Muharram des islamischen Kalenders, an jenem Tag, an dem schiitische Moslems Aschura feiern, wurden zahlreiche unschuldige Menschen von Selbstmordattentätern in den Tod gerissen.
In Kabul starben über fünfzig Menschen nahe eines schiitischen Schreins, in Mazar-e Scharif starben vier Menschen ebenfalls nahe eines schiitischen Versammlungsortes. Die meisten Todesopfer gehören zu der schiitischen Minderheit Afghanistans. Die Taten wurden sofort den afghanischen Taliban in die Schuhe geschoben, obwohl sie für jene völlig untypisch ist. Deren Sprecher, Zabiullah Mujahid, nannte die Taten als „unislamisch“ und „unmenschlich“ und meinte, dass die Taliban hierfür sicherlich nicht verantwortlich seien. Ob man es glauben will oder nicht, er hat nicht gelogen.
Die Vergangenheit hat schon oft bewiesen, dass arabische und pakistanische Extremisten für solche Taten verantwortlich sind. Auch in diesem Fall hat sich schon eine pakistanische Extremistengruppe zu den Taten bekannt. Es ist eine von jenen Gruppen, die der Ideologie des Wahabbismus folgen und gerne auf Gehirnwäsche und Selbstmordanschläge setzen. Diese Gruppen entführen auch Waisenkinder entlang der pakistanisch-afghanischen Grenze und bilden sie zu Selbstmordattentätern aus, die sie dann auf Sufi-Schreinen schicken, um möglichst viele Menschen zu töten.
Wer die wahren Drahtzieher dieser grausamen Herrschaften sind, ist jedoch weiterhin nicht klar. Es wird vermutet, dass der pakistanische Geheimdienst ISI, der gerne Unruhe in Afghanistan stiftet, seine Finger im Spiel hat.
Im Gegensatz zu der Lage in vielen arabischen Ländern lebten Schiiten und Sunniten in Afghanistan schon immer friedlich miteinander. Ausländische Einflüsse wollen die Situation zwischen den beiden Gruppen eskalieren lassen, um daraus ihren eigenen Vorteil zu ziehen. Man kann nur hoffen, dass ihr Plan nicht aufgeht und dass die afghanische Bevölkerung weiterhin zusammenhält.
Währenddessen hat der afghanische Präsident Hamed Karzai seinen London-Besuch abgesagt und ist umgehend nach Afghanistan zurück geflogen. Noch gestern befand er sich mit dem Rest der afghanischen Delegation in Bonn. Das Fazit der Afghanistan-Konferenz ist wohl eindeutig: An den wichtigen Themen wurde vorbei geredet. Die Taliban und der Umgang mit ihnen wurde nahezu überhaupt nicht erwähnt. Das sture und blinde Pakistan hat die Konferenz boykottiert, weil es plötzlich seine Doppelmoral bezüglich getöteter pakistanischer Soldaten gefunden hat. Nochmal zur Erinnerung: Tagtäglich werden auf „pakistanischen Boden“ entlang der Durand-Linie unschuldige Paschtunen von US-Drohnen getötet. Pakistan ignoriert dies und bedauert nicht einmal den Tod der Zivilisten. Als die amerikanischen Verbündeten dann pakistanische Soldaten aus der Panjabi sprechenden Mehrheit des Landes töteten, war der Aufschrei laut. Daran erkennt man nur, dass Pakistan keinen Wert legt auf die Minderheiten im eigenen Land, sprich, Paschtunen und Belutschen, diese tagtäglich schikaniert und unterdrückt und auch sonst keinen Beitrag zum Frieden im Allgemeinen leisten will.
Karzai und Co. haben nur über die wenigen Fortschritte im Land geredet. Hillary Clinton meinte doch tatsächlich, dass Afghanistan in Sachen Frauenrechte in die richtige Richtung geht und dass sich die Lage eindeutig verbessert habe. Leider hat sie vergessen zu erwähnen, dass die US-Verbündeten im Land, die großenteils aus Warlords der Nordallianz bestehen, es sich nicht vornehmen lassen, die von ihnen kontrollierten Gebiete zu unterdrücken. So werden immer noch in vielen Provinzen unschuldige Menschen von Milizionären entführt, vergewaltigt, missbraucht oder ermordet werden. Die internationale Staatengemeinschaft sieht über dies hinweg und bezeichnet diese Gruppe von Mördern und Verbrechern auch noch als „Verbündete im Kampf gegen den Terror“.
Heuchelei auf höchstem Niveau. Mehr kann man dazu nicht sagen.

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