Bei mir bekommen Sie Asyl gewährt!

Das würde ich zu Julian Assange, dem Sprecher von Wikileaks, sagen, falls er mir mal über den Weg laufen würde. Wikileaks und seine Diplomatendepeschen sind gegenwärtig das Thema Nummer-eins schlechthin. Die Vorahnungen von vielen Menschen haben sich bewahrheitet. Die USA denkt über die Welt so, wie wir alle es uns gedacht haben. Über jeden Staatschef lassen sich verschiedenste Anmerkungen finden, und die sind alles andere als  in diplomatischer Sprache verfasst. Vladimir Putin sei ein „Alpha-Rüde“, Hamid Karzai sei „paranoid“ und Silvio Berlusconi veranstalte „wilde Partys“. Über Österreichs Politiker lässt sich nichts nennenswertes finden. „There is a guy called Van der Bellen who smokes much“ , wird mir am ehesten in Erinnerung bleiben. Die deutsche Regierung traf es da schon schärfer. Außenminister Westerwelle wurde sehr schlecht dargestellt, dazu hat sicher auch seine israelkritische Haltung beigetragen. Auch die Frau Bundeskanzlerin „bekommt ihr Fett weg“ und wird als schwächelnd beschrieben. Umso erschütternder ist, dass die Informationen bezüglich Westerwelle von einem internen FDP-Spitzel an die Amerikaner zugespielt wurden. Helmut Metzner heißt der Herr, der nichts anderes als der Büroleiter des Außenministers höchstpersönlich war. Oh ja, „war“, denn ihm wurde schon gekündigt. Westerwelle zeigte sich tief bestürzt über den Vertrauensbruch, was auch verständlich ist.  In einem Interview mit dem SPIEGEL zeigte sich der amerikanische Botschafter in Berlin sichtlich wütend über die Veröffentlichung der Dokumente. Amerikanische Republikaner bezeichnen Assange und Co. als „Terroristen, die die Sicherheit der USA gefährden“. Deshalb müssen sie „dingfest“ gemacht werden. Und das wird auch mit allen Mitteln versucht. Julian Assange wird in Schweden steckbrieflich wegen der angeblichen Vergewaltigung von zwei Frauen gesucht. Gegenwärtig befindet er sich in London, wie seine Anwältin mitteilte. Er ist unter ständiger Beobachtung, denn die US-Regierung ist stinksauer auf ihn. Sie wollen ihn loswerden, er bekommt täglich Morddrohungen und lebt in Angst. Das erinnert an einen krassen CIA-Thriller, wie wir es nur aus dem Kino kennen. Trotzdem ist Assange mutig, er sieht sich als Revolutionär, der die Welt maßgeblich verändert hat. Vielleicht übertreibt er es damit ein wenig. Er ist der einsame Einzelgänger, der es den „Reichen und Einflussreichen“ ordentlich gezeigt hat. Die legen ihm jetzt aber viele Steine in den Weg. Die amerikanische Wikileaks-Seite wikileaks.org wurde massiv angegriffen, es gab immer wieder Probleme sie zu erreichen, Wikileaks sah sich gezwungen, auf einen Schweizer-Server zu wechseln. Man beachte, dass tausende von Neo-Nazi-Seiten, die rassistische Hetzen und ähnliches verbreiten, auf amerikanischen Servern existieren und ohne Probleme weiter bestehen dürfen. Seiten wie Wikileaks hingegen, die nichts anderes tun, als die Wahrheit zu verbreiten, werden so unter Druck gesetzt, dass es einem schon Angst macht. Auch die Schweizer-Seite ist manchmal nicht zu erreichen, desweiteren wurde der Paypal-Service, durch den Wikileaks seine Spenden empfängt, eingestellt. Es ist erschreckend, was hier für eine Kampagne betrieben wird.

Fakt ist, dass die Reaktion der Amerikaner auf die Veröffentlichung viel erschreckender ist, als die Dokumente an sich.

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