„Menschen bei Maischberger“- witzig war’s

Am Montagabend zu später Stunde wurde ich zufällig Zeuge dieser abstrusen Sendung, die es sich an diesen Abend vorgenommen hatte, über den Islam „aufzuklären“. Mit dem Titel „Kopftuch und Koran – hat Deutschland kapituliert?“ und Gästen wie den bekannten „Internetprediger“ Pierre Vogel, den „letzten Weltenerklärer“, wie ihn die „Zeit“ nannte, Peter Scholl-Latour, den „gutwilligen“ Fernsehpfarrer Jürgen Fliege, den „0815-Islamkritiker“ Udo Ulfkotte, der zum Islam konvertierten deutschen Soziologin Irmgard Pinn und zu aller Letzt, die „Buchautorin“ Nourig Apfeld, eine Frau, die anscheinend erlebte, wie ihre Schwester von ihren Vater ermordet wurde und dazu ein Buch geschrieben hat, auf dessen Cover sie fast schon hämisch grinst, wieso sie das tut, verstehe wer will. Ich finde es auf jeden Fall nicht witzig, dass ihrer jüngeren Schwester ein solch schreckliches Schicksal zu Teil wurde.

Für mich ist es außerdem das erste Mal, dass Herr Pierre Vogel alias Abu Hamza in solch einer Sendung zu sehen ist. Und der hat mich wirklich überrascht, denn er sprach klar und deutlich, ohne zu hetzen oder ähnliches. Er hat sich nicht radikal geäußert und hat sich, meiner Meinung nach, „ordentlich“ benommen und nichts falsches gesagt. „Ordentlich“ – ein schönes Wort, was sicher nicht auf alle Gäste zu traf.  Zum Beispiel die „Frau Buchautorin“ mit syrischen Wurzeln, die die Schuld an den Ehrenmord an ihrer jüngeren Schwester dem Islam in die Schuhe schob und permanent andere Gäste unterbrach, während sie lautstark, kreischend und hysterisch ihre „islamkritische Meinung“ kund machen wollte. Man könnte fast schon meinen, politically incorrect hätte sie dorthin geschickt. Da hat sich sogar Pierre Vogel zurück gehalten und sie nur irritiert angeschaut. Ich hätte das wohl nicht geschafft und ihr klar und deutlich gemacht, dass sie sich nur lächerlich macht und den tragischen Tod ihrer Schwester nur dazu ausnutzt, um Geld zu scheffeln, denn genug Aufmerksamkeit hat sie ja bekommen, auch von Frau Maischberger, eine gelungene Werbung für ihr Buch.

Der Journalist Ulfkotte meinte hingegen, dass alle arbeitslosen Moslems aus Deutschland auszuweisen wären. Er denkt wohl, dass er dann alle Moslems los sei, was nicht ganz richtig ist, so muss er nur einmal durch die Frankfurter Innenstadt spazieren, um zu bemerken, dass so gut wie alle Internetcafés, Shisha-Bars und Döner-Buden, die sich dort in einer Vielzahl finden lassen, von Moslems betrieben werden. Die Verbrennung des Korans ist für ihn absolut nicht empörend, da die ARD anscheinend auch Bibeln verbrannt hat, desweiteren haben anscheinend ein paar Amerikaner ebenfalls Bibeln in Afghanistan verbrannt, weil der Rücktransport in die USA zu teuer gekommen wäre. Der werte Herr Ulfkotte hat aber „vergessen“, dass die Beteiligten keine Moslems waren und nicht die Absicht hatten, Christen zu provozieren, sondern nur ein finanzielles Interesse hatten. Wieso aber der ARD eine Bibel verbrannt hat und wann das war, das weiß ich auch nicht. Aber dass kein Moslem daran beteiligt war, da bin ich mir ziemlich sicher.

Die vor 30 Jahren zum Islam konvertierte Irmgard Pinn kam nicht ganz so ernst rüber, obwohl sie den ein oder anderen guten Standpunkt vertrat. Herr Scholl-Latour schwelgte, wie oft, in alten Erinnerungen, doch der Zuschauer konnte, wie immer, erkennen, dass man diesem Mann mit soviel Lebenserfahrung nichts vormachen könne und dass er sich wirklich mit dem Islam sowie mit dem Nahen Osten auskennt. Jürgen Fliege, der Fernsehpfarrer, ein „Möchtegern-Gutmensch“ schlechthin, konnte es sich am trotzdem nicht verkneifen, Herrn Vogel anzufahren und zu meinen, dass dieser irgendwann erkennen müsse, dass „der Koran Menschenwerk ist und nicht vom Himmel fiel“.

Pierre Vogel selber wurde immer wieder zur Gleichberechtigung von Mann und Frau befragt, doch ihm wurde kaum Zeit gelassen zu antworten, so wurde er immer wieder von der aufkreischenden Frau Apfeld unterbrochen oder von Frau Maischberger selbst „komisch“ behandelt, wie jeden klar denkenden Zuschauer sicherlich auffiel. Abgesehen davon lässt sich solch eine Frage nicht in so einer kurzen Sende-und Sprechzeit beantworten.

Im Großen und Ganzen fiel die antiislamische Stimmung in der Runde auf, auch seitens der Moderatorin. Seriös war das ganze sicher nicht, denn auch wenn vielleicht die meisten Deutschen denken, dass Pierre Vogel nicht tolerant sei oder ähnliches, so hätte die Gastgeberin der Sendung zeigen müssen, dass sie es eben genau deshalb ist. Das hat sie aber nicht, so hat man an diesen Abend wenig erfahren, aber viel gehört. Ich warte immer noch auf eine aufschlussreiche Diskussion, in der gebildete, höfliche Menschen eingeladen werden, die sich gegenseitig zuhören können und in der Lage sein werden, auf eine „normale“ Art und Weise miteinander zu kommunizieren.

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3 Gedanken zu „„Menschen bei Maischberger“- witzig war’s

  1. Ulfkotte ist wirklich nicht mehr ernstzunehmen. Irgendwo hab ich gelesen, er wäre mal zum islam konvertiert und wieder ausgetreten – stimmt das? kann ich mir kaum vorstellen.
    Vorstellen könnte ich mir allerdings, Ausländer auszuweisen, die länger als ein jahr arbeitslos sind. Allerdings nicht nur die Muslime unter ihnen.
    In den Emiraten macht man es genauso, bzw. da fliegt man bei Arbeitslosigkeit sofort raus.

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    • Das bzgl. Ulfkotte ist mir nicht bekannt, solche Gerüchte kursieren über die verschiedensten Personen.
      Was Sie sich vorstellen ist nicht realisierbar, Deutschland ist nicht mit den Emiraten vergleichbar. Es gibt genug deutsche Arbeitslose, ebenso wie Ausländer, Arbeitslose rauszuschmeißen schafft auch keine neuen Arbeitsplätze.

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  2. Pingback: Islamophobie nimmt nicht ab | Emran Feroz's Blog

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